Wildtiere dominieren Meldungen - Service wird zur unverzichtbaren Anlaufstelle
Die niederösterreichische Tierschutzhotline bewährt sich mit über 5.500 Anrufen als erfolgreiches Serviceangebot für den Tierschutz.
Die niederösterreichische Tierschutzhotline hat sich auch im Jahr 2025 als unverzichtbares Instrument im heimischen Tierschutz etabliert. Mit insgesamt 5.564 Anrufen dokumentiert das seit Oktober 2020 bestehende Serviceangebot eine kontinuierlich hohe Nachfrage bei der Bevölkerung. Landesrätin Susanne Rosenkranz sieht darin einen klaren Erfolg der Tierschutzpolitik des Landes.
Die Aufschlüsselung der Anrufe zeigt deutliche Schwerpunkte: Mit 3.811 Meldungen standen Wildtiere klar im Zentrum des Interesses. Haus- und Heimtiere waren mit 1.475 Anrufen deutlich seltener Gegenstand der Meldungen, während Nutztiere mit nur 243 Anrufen eine untergeordnete Rolle spielten.
"Viele Menschen sind verunsichert, wenn sie Wildtiere sehen – etwa einen verletzten Jungvogel oder einen Igel im Garten. Genau hier setzt die Hotline an: Sie beruhigt, klärt auf und verhindert unnötige Eingriffe in den natürlichen Kreislauf", erläutert Landesrätin Rosenkranz die Bedeutung des Services. Nicht jeder Anruf bedeute automatisch Tierleid, vielmehr handle es sich oft um normale Naturbeobachtungen, die fachkundige Einordnung benötigen.
Regional verzeichneten das Mostviertel und das Industrieviertel die meisten Anrufe. Auf Bezirksebene führte St. Pölten-Land erneut die Statistik an. Diese Verteilung spiegelt sowohl die Bevölkerungsdichte als auch die unterschiedlichen Naturräume der niederösterreichischen Regionen wider.
Die saisonale Auswertung offenbart einen charakteristischen Verlauf: In den Sommermonaten Juni und Juli erreichte die Hotline einen deutlichen Peak. Dies ist hauptsächlich auf die erhöhte Zahl an Jungtieren und die vermehrten Wildtierbeobachtungen in dieser Zeit zurückzuführen. Während der warmen Monate sind sowohl Tiere als auch Menschen verstärkt im Freien aktiv, was zu mehr Begegnungen und entsprechend mehr Meldungen führt.
Ein wesentlicher Aspekt der Hotline-Arbeit liegt in der professionellen Triagierung der eingehenden Meldungen. In 1.486 Fällen war eine Weiterleitung an Polizei oder Jägerschaft notwendig, weitere 440 Fälle wurden an Amtstierärzte übermittelt. Diese Zahlen verdeutlichen die Filterunktion des Services und seine Rolle als erste Anlaufstelle.
"Die Zusammenarbeit mit Jägerschaft, Polizei und Tierärzten läuft sehr gut. Das zeigt, dass die NÖ Tierschutzhotline richtig filtert und gezielt jene Stellen einbindet, die bei echten Problemfällen gebraucht werden", betont Rosenkranz. Das System stelle sicher, dass Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie tatsächlich benötigt werden.
Die Tierschutzhotline wird zu hundert Prozent vom Land Niederösterreich finanziert und ist rund um die Uhr erreichbar. Betrieben wird sie vom Verein "Tiernotruf Österreich", der mit großer Fachkompetenz und Engagement die Anrufe bearbeitet. Diese Organisationsstruktur gewährleistet sowohl die fachliche Qualität als auch die kontinuierliche Verfügbarkeit des Services.
Die 24-Stunden-Erreichbarkeit ist besonders wichtig, da Tierschutzprobleme nicht an Öffnungszeiten gebunden sind. Verletzte oder in Not geratene Tiere benötigen oft sofortige Hilfe, und besorgte Bürger müssen die Möglichkeit haben, sich jederzeit fachkundigen Rat zu holen.
Ein nicht zu unterschätzender Aspekt der Hotline liegt in ihrer präventiven und aufklärenden Wirkung. Viele Anrufer sind sich unsicher, ob das beobachtete Verhalten eines Tieres normal ist oder Hilfe erforderlich macht. Durch die fachkundige Beratung können unnötige Eingriffe in natürliche Abläufe vermieden werden.
Besonders bei Wildtieren ist dieses Wissen wertvoll: Junge Wildtiere werden beispielsweise oft fälschlicherweise für hilfsbedürftig gehalten, obwohl sie nur auf die Rückkehr der Elterntiere warten. Durch die kompetente Beratung der Hotline werden solche Missverständnisse aufgeklärt und unnötige "Rettungsaktionen" verhindert.
Landesrätin Rosenkranz stellt den Ansatz des Landes klar: "Unser Zugang entwickelt sich konsequent weiter: Tierschutz dort, wo Tiere leiden – bei Misshandlung, Vernachlässigung und groben Missständen. Die Hotline ist dabei ein wichtiges Werkzeug, aber kein Ersatz für Hausverstand und Eigenverantwortung."
Diese Philosophie spiegelt einen pragmatischen Ansatz wider, der sowohl dem Tierschutz als auch der Eigenverantwortung der Bürger Rechnung trägt. Die Hotline soll dort helfen, wo fachliche Expertise gefragt ist, aber nicht die grundsätzliche Verantwortung der Menschen für ihre Umwelt und die Tiere darin ersetzen.
Die kontinuierlich hohen Anrufzahlen zeigen, dass die Tierschutzhotline einem echten Bedürfnis entspricht. Sie hat sich als Schnittstelle zwischen besorgten Bürgern und den zuständigen Behörden etabliert und trägt zu einem effektiveren Tierschutz bei.
Das Projekt demonstriert, wie durch gezielte Serviceangebote sowohl der Tierschutz verbessert als auch die Bürger unterstützt werden können. Die professionelle Struktur und die gute Zusammenarbeit der beteiligten Akteure machen die NÖ Tierschutzhotline zu einem Modell, das auch für andere Bundesländer interessant sein könnte.
Für Niederösterreich bleibt die Hotline ein wichtiger Baustein einer modernen, bürgernahen Tierschutzpolitik, die sowohl den Bedürfnissen der Tiere als auch den Sorgen der Menschen gerecht wird.