Österreichs Autofahrer können sich keine Hoffnung auf niedrigere Spritpreise machen: Der ÖAMTC zeigt sich am 15. Januar 2025 skeptisch gegenüber der geplanten Änderung der Spritpreisverordnung durc...
Österreichs Autofahrer können sich keine Hoffnung auf niedrigere Spritpreise machen: Der ÖAMTC zeigt sich am 15. Januar 2025 skeptisch gegenüber der geplanten Änderung der Spritpreisverordnung durch die Bundesregierung. Ab kommendem Montag sollen Tankstellen nur noch dreimal pro Woche die Preise für Benzin und Diesel erhöhen dürfen – eine Maßnahme, die laut Österreichs größtem Mobilitätsclub mehr Probleme schaffen als lösen könnte. Martin Grasslober, Verkehrswirtschaftsexperte des ÖAMTC, bezeichnet den Vorschlag als reine Beruhigungspille ohne echte Entlastung für Konsumentinnen und Konsumenten.
Die von der Bundesregierung vorgeschlagene Änderung der Spritpreisverordnung ist eine direkte Reaktion auf die anhaltende Diskussion über steigende Treibstoffpreise in Österreich. Bisher konnten Tankstellenbetreiber ihre Preise täglich und beliebig oft anpassen – eine Praxis, die zu häufigen Schwankungen und Verwirrung bei den Verbrauchern führte. Das neue System sieht vor, dass Preiserhöhungen nur noch montags, mittwochs und freitags erfolgen dürfen.
Diese Regelung soll mehr Transparenz und Planbarkeit für Autofahrer schaffen. In der Theorie könnten Konsumenten so gezielter tanken und günstigere Zeitpunkte besser kalkulieren. Die Spritpreisverordnung ist ein rechtliches Instrument, das die Bundesregierung zur Regulierung des Kraftstoffmarktes einsetzen kann. Solche Verordnungen kommen in Österreich immer dann zur Anwendung, wenn der Markt nicht optimal funktioniert oder besondere wirtschaftliche Umstände eine Intervention erfordern.
Die Entwicklung der Spritpreise in Österreich zeigt ein beunruhigendes Bild: Seit Jahresanfang 2024 stiegen die Preise für Superbenzin um durchschnittlich 12 Prozent, Diesel verteuerte sich um etwa 15 Prozent. Diese Entwicklung belastet nicht nur private Haushalte, sondern auch die gesamte österreichische Wirtschaft. Transportkosten steigen, was sich letztendlich auf alle Warenpreise auswirkt.
Besonders betroffen sind Pendler in ländlichen Gebieten, die täglich weite Strecken zurücklegen müssen. Eine vierköpfige Familie in Niederösterreich, die beide Elternteile nach Wien pendeln, gibt mittlerweile bis zu 400 Euro monatlich nur für Treibstoff aus – vor zwei Jahren waren es noch etwa 320 Euro. Diese 25-prozentige Steigerung führt zu spürbaren Einschränkungen im Haushaltsbudget.
Martin Grasslober vom ÖAMTC sieht in der neuen Verordnung keinen Nutzen für die Verbraucher. Seine Befürchtung: An den drei erlaubten Erhöhungstagen könnten die Preissteigerungen umso drastischer ausfallen. Wenn Tankstellenbetreiber nur noch dreimal pro Woche die Preise anheben dürfen, werden sie diese Gelegenheiten möglicherweise umso intensiver nutzen.
Das Szenario könnte folgendermaßen aussehen: Montags, mittwochs und freitags steigen die Preise um jeweils 3-5 Cent pro Liter, während sie in den folgenden 48 Stunden nur langsam und minimal sinken. Autofahrer würden so in eine Art Hamsterrad geraten, in dem sie ständig den optimalen Tankzeitpunkt kalkulieren müssen. Die günstigsten Zeiten wären vermutlich jeweils am Vormittag der Erhöhungstage, direkt vor den geplanten Preisanpassungen.
Diese Entwicklung kennt man bereits aus anderen europäischen Ländern: In Deutschland führte eine ähnliche Regelung 2019 dazu, dass sich die Preisschwankungen konzentrierten, anstatt zu verschwinden. Statt täglich kleiner Anpassungen gab es wenige, aber dafür umso heftigere Preissprünge.
Der ÖAMTC fordert daher ein kontinuierliches Monitoring der Marktentwicklung. Sollten sich die befürchteten Fehlentwicklungen bestätigen, müsse die Regierung schnell reagieren können. Grasslober betont: "Wir brauchen ein System, das binnen weniger Wochen Korrekturen ermöglicht, falls sich zeigt, dass die Maßnahme den Markt verzerrt."
Ein solches Monitoring-System könnte täglich die Preisentwicklungen an österreichischen Tankstellen erfassen und mit den Rohölpreisen sowie internationalen Märkten abgleichen. Experten aus der Energiewirtschaft schätzen, dass ein effektives Überwachungssystem etwa 2-3 Monate benötigt, um verlässliche Daten über die Auswirkungen der neuen Regelung zu liefern.
Statt der neuen Spritpreisverordnung schlägt der ÖAMTC konkrete Alternativen vor, die eine echte Entlastung bringen könnten. An erster Stelle steht die Senkung von Steuern und Abgaben auf Kraftstoffe. Derzeit macht der Steueranteil bei Superbenzin etwa 60 Prozent des Literpreises aus – in Deutschland sind es nur 52 Prozent, in der Schweiz sogar nur 45 Prozent.
Eine Reduktion der Mineralölsteuer um nur 5 Cent pro Liter würde österreichische Haushalte um durchschnittlich 120 Euro jährlich entlasten. Bei einer vierköpfigen Familie mit zwei Autos könnte diese Ersparnis bis zu 250 Euro pro Jahr betragen. Gleichzeitig würde sich die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen verbessern, da Transportkosten sinken würden.
Als zweite Maßnahme bringt der ÖAMTC eine Deckelung der Gewinnmargen ins Spiel. Derzeit verdienen Mineralölkonzerne in Österreich zwischen 8-12 Cent pro Liter Benzin – deutlich mehr als in Deutschland (5-7 Cent) oder den Niederlanden (4-6 Cent). Eine Begrenzung auf maximal 6 Cent pro Liter könnte die Preise um bis zu 6 Cent senken, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.
Kritiker wenden ein, dass eine zu strikte Gewinnbegrenzung Investitionen in neue Tankstellen und Modernisierungen hemmen könnte. Der ÖAMTC sieht diese Gefahr als gering an, da die vorgeschlagene Marge immer noch rentable Geschäfte ermöglicht. Wichtig sei jedoch, dass die Versorgungssicherheit nicht gefährdet wird – besonders in ländlichen Gebieten, wo einzelne Tankstellen oft die einzige Versorgung darstellen.
Ein Blick über die Grenzen zeigt unterschiedliche Ansätze im Umgang mit Spritpreisen. Die Schweiz setzt auf minimale staatliche Eingriffe und überlässt die Preisgestaltung weitgehend dem Markt – mit dem Ergebnis stabiler, aber hoher Preise. Deutschland dagegen hat 2022 eine Markttransparenzstelle eingerichtet, die Preismanipulationen aufdecken soll.
Besonders interessant ist das französische Modell: Dort sind Tankstellen verpflichtet, ihre Preise für mindestens 24 Stunden konstant zu halten, können aber täglich anpassen. Diese Regelung führte zu gleichmäßigeren Preisschwankungen ohne die extremen Spitzen, die man in völlig unregulierten Märkten beobachtet.
In den Niederlanden wiederum gilt eine komplexe Formel, die die maximalen Gewinnmargen basierend auf den Rohölpreisen berechnet. Dieses System hat sich als sehr effektiv erwiesen: Niederländische Autofahrer zahlen trotz hoher Steuern oft weniger als ihre deutschen oder österreichischen Nachbarn, weil die Margen streng begrenzt sind.
Deutschland führte 2019 ein ähnliches System wie das nun in Österreich geplante ein – mit gemischten Ergebnissen. Zwar verschwanden die extremen täglichen Schwankungen, dafür konzentrierten sich die Preisänderungen auf wenige Wochentage. Die Bundesnetzagentur dokumentierte, dass Verbraucher zwar besser planen konnten, aber keine niedrigeren Durchschnittspreise erreichten.
Nach zwei Jahren wurde das deutsche System wieder aufgeweicht, weil sich zeigte, dass die Tankstellenbetreiber die Regelung geschickt umgingen. Statt echter Entlastung entstanden neue Marktverzerrungen, die letztendlich niemanden halfen. Diese Erfahrungen sollten österreichische Politik und Verbraucher aufmerksam verfolgen.
Die geplante Spritpreisverordnung wird unterschiedliche Bevölkerungsgruppen verschieden stark treffen. Pendler aus ländlichen Gebieten, die täglich weite Strecken zurücklegen müssen, werden besonders aufmerksam die Entwicklung verfolgen. Sie haben oft keine Alternativen zum Auto und sind den Preisschwankungen schutzlos ausgeliefert.
Gewerbliche Vielfahrer wie Handwerker oder Außendienstmitarbeiter könnten dagegen profitieren, wenn sie ihre Tankzeiten strategisch planen können. Ein Elektriker aus Graz, der wöchentlich 800 Kilometer fährt, könnte durch geschickte Planung monatlich 20-30 Euro sparen – bei konsequenter Umsetzung über ein Jahr hinweg eine spürbare Entlastung.
Für Gelegenheitsfahrer in städtischen Gebieten werden die Änderungen kaum spürbar sein. Sie tanken ohnehin unregelmäßig und haben oft die Möglichkeit, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, wenn die Preise zu stark steigen.
Österreichs Logistikbranche beobachtet die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit. Speditionen und Paketdienste, die ihre Routen und Tankstopps genau planen müssen, könnten von der neuen Regelung profitieren. Wenn die Preisänderungen vorhersagbarer werden, lassen sich Treibstoffkosten besser kalkulieren.
Allerdings befürchten Branchenvertreter, dass sich an den erlaubten Erhöhungstagen lange Schlangen an den Tankstellen bilden könnten. Wenn alle Logistikunternehmen gleichzeitig vor den Preiserhöhungen tanken wollen, entstehen Engpässe, die den Betriebsablauf stören können. Die Wirtschaftskammer schätzt, dass bis zu 40 Prozent der gewerblichen Tankvorgänge auf die Vormittage der Erhöhungstage verschoben werden könnten.
Immerhin begrüßt der ÖAMTC die geplante zeitliche Befristung der neuen Verordnung. Diese Flexibilität ermöglicht es, bei unerwünschten Entwicklungen schnell zu reagieren. Die Befristung ist auf zunächst sechs Monate angelegt, mit der Möglichkeit einer Verlängerung bei positiven Ergebnissen.
Diese Herangehensweise entspricht internationalen Best Practices: Neue Marktregulierungen sollten immer testweise eingeführt und sorgfältig evaluiert werden. Die Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern zeigen, dass gut gemeinte Eingriffe in Märkte oft unerwartete Nebenwirkungen haben können.
Verbraucherschützer fordern allerdings eine noch kürzere Testphase von nur drei Monaten. Ihre Begründung: Bei einem so wichtigen Gut wie Treibstoff sollten negative Auswirkungen so schnell wie möglich korrigiert werden. Eine dreimonatige Evaluation würde ausreichen, um die wichtigsten Trends zu erkennen, ohne Verbraucher unnötig lange zu belasten.
Für österreichische Autofahrer bedeutet die neue Regelung zunächst vor allem eines: Aufmerksamkeit. Wer ab kommendem Montag sparen möchte, sollte die Preise besonders montags, mittwochs und freitags im Auge behalten. Die günstigsten Zeitpunkte werden vermutlich jeweils am Vormittag vor den geplanten Erhöhungen liegen.
Experten raten dazu, Apps zu nutzen, die Tankstellenpreise in Echtzeit anzeigen. Diese werden besonders in den ersten Wochen nach der Einführung wichtig, um die neuen Marktmuster zu verstehen. Gleichzeitig sollten Autofahrer realistische Erwartungen haben: Eine spürbare Gesamtentlastung ist durch die neue Verordnung nicht zu erwarten.
Langfristig wird die Entwicklung der Rohölpreise weiterhin der wichtigste Faktor für die Kosten an der Zapfsäule bleiben. Die neue Verordnung kann bestenfalls die Schwankungen glätten, aber nicht die grundlegende Preisentwicklung beeinflussen. Wer dauerhaft sparen möchte, sollte über Alternativen wie Elektroautos, öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrgemeinschaften nachdenken.
Der ÖAMTC wird die Marktentwicklung genau verfolgen und regelmäßig über die Auswirkungen der neuen Regelung informieren. Sollten sich die Befürchtungen bestätigen, wird der Mobilitätsclub seine Forderung nach echten Entlastungsmaßnahmen wie Steuersenkungen verstärken. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die neue Spritpreisverordnung hält, was sich die Politik davon verspricht – oder ob sie nur eine weitere gut gemeinte, aber wirkungslose Maßnahme bleibt.