Ehemaliger Chefjurist prägte über zwei Jahrzehnte die kommunale Politik
Friedrich Slovak verstarb im Alter von 81 Jahren. Der langjährige Chefjurist des Städtebundes war maßgeblich an EU-Beitrittsverhandlungen beteiligt.
Der Österreichische Städtebund trauert um einen seiner prägendsten Juristen: Friedrich Slovak ist kürzlich im Alter von 81 Jahren verstorben. Über zwei Jahrzehnte lang, von 1984 bis 2006, war er als Chefjurist des Städtebundes tätig und hinterließ deutliche Spuren in der österreichischen Kommunalpolitik.
Slovak galt als einer der profundesten Kenner der österreichischen Gemeinde- und Städtelandschaft. Seine juristische Expertise erstreckte sich weit über die klassischen Aufgaben eines Chefjuristen hinaus. Besonders geschätzt wurde er für sein tiefgreifendes Verständnis der komplexen Herausforderungen, denen sich Städte und Gemeinden in Österreich gegenübersehen.
"Ich zolle Friedrich Slovak für seine Arbeit großen Respekt. Österreichs Städte und Gemeinden haben davon jahrzehntelang profitiert", würdigt Thomas Weninger, seit 2006 Generalsekretär des Städtebundes, die Leistungen seines Vorgängers. Die Anerkennung für Slovaks Arbeit spiegelt sich auch in der Verleihung des Ehrenzeichens des Österreichischen Städtebundes wider.
Besondere Bedeutung erlangte Slovak ab Ende der 1980er Jahre durch seine intensive Beschäftigung mit den österreichischen Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Gemeinschaft. In einer Zeit des politischen Umbruchs erkannte er frühzeitig die Bedeutung der europäischen Integration für die österreichischen Kommunen.
Seine Expertise war nicht nur theoretischer Natur – Slovak brachte sein umfassendes Wissen aktiv in wichtige Gremien ein. So war er sowohl im Ausschuss der Regionen als auch in der Österreichischen Raumordnungskonferenz tätig, wo er maßgeblich zur Gestaltung der kommunalen Europapolitik beitrug.
Die Arbeit Slovaks zeichnete sich durch seine Fähigkeit aus, zwischen verschiedenen politischen Ebenen zu vermitteln. Als Chefjurist des Städtebundes war er nicht nur Ansprechpartner für juristische Fragen, sondern auch wichtiger Berater bei strategischen Entscheidungen. Seine Kollegen im Wiener Rathaus und die Städtebund-Landesgruppen schätzten ihn gleichermaßen für seine sachliche und kompetente Herangehensweise.
Besonders in der Phase der EU-Integration erwies sich Slovak als unverzichtbarer Experte. Er verstand es, die komplexen europarechtlichen Bestimmungen für die kommunale Ebene zu übersetzen und praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. Diese Fähigkeit machte ihn zu einem geschätzten Gesprächspartner sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene.
Slovaks Einfluss auf die österreichische Kommunalpolitik lässt sich auch heute noch spüren. Viele der Strukturen und Verfahren, die er mitentwickelt hat, prägen noch immer die Arbeit des Städtebundes und seiner Mitgliedsgemeinden. Seine vorausschauende Arbeit in den Bereichen Europarecht und Raumordnung legte wichtige Grundlagen für die heutige Kommunalpolitik.
Die Österreichische Raumordnungskonferenz, in der Slovak jahrelang tätig war, entwickelte sich unter seinem Einfluss zu einem wichtigen Forum für die Koordination zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Seine Beiträge zur Harmonisierung der Raumordnungsgesetze und zur Entwicklung nachhaltiger Siedlungsstrategien wirken bis heute nach.
Thomas Weninger, der 2006 die Nachfolge als Generalsekretär antrat, betont die persönlichen Qualitäten Slovaks: "Seine profunde Expertise und sein breites Wissen hinsichtlich der Herausforderungen von Städten und Gemeinden waren beispiellos." Diese Anerkennung spiegelt sich auch in der breiten Wertschätzung wider, die Slovak bei Kollegen und politischen Partnern genoss.
Das Ehrenzeichen des Österreichischen Städtebundes, das Slovak verliehen wurde, unterstreicht die außergewöhnlichen Verdienste um die österreichische Kommunalpolitik. Diese Auszeichnung wird nur an Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderem Maße um die Interessen der Städte und Gemeinden verdient gemacht haben.
Der plötzliche Tod Friedrich Slovaks hinterlässt eine große Lücke in der österreichischen Kommunalpolitik. Generalsekretär Weninger drückte sein tiefes Mitgefühl aus: "Mein Mitgefühl gilt in diesen Stunden seiner Familie." Diese persönlichen Worte spiegeln die enge Verbundenheit wider, die Slovak über seine aktive Zeit hinaus mit dem Städtebund und seinen Mitarbeitern pflegte.
Die Würdigung Slovaks macht deutlich, welchen nachhaltigen Einfluss eine einzelne Person auf die Entwicklung der Kommunalpolitik haben kann. Seine Arbeit hat nicht nur die rechtlichen Grundlagen für die heutige Städte- und Gemeindepolitik mitgeprägt, sondern auch wichtige Impulse für die europäische Integration der österreichischen Kommunen gegeben.
Mit Friedrich Slovak verliert Österreich einen der wichtigsten Architekten der modernen Kommunalpolitik. Sein Vermächtnis wird in der täglichen Arbeit der Städte und Gemeinden sowie in den europäischen Strukturen, deren Entwicklung er maßgeblich mitgestaltete, weiterleben.