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Partnerschafts-Versicherung: Warum Paare gemeinsam planen sollten

3. April 2026 um 11:31
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Wenn aus zwei Haushalten einer wird, denken die meisten Paare zunächst an Möbel, gemeinsame Konten und die Aufteilung der Haushaltskosten. Was dabei oft übersehen wird: Der Versicherungsschutz muss...

Wenn aus zwei Haushalten einer wird, denken die meisten Paare zunächst an Möbel, gemeinsame Konten und die Aufteilung der Haushaltskosten. Was dabei oft übersehen wird: Der Versicherungsschutz muss ebenfalls neu durchdacht werden. Der Österreichische Versicherungsmaklerring (ÖVM) warnt vor den finanziellen Risiken unabgestimmter Absicherungen und zeigt auf, wie Paare durch intelligente Mitversicherung sowohl Geld sparen als auch ihre Sicherheit erhöhen können.

Mitversicherung: Das unterschätzte Sparpotenzial für Paare

Die Mitversicherung des Partners oder der Partnerin in bestehenden Verträgen ist ein mächtiges Instrument der Kostenoptimierung, das viele Österreicher noch nicht ausschöpfen. Während bei manchen Versicherungssparten die aktive Einbeziehung des Lebensgefährten erforderlich ist, funktioniert sie bei anderen – etwa bei Haftpflicht- oder Rechtsschutzversicherungen – unter bestimmten Voraussetzungen automatisch.

Alexander Meixner, Vorstand des ÖVM, erklärt die Tragweite: "In Partnerschaften wird häufig unterschätzt, wie groß das finanzielle Risiko bei unzureichendem Versicherungsschutz sein kann. Eine abgestimmte Absicherung beider Partner ist essenziell, um im Ernstfall keine existenziellen Lücken entstehen zu lassen."

Die Voraussetzung für eine Mitversicherung ist ein gemeinsamer Haushalt oder eine nachweisbare Lebensgemeinschaft. Dies bedeutet in der Praxis, dass beide Partner an derselben Adresse gemeldet sein müssen oder durch andere Dokumente belegen können, dass sie in einer festen Partnerschaft leben. Bankauszüge, gemeinsame Mietverträge oder Meldebestätigungen dienen hier als Nachweis.

Automatische Mitversicherung versus aktive Einbeziehung

Bei der Haftpflichtversicherung sind Lebenspartner in der Regel automatisch mitversichert, sofern sie im gemeinsamen Haushalt leben. Dies gilt auch für minderjährige Kinder und häufig für unverheiratete Partner. Die Rechtsschutzversicherung funktioniert ähnlich – hier werden oft alle im Haushalt lebenden Familienmitglieder automatisch erfasst.

Anders verhält es sich bei Krankenversicherungen oder Lebensversicherungen. Hier muss der Partner aktiv in den Vertrag aufgenommen werden. Dies erfordert meist eine Gesundheitsprüfung und eine entsprechende Anpassung der Prämie. Der administrative Aufwand ist höher, aber die Kostenersparnis gegenüber zwei separaten Verträgen oft erheblich.

Finanzierungsrisiken: Wenn das gemeinsame Eigenheim zur Belastung wird

Besonders kritisch wird die Versicherungsfrage bei gemeinsamen Finanzierungen. Österreichische Paare nehmen immer häufiger gemeinsam Kredite auf – sei es für den Hausbau, die Eigentumswohnung oder andere größere Anschaffungen. Laut Statistik Austria haben 2023 rund 42 Prozent aller österreichischen Haushalte Kredite laufen, bei Paaren unter 40 Jahren liegt dieser Anteil sogar bei über 60 Prozent.

Das Problem: Fällt ein Partner durch Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit oder Tod als Einkommensquelle weg, muss der verbleibende Partner oft die gesamte Kreditlast allein stemmen. "Ohne entsprechende Absicherung kann dies schnell zur existenziellen Bedrohung werden", warnt Meixner. "Wir sehen immer wieder Fälle, wo Paare nach einem Schicksalsschlag ihr Eigenheim verlieren, weil sie die Finanzierungsrisiken unterschätzt haben."

Restschuldversicherung als Sicherheitsnetz

Restschuldversicherungen sind speziell für diese Situation konzipiert. Sie übernehmen im Todesfall die verbleibende Kreditsumme oder zahlen bei Arbeitsunfähigkeit die monatlichen Raten. In Österreich sind diese Versicherungen noch nicht so weit verbreitet wie etwa in Deutschland oder der Schweiz, gewinnen aber zunehmend an Bedeutung.

Die Kosten für eine Restschuldversicherung liegen typischerweise zwischen 0,2 und 0,8 Prozent der Kreditsumme pro Jahr. Bei einem Kredit von 300.000 Euro bedeutet dies jährliche Kosten zwischen 600 und 2.400 Euro – ein überschaubarer Betrag angesichts des abgedeckten Risikos.

Die sechs wichtigsten Versicherungsbausteine für Paare

Experten empfehlen Paaren eine Grundausstattung aus sechs Versicherungsbausteinen, die je nach Lebenssituation angepasst werden sollten:

Haftpflichtversicherung: Der Grundschutz für den Alltag

Die private Haftpflichtversicherung deckt Schäden ab, die man anderen versehentlich zufügt. In Österreich ist sie nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber praktisch unverzichtbar. Die Deckungssummen sollten mindestens drei Millionen Euro betragen, besser sind fünf bis zehn Millionen Euro. Moderne Tarife schließen auch Schäden durch Kinder, Hausangestellte und teilweise sogar durch Haustiere ein.

Rechtsschutzversicherung: Wenn es vor Gericht geht

Rechtliche Auseinandersetzungen können schnell teuer werden. Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt Anwalts- und Gerichtskosten sowie Sachverständigengebühren. Für Paare besonders relevant sind Bereiche wie Verkehrsrecht, Vertragsrecht und Arbeitsrecht. Die jährlichen Kosten liegen zwischen 200 und 600 Euro, abhängig vom gewählten Leistungsumfang.

Unfallversicherung: Schutz rund um die Uhr

Während die gesetzliche Unfallversicherung nur Arbeitsunfälle und Wegeunfälle abdeckt, schützt die private Unfallversicherung rund um die Uhr. Sie zahlt bei dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Unfälle eine einmalige Summe oder eine lebenslange Rente. Für Paare empfiehlt sich eine Versicherungssumme von mindestens 100.000 Euro pro Person.

Krankenversicherung: Mehr als nur die Pflichtversicherung

Zusätzlich zur gesetzlichen Krankenversicherung können private Zusatzversicherungen sinnvoll sein. Besonders relevant sind Zusatzversicherungen für Zahnbehandlungen, Heilbehelfe und Spitalsaufenthalte. In Österreich nutzen bereits über 3,5 Millionen Menschen private Krankenversicherungen als Ergänzung zur gesetzlichen Absicherung.

Ablebensversicherung: Finanzielle Sicherheit für den Hinterbliebenen

Eine Lebensversicherung zahlt im Todesfall eine vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen. Für Paare mit gemeinsamen finanziellen Verpflichtungen ist sie besonders wichtig. Die Versicherungssumme sollte sich an den gemeinsamen Verbindlichkeiten und dem Einkommensverlust orientieren. Als Faustregel gilt: Das Drei- bis Fünffache des Bruttojahreseinkommens.

Berufsunfähigkeits- und Invaliditätsversicherung: Wenn das Einkommen wegfällt

Die Wahrscheinlichkeit, vor dem Pensionsalter berufsunfähig zu werden, liegt in Österreich bei etwa 25 Prozent. Die gesetzliche Invaliditätspension reicht oft nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung schließt diese Lücke und zahlt eine monatliche Rente, wenn der versicherte Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.

Österreich im Versicherungsvergleich: Aufholbedarf bei der Vorsorge

Im internationalen Vergleich zeigt sich bei österreichischen Paaren noch Aufholbedarf in Sachen Versicherungsplanung. Während in der Schweiz über 80 Prozent aller Haushalte eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben, sind es in Österreich nur etwa 15 Prozent. Auch bei Restschuldversicherungen liegt Österreich mit rund 20 Prozent Verbreitungsgrad deutlich hinter Deutschland (45 Prozent) und der Schweiz (60 Prozent).

Diese Zurückhaltung hat verschiedene Ursachen. Zum einen ist das Bewusstsein für private Vorsorge in Österreich traditionell weniger ausgeprägt als in anderen deutschsprachigen Ländern. Zum anderen führt das relativ gut ausgebaute soziale Netz dazu, dass viele die Notwendigkeit zusätzlicher Absicherung unterschätzen.

Regionale Unterschiede innerhalb Österreichs

Auch innerhalb Österreichs zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. In Wien und den Ballungsräumen ist das Bewusstsein für Versicherungsschutz höher als in ländlichen Gebieten. Gleichzeitig sind die Prämien in Städten oft niedriger, da das Schadensrisiko bei vielen Versicherungsarten geringer eingeschätzt wird.

Kostenfallen vermeiden: Doppelversicherungen und Lücken erkennen

Bei der Zusammenlegung von Versicherungen lauern verschiedene Fallstricke. Häufige Probleme sind Doppelversicherungen, unzureichende Deckungssummen oder Lücken im Schutz. Eine systematische Analyse der bestehenden Verträge ist daher unerlässlich.

Doppelversicherungen entstehen oft bei Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen, wenn beide Partner eigene Verträge haben, die den jeweils anderen bereits mitabdecken. Hier lässt sich durch Kündigung eines Vertrags oft mehrere hundert Euro pro Jahr sparen, ohne dass sich der Schutz verschlechtert.

Dynamik und Inflationsschutz nicht vergessen

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die regelmäßige Anpassung der Versicherungssummen. Was heute ausreichend erscheint, kann in zehn Jahren durch Inflation und gestiegene Lebenshaltungskosten unzureichend sein. Viele moderne Versicherungsverträge bieten daher automatische Erhöhungen oder Dynamikregelungen an.

Rechtliche Besonderheiten: Ehe versus Lebensgemeinschaft

Während verheiratete Paare in vielen Bereichen automatisch Rechte und Pflichten haben, müssen unverheiratete Lebensgemeinschaften diese oft vertraglich regeln. Dies betrifft auch Versicherungsfragen. So können Ehepartner sich gegenseitig in der gesetzlichen Krankenversicherung mitversichern lassen, bei Lebensgemeinschaften ist dies nicht möglich.

Auch beim Erbrecht gibt es Unterschiede: Ehepartner haben automatisch ein Erbrecht, Lebenspartner nur dann, wenn sie im Testament bedacht werden. Dies hat Auswirkungen auf die Auszahlung von Lebensversicherungen und anderen Vorsorgeprodukten.

Praktische Umsetzung: Schritt für Schritt zur optimalen Absicherung

Experten empfehlen Paaren ein systematisches Vorgehen bei der Versicherungsplanung. Zunächst sollten alle bestehenden Verträge zusammengetragen und analysiert werden. Dabei geht es sowohl um die abgedeckten Risiken als auch um mögliche Überschneidungen.

Im zweiten Schritt werden die gemeinsamen Risiken identifiziert. Dazu gehören nicht nur finanzielle Verpflichtungen, sondern auch Einkommensverhältnisse und Abhängigkeiten. Ein Partner, der deutlich mehr verdient, sollte entsprechend höher abgesichert sein.

Der dritte Schritt ist die Optimierung der Verträge. Dies kann die Zusammenlegung von Versicherungen, die Anpassung von Deckungssummen oder den Abschluss neuer Policen bedeuten. Wichtig ist dabei, dass beide Partner in die Entscheidung einbezogen werden und die Lösung für beide nachvollziehbar ist.

Professionelle Beratung: Wann sie sinnvoll ist

Während einfache Versicherungen wie die Haftpflicht auch ohne Beratung abgeschlossen werden können, empfiehlt sich bei komplexeren Produkten professionelle Hilfe. Besonders bei Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherungen können die Unterschiede zwischen den Anbietern erheblich sein.

Versicherungsmakler haben den Vorteil, dass sie verschiedene Anbieter vergleichen können und nicht an ein Unternehmen gebunden sind. Die Beratung ist für den Kunden meist kostenlos, da die Makler von den Versicherungen Provisionen erhalten.

Zukunftsperspektive: Digitalisierung verändert die Versicherungslandschaft

Die Versicherungsbranche steht vor einem digitalen Wandel, der auch für Paare neue Möglichkeiten eröffnet. Digitale Vergleichsplattformen machen es einfacher, den Überblick über verschiedene Angebote zu behalten. Gleichzeitig ermöglichen Apps und Online-Tools eine bessere Verwaltung der bestehenden Verträge.

Künstliche Intelligenz und Big Data werden in Zukunft zu individuelleren Tarifen führen. Paare könnten dann beispielsweise Rabatte erhalten, wenn sie nachweislich gesund leben oder bestimmte Sicherheitsvorkehrungen treffen.

Auch neue Versicherungsprodukte sind in Entwicklung. So gibt es bereits erste Anbieter, die speziell auf die Bedürfnisse moderner Partnerschaften zugeschnittene Kombi-Produkte anbieten. Diese vereinen verschiedene Versicherungssparten unter einem Dach und sind oft günstiger als Einzelabschlüsse.

Nachhaltigkeit als neuer Trend

Immer mehr Versicherungen setzen auf nachhaltige Kapitalanlage und bieten "grüne" Versicherungsprodukte an. Für umweltbewusste Paare können diese eine Alternative zu klassischen Produkten darstellen, auch wenn die Renditen teilweise geringer ausfallen.

Die Kombination aus gemeinsamer Versicherungsplanung und nachhaltigen Produkten zeigt: Das Thema Versicherung wird für Paare immer vielschichtiger. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig Gedanken zu machen und regelmäßig zu überprüfen, ob der Schutz noch den aktuellen Lebensumständen entspricht.

"Eine frühzeitige und ganzheitliche Auseinandersetzung mit Versicherungsfragen schafft Klarheit und Sicherheit – sowohl im Alltag als auch in Ausnahmesituationen", fasst ÖVM-Vorstand Meixner zusammen. Paare, die diese Empfehlung beherzigen, können nicht nur Kosten sparen, sondern auch beruhigt in die gemeinsame Zukunft blicken.

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