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Winter 2025/26: Österreich erlebt endlich wieder echten Winter

16. März 2026 um 10:12
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Nach Jahren milder Winter haben die Österreicherinnen und Österreicher in der Saison 2025/26 endlich wieder einen Winter erlebt, der diesem Namen alle Ehre macht. Eine aktuelle Umfrage der Allianz ...

Nach Jahren milder Winter haben die Österreicherinnen und Österreicher in der Saison 2025/26 endlich wieder einen Winter erlebt, der diesem Namen alle Ehre macht. Eine aktuelle Umfrage der Allianz Österreich unter 1.000 Personen zeigt: 39 Prozent empfanden den vergangenen Winter als einen, der sich wieder "wie früher" anfühlte. Doch die Rückkehr des traditionellen Winters brachte nicht nur Freude, sondern auch neue Herausforderungen mit sich – besonders für die jüngste Generation.

Weiße Weihnachten und Winterzauber begeistern die Menschen

Der Winter 2025/26 erfüllte die Sehnsüchte vieler Österreicherinnen und Österreicher nach einem "richtigen" Winter. 34 Prozent der Befragten freuten sich besonders über den vielen Schnee und die damit verbundene Winterstimmung. Weiße Weihnachten, die in den letzten Jahren zur Seltenheit geworden waren, erlebten 35 Prozent als absolutes Highlight der Saison.

Besonders beeindruckend zeigt sich die Begeisterung bei der jüngsten Generation: Fast die Hälfte der 14- bis 19-Jährigen (rund 50 Prozent) zählte den Schnee an den Feiertagen zu ihren schönsten Wintererinnerungen. Diese Altersgruppe, oft als "Generation Z" bezeichnet, hatte in ihrer bisherigen Lebensspanne kaum noch traditionelle Winter mit ausreichend Schnee erlebt. Die Generation Z umfasst dabei alle zwischen 1997 und 2012 Geborenen, die durch digitale Medien geprägt wurden und als erste echte "Digital Natives" gelten.

Regional zeigten sich deutliche Unterschiede in der Winterwahrnehmung. Besonders in der Steiermark und in Kärnten schwärmten jeweils etwa 50 Prozent der Befragten von den weißen Weihnachten. Diese südlichen Bundesländer, die traditionell schneereiche Winter gewohnt sind, erlebten nach Jahren der Enttäuschung wieder das, was sie als "normalen" Winter in Erinnerung hatten.

Wintersport und Ausflüge als emotionale Höhepunkte

Für 19 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher standen Winterausflüge und Wintersporterlebnisse im Mittelpunkt der positiven Wintererinnerungen. Diese Zahlen verdeutlichen die immense wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Wintertourismus für Österreich. Der Wintertourismus ist ein Wirtschaftszweig, der alle touristischen Aktivitäten in den Wintermonaten umfasst, von Skifahren über Langlauf bis hin zu Winterwanderungen und umfasst in Österreich einen Marktanteil von etwa 60 Prozent aller touristischen Umsätze.

Die Rückkehr des "echten" Winters hatte auch psychologische Auswirkungen: Insgesamt berichteten 80 Prozent aller Befragten von positiven Wintererlebnissen. Diese hohe Zufriedenheitsrate zeigt, wie sehr die Menschen den traditionellen Winter vermisst hatten und wie wichtig schneebedeckte Landschaften für das winterliche Wohlbefinden sind.

Sonnenmangel belastet besonders den Osten Österreichs

Doch der schneereiche Winter brachte auch seine Schattenseiten mit sich. 45 Prozent der Befragten litten unter den wenigen Sonnenstunden – ein Phänomen, das in der Meteorologie als Winterdepression oder saisonal-affektive Störung bekannt ist. Diese entsteht durch den Mangel an natürlichem Licht und betrifft in Österreich schätzungsweise 200.000 bis 300.000 Menschen in unterschiedlicher Ausprägung.

Besonders stark betroffen war der Osten des Landes: 55 Prozent der Wienerinnen und Wiener vermissten während der Wintermonate die Sonne, gefolgt von 52 Prozent in Niederösterreich und 50 Prozent in Oberösterreich. Diese regionalen Unterschiede lassen sich meteorologisch erklären: Der Osten Österreichs liegt im Einflussbereich des kontinentalen Klimas, das in den Wintermonaten häufig zu lang anhaltenden Hochnebellagen führt, die das Sonnenlicht wochenlang blockieren können.

Die Hochnebellage ist ein meteorologisches Phänomen, bei dem sich Nebel in einer Höhe von 200 bis 2000 Metern bildet und wie eine graue Decke über dem Flachland liegt. Besonders das Wiener Becken und das nördliche Alpenvorland sind davon betroffen, da die geografische Lage die Entstehung solcher Wetterlagen begünstigt.

Glatteis wird zur täglichen Herausforderung

Neben dem Sonnenmangel stellte auch das Glatteis eine massive Belastung dar. 33 Prozent aller Befragten berichteten von Problemen durch rutschige Gehwege und Straßen. Auch hier waren die östlichen Bundesländer überdurchschnittlich stark betroffen: Wien führte mit 45 Prozent, gefolgt von Niederösterreich mit 37 Prozent und Oberösterreich mit 36 Prozent.

Diese regionalen Unterschiede beim Glatteis – einer dünnen Eisschicht auf Verkehrsflächen, die durch gefrierenden Regen, Schneematsch oder Kondensation entsteht – haben praktische Gründe. In städtischen Gebieten wie Wien sorgen der Verkehr und die Bebauung für ein ständiges Tauen und Wiedergefrieren, was besonders tückische Glatteissituationen schafft. Zudem sind die Räum- und Streudienste in dicht besiedelten Gebieten mit größeren Herausforderungen konfrontiert.

Mentale Belastung erreicht bedenkliche Dimensionen

Ein besonders besorgniserregender Aspekt der Umfrage zeigt die psychischen Auswirkungen des Winters: 18 Prozent der Befragten berichteten von mentaler Belastung oder depressiven Verstimmungen. In einer Gesellschaft, die zunehmend für psychische Gesundheit sensibilisiert wird, sind diese Zahlen alarmierend.

Die Winterdepression, medizinisch als saisonal-affektive Störung (SAD) bezeichnet, ist eine Form der Depression, die regelmäßig in den Herbst- und Wintermonaten auftritt. Sie entsteht durch den Mangel an natürlichem Licht, der den Hormonhaushalt beeinflusst und zu einem Ungleichgewicht zwischen Serotonin und Melatonin führt. Betroffen sind schätzungsweise 2-3 Prozent der Bevölkerung in schwerer Form, weitere 10-15 Prozent leiden unter milderen Formen.

Regional zeigten sich dramatische Unterschiede: In Wien war rund ein Viertel der Befragten betroffen, in Vorarlberg sogar 27 Prozent. Diese hohen Werte in urbanen Gebieten und im Westen des Landes überraschen Experten nicht. Städte verstärken den Lichtmangel durch Bebauung und Smog, während die Alpentäler im Westen oft wochenlang im Schatten liegen.

Auch ländliche Gebiete zunehmend betroffen

Bemerkenswert ist, dass auch in traditionell weniger betroffenen Regionen wie Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg etwa jeder Fünfte unter der dunklen Wintersaison emotional litt. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass sich die Anfälligkeit für winterbedingte psychische Belastungen in der Bevölkerung ausbreitet, möglicherweise verstärkt durch gesellschaftliche Faktoren wie Stress, veränderte Lebensgewohnheiten und die Nachwirkungen der Pandemie-Jahre.

Generation Z trägt das höchste Unfallrisiko

Eine der überraschendsten Erkenntnisse der Umfrage betrifft die Unfallhäufigkeit: Die Generation Z war überdurchschnittlich häufig von winterbedingten Vorfällen betroffen. 23 Prozent der 14- bis 19-Jährigen berichteten von Alltagsstürzen – ein dramatisch höherer Wert als bei den Millennials (16 Prozent), der Generation X (9 Prozent) oder den Babyboomern (7 Prozent).

Diese Zahlen werfen wichtige Fragen auf: Sind junge Menschen weniger vorsichtig, haben sie weniger Erfahrung im Umgang mit winterlichen Bedingungen, oder spielen andere Faktoren eine Rolle? Die Millennials (geboren zwischen 1981 und 1996) und die Generation X (geboren zwischen 1965 und 1980) zeigen deutlich niedrigere Unfallraten, was auf einen Erfahrungseffekt hindeutet.

Besonders auffällig ist auch die Häufigkeit von Fahrzeugpannen bei der Generation Z: 13 Prozent berichteten davon, während der Durchschnitt aller anderen Generationen nur bei 6,5 Prozent lag. Dies könnte mit der geringeren Fahrerfahrung und möglicherweise schlechter gewarteten Fahrzeugen zusammenhängen, da junge Menschen oft ältere, weniger winterfeste Autos fahren.

Erklärungsansätze für höhere Unfallraten

Mehrere Faktoren könnten die höheren Unfallraten bei jungen Menschen erklären: Erstens haben sie in den letzten Jahren aufgrund milder Winter weniger Erfahrung mit schwierigen Wetterbedingungen sammeln können. Zweitens sind sie möglicherweise risikobereiter und weniger vorsichtig. Drittens könnte die ständige Ablenkung durch Smartphones auch beim Gehen im Winter eine Rolle spielen.

Die Sturzprävention – die Gesamtheit aller Maßnahmen zur Vermeidung von Stürzen – gewinnt damit eine neue Dimension. Während traditionell vor allem ältere Menschen im Fokus standen, zeigen die aktuellen Zahlen, dass auch junge Erwachsene verstärkt gefährdet sind.

Finanzielle Folgen offenbaren Absicherungslücken

Die Unfälle und Schäden des Winters hatten auch erhebliche finanzielle Auswirkungen: 20 Prozent der Betroffenen mussten sich aufgrund von Stürzen oder Unfällen ärztlich behandeln lassen. Bei 18 Prozent war eine Fahrzeugreparatur notwendig, und 16 Prozent berichteten von hohen finanziellen Belastungen als direkte Folge winterbedingter Schäden.

Diese Zahlen verdeutlichen die volkswirtschaftlichen Dimensionen winterbedingter Unfälle. Das österreichische Gesundheitssystem – ein solidarisch finanziertes System aus Krankenversicherung, Unfallversicherung und privaten Zusatzleistungen – trägt einen Großteil der direkten Behandlungskosten. Dennoch bleiben oft Kosten für Selbstbehalte, Verdienstausfall und Folgeschäden bei den Betroffenen hängen.

René Brandstötter, CSO der Allianz Österreich, weist auf ein gravierendes Problem hin: "Die Umfrage verdeutlicht, dass mehr als 20 Prozent der Österreicher:innen nicht wissen, ob winterbedingte Schäden oder Unfälle von ihrer Versicherung gedeckt sind." Diese Unwissenheit kann im Schadensfall zu bösen Überraschungen führen.

Versicherungsschutz bei Wintersport und Alltag

Während Sachschäden an Häusern oder Fahrzeugen meist gut versichert sind, zeigen sich bei Personenschäden durch Stürze oder Sportunfälle erhebliche Lücken. Die Unfallversicherung ist in Österreich nicht verpflichtend und wird oft vernachlässigt, obwohl sie gerade bei dauerhaften Schäden existenziell wichtig werden kann.

Besonders problematisch ist die Absicherung beim Wintersport: Viele Menschen gehen davon aus, dass ihre Krankenversicherung alle Kosten übernimmt, übersehen aber Selbstbehalte, Bergungskosten oder Verdienstausfall bei längerer Arbeitsunfähigkeit. Eine private Wintersportversicherung kostet oft nur wenige Euro pro Tag, kann aber Kosten von mehreren Tausend Euro abdecken.

Klimawandel verändert Wintermuster nachhaltig

Der Winter 2025/26 war nach Jahren milder Winter ein Ausreißer, der viele Menschen überraschte. Klimaforscher warnen jedoch davor, daraus langfristige Schlüsse zu ziehen. Der Klimawandel – die langfristige Erwärmung der Erdatmosphäre durch menschliche Aktivitäten – sorgt für zunehmend unberechenbare Wettermuster.

In Österreich zeigt sich der Klimawandel besonders deutlich an den steigenden Durchschnittstemperaturen: Die letzten vier Jahrzehnte waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Gleichzeitig nehmen Extremwetterereignisse zu – das können sowohl ungewöhnlich milde Winter als auch, wie 2025/26 erlebt, besonders schneereiche Phasen sein.

Die Klimaanpassung – die Anpassung menschlicher Systeme an veränderte Klimabedingungen – wird für Österreich zunehmend wichtiger. Das betrifft nicht nur Infrastruktur und Landwirtschaft, sondern auch das individuelle Verhalten: Weniger Erfahrung mit schwierigen Winterbedingungen führt zu höheren Unfallrisiken, wenn dann doch wieder ein "richtiger" Winter kommt.

Vergleich mit Nachbarländern zeigt österreichische Besonderheiten

Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz zeigt Österreich interessante Besonderheiten beim Umgang mit dem Winter. In Deutschland, wo die Winter in den letzten Jahren noch milder ausfielen, ist die Sehnsucht nach Schnee ähnlich groß. Allerdings sind dort die Unfallraten bei jungen Menschen geringer, was auf bessere Präventionsarbeit hindeuten könnte.

Die Schweiz, die aufgrund ihrer Topografie regelmäßigere Schneefälle erlebt, zeigt niedrigere Werte bei winterbedingten Depressionen. Schweizer Studien legen nahe, dass die Bevölkerung dort besser auf dunkle Wintermonate vorbereitet ist und mehr präventive Maßnahmen gegen Winterdepressionen ergreift.

Unterschiede in der Infrastruktur

Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Winterinfrastruktur: Österreichische Gemeinden haben aufgrund der milden Winter der letzten Jahre teilweise ihre Räum- und Streudienste reduziert. Als der Winter 2025/26 dann doch wieder "richtig" zuschlag, waren viele Kommunen nicht optimal vorbereitet. In der Schweiz und in den süddeutschen Alpenregionen blieb die Winterinfrastruktur besser erhalten.

Wirtschaftliche Auswirkungen des Winter-Revivals

Der schneereiche Winter 2025/26 hatte auch massive wirtschaftliche Auswirkungen. Die Tourismusbranche jubelte: Nach Jahren magerer Wintersaisonen mit Schneemangel und Corona-Beschränkungen erlebten Skigebiete, Wintersportgeschäfte und Tourismusregionen einen wahren Boom. Erste Schätzungen sprechen von einem Umsatzplus von 30-40 Prozent gegenüber den Vorjahren.

Gleichzeitig entstanden aber auch höhere Kosten: Kommunen mussten mehr für Räum- und Streudienste ausgeben, Versicherungen registrierten einen Anstieg winterbedingter Schäden, und Arbeitgeber beklagten höhere Krankenstände. Die Volkswirtschaft – die Gesamtheit aller wirtschaftlichen Aktivitäten eines Landes – spürte den Winter also in beide Richtungen.

Besonders betroffen waren Logistikunternehmen und der öffentliche Verkehr: Verspätungen, Ausfälle und höhere Betriebskosten prägten die Wintermonate. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) berichteten von einem Anstieg wetterbedingter Störungen um 200 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Zukunftsperspektive: Vorbereitung auf unberechenbare Winter

Die Erfahrungen des Winters 2025/26 zeigen, dass Österreich sich auf unberechenbarere Winterbedingungen einstellen muss. Klimaexperten prognostizieren, dass sowohl extrem milde als auch ungewöhnlich harte Winter häufiger werden könnten – eine Entwicklung, die neue Herausforderungen mit sich bringt.

Für die Zukunft bedeutet das: Infrastruktur muss flexibler werden, Bildungseinrichtungen sollten wieder verstärkt über sicheres Verhalten im Winter aufklären, und Versicherungen müssen ihre Produkte an veränderte Risikoprofile anpassen. Die Generation Z, die besonders unfallgefährdet ist, benötigt gezielte Präventionsprogramme.

Experten empfehlen außerdem verstärkte Investitionen in die mentale Gesundheitsvorsorge während der Wintermonate. Lichttherapie – die therapeutische Anwendung hellen Lichts zur Behandlung von Winterdepressionen – könnte breiter zugänglich gemacht werden. Arbeitgeber sind gefordert, flexible Arbeitszeiten zu ermöglichen, damit Menschen mehr Tageslicht tanken können.

Präventionsmaßnahmen für kommende Winter

Konkrete Maßnahmen für die Zukunft könnten umfassen: bessere Aufklärung über Glatteisrisiken, verstärkte Winterfahrtrainings für junge Autofahrer, flächendeckende Verfügbarkeit von Streugut für private Gehwege und die Integration von Wintergefahren in den Schulunterricht. Auch die Stadtplanung muss sich anpassen: Gehwege müssen rutschfester gestaltet, Beleuchtung verbessert und Räumdienste effizienter organisiert werden.

Der Winter 2025/26 war für viele Österreicherinnen und Österreicher ein Geschenk – endlich wieder ein Winter "wie früher" mit Schnee, weißen Weihnachten und echter Winterstimmung. Gleichzeitig offenbarte er aber auch, wie wenig vorbereitet die Gesellschaft auf die Rückkehr traditioneller Winterbedingungen war. Die hohen Unfallraten bei jungen Menschen, die massiven psychischen Belastungen und die Absicherungslücken im Versicherungsschutz zeigen deutlich: Österreich muss sich besser auf unberechenbare Winter einstellen, um die schönen Seiten des Winters genießen zu können, ohne die Risiken zu unterschätzen.

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