Niederösterreichische Landesrätin fordert Fokus auf heimische Fachkräfte
LR Rosenkranz sieht in neuen Zuzugsplänen der Regierung den falschen Weg und plädiert für bessere Qualifizierung arbeitsloser Österreicher.
Die niederösterreichische Arbeits-Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) übt heftige Kritik an den aktuellen Zuwanderungsplänen der Bundesregierung. In einer aktuellen Stellungnahme fordert sie, den Fokus auf die Qualifizierung bereits im Land befindlicher Arbeitskräfte zu legen, anstatt verstärkt auf Zuwanderung zu setzen.
"Es gibt eine erhebliche Zahl arbeitsloser Personen, darunter Jugendliche, ebenso Menschen in Schulungsmaßnahmen. Diese Potenziale gilt es gezielt und bedarfsorientiert zu qualifizieren. Eine zusätzliche Zuwanderung ist dafür nicht notwendig", erklärte Rosenkranz ihre Position zum aktuellen Fachkräftemangel.
Die Landesrätin argumentiert, dass der Fachkräftebedarf vorrangig mit Personen gedeckt werden müsse, die sich bereits in Österreich befinden. Dabei verweist sie auf konkrete Maßnahmen wie die "Ausbildungsgarantie bis 25", die jungen Erwachsenen einen nachträglichen Berufsabschluss ermöglicht.
Das Land Niederösterreich investiert nach Angaben von Rosenkranz gemeinsam mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) gezielt in Qualifizierungs-, Weiterbildungs- und Umschulungsprojekte. Diese Strategie soll dazu beitragen, das vorhandene Arbeitskräftepotenzial besser zu nutzen und gleichzeitig die Abhängigkeit von Zuwanderung zu reduzieren.
"Bevor Instrumente wie die Rot-Weiß-Rot-Karte weiter ausgeweitet werden, muss der Fokus klar auf der Qualifizierung der bereits im Land befindlichen Arbeitskräfte liegen", betont die Landesrätin. Sie stützt ihre Argumentation auch auf internationale Studien, die zeigen würden, dass migrationspolitische Maßnahmen langfristig differenziert zu bewerten seien.
Neben der Kritik an den Zuwanderungsplänen sieht Rosenkranz auch Handlungsbedarf bei der strategischen Planung des Arbeitsmarktes. Das bestehende Fachkräftebarometer liefere zwar wertvolle Hinweise auf aktuelle Engpässe, es fehle jedoch an mittel- und langfristigen, insbesondere regional differenzierten Prognosen.
"Gerade im öffentlichen Sektor müssen wir frühzeitig abschätzen können, wo in zehn oder zwanzig Jahren zusätzlicher Personalbedarf entstehen wird – etwa im Gesundheitswesen, in der Verwaltung oder im Zuge technologischer Entwicklungen wie der Künstlichen Intelligenz", so Rosenkranz. Ein entsprechendes Prognosetool könne hierfür eine fundierte Grundlage schaffen.
Die FPÖ-Politikerin plädiert für eine Aufwertung der Lehrlingsausbildung und handwerklicher Berufe. "Wir brauchen einen österreichweit flächendeckenden Ausbau von Jugendarbeitsprojekten. Gleichzeitig muss die Lehre wieder stärker an Wert gewinnen. Ich stehe für den Ansatz 'Land der Meister, nicht nur der Master'", erklärte Rosenkranz.
Konkret spricht sie sich für finanzielle Erleichterungen bei Meister- und Lehrausbildungen nach dem Vorbild Niederösterreichs sowie für bedarfsgerechte Bildungsförderungen aus. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, heimische Jugendliche verstärkt in Ausbildung und Beschäftigung zu integrieren.
Besonders deutliche Worte findet Rosenkranz für die Pläne der Bundesregierung: "Es ist unverständlich und aus unserer Sicht unverantwortlich, dass die Bundesregierung in einer wirtschaftlich angespannten Lage neue Zuwanderungsmodelle diskutiert."
Die Landesrätin kritisiert insbesondere die geplante neue Fachkräftestrategie, die ab März 2026 erarbeitet werden soll und dabei erneut verstärkt auf Zuwanderung setzen könnte. "Vorrang muss haben, die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Österreicherinnen und Österreicher konsequent zu stärken und arbeitslose Menschen nachhaltig in Beschäftigung zu bringen", betont sie.
Zur Untermauerung ihrer Position verweist Rosenkranz auf vorliegende Statistiken: "Die vorliegenden Zahlen zeigen, dass Zuwanderung allein keine strukturellen Probleme am Arbeitsmarkt löst." Diese Einschätzung stellt die Effektivität der bisherigen migrationspolitischen Ansätze zur Fachkräftesicherung in Frage.
Die Debatte um die richtige Strategie zur Bekämpfung des Fachkräftemangels spiegelt grundsätzliche politische Unterschiede wider. Während die Bundesregierung auf eine Kombination aus Qualifizierung und kontrollierter Zuwanderung setzt, fordert die Opposition eine stärkere Konzentration auf inländische Arbeitskräftereserven.
Abschließend betont Rosenkranz die Notwendigkeit einer vorausschauenden Planung: "Wenn wir Entwicklungen rechtzeitig erkennen und bedarfsgerecht ausbilden, profitieren Arbeitnehmer ebenso wie die Betriebe. Eine vorausschauende Planung stärkt den Standort und schafft langfristige Perspektiven für unser Land."
Die Diskussion um die optimale Fachkräftestrategie dürfte auch in den kommenden Monaten ein zentrales Thema der politischen Auseinandersetzung bleiben. Während die Bundesregierung ihre Pläne für eine neue Strategie ab 2026 vorantreibt, formiert sich bereits jetzt Widerstand aus den Ländern und der Opposition.
Die von Rosenkranz beworbenen niederösterreichischen Ansätze zur Fachkräftequalifizierung könnten dabei als alternative Modelle in die bundesweite Diskussion einfließen. Die Wirksamkeit der verschiedenen Strategien wird letztendlich an den Arbeitsmarktzahlen und der erfolgreichen Integration von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt zu messen sein.
Die kommenden Monate werden zeigen, welche Richtung die österreichische Fachkräftepolitik einschlagen wird – ob verstärkt auf Zuwanderung oder auf die Mobilisierung heimischer Potenziale gesetzt wird.