Neue Kampagne "Winter Chillout" soll mit 900.000 Euro Budget die Nebensaison beleben
Mit einer groß angelegten Marketingkampagne will das SalzburgerLand die Auslastung im März und April steigern. Experten schwärmen vom unterschätzten Firn-Skilauf.
Während in den Niederungen Österreichs bereits die ersten Frühlingsboten sprießen, herrschen in den Skigebieten des SalzburgerLandes noch beste Pistenverhältnisse. Genau hier setzt die neue Tourismus-Initiative "Winter Chillout" an: Mit einem Budget von rund 900.000 Euro will die SalzburgerLand Tourismus GmbH (SLTG) gemeinsam mit regionalen Partnern den Spätwinter als attraktive Reisezeit positionieren und die deutlich sinkenden Buchungszahlen nach der Hochsaison abfedern.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während das SalzburgerLand im Jänner und Februar des Vorjahres jeweils knapp vier Millionen Nächtigungen verzeichnete, brachen diese im März auf 2,7 Millionen und im April sogar auf nur noch 1,3 Millionen ein. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Bettenauslastung: Lag diese im Februar in den vergangenen drei Jahren zwischen 67 und 71,5 Prozent, sank sie im März auf 38 bis 44 Prozent und im April auf magere 13,6 bis 20 Prozent.
"Wir merken seit Jahren, dass ab Mitte März das Interesse am Skiurlaub ein wenig nachlässt. Dabei herrschen gerade in dieser Zeit ideale Bedingungen", erklärt Leo Bauernberger, Geschäftsführer der SLTG, die Motivation hinter der neuen Kampagne. Die Pisten seien noch perfekt präpariert, die Sonne locke bereits auf die Terrassen der Skihütten und es sei deutlich weniger los als in der Hochsaison.
Dabei ist die aktuelle Wintersaison für das SalzburgerLand bisher ausgezeichnet verlaufen. Bereits im Dezember wurde mit mehr als drei Millionen Nächtigungen ein neuer Rekord aufgestellt – ein Plus von 12,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Auch für Jänner und Februar meldet die Tourismuswirtschaft hervorragende Rückmeldungen, wie der Salzburger Landtagsabgeordnete Hans Scharfetter bei einem Mediengespräch Mitte Februar erläuterte.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für das Bundesland Salzburg ist dabei kaum zu überschätzen: Mit einem Anteil von rund 13 Prozent am Bruttoregionalprodukt liegt die Branche doppelt so hoch wie im österreichischen Durchschnitt. Auch bei der Beschäftigung zeigt sich die Relevanz: 14,8 Prozent aller Arbeitsplätze im SalzburgerLand hängen direkt oder indirekt vom Tourismus ab – österreichweit sind es nur 6,8 Prozent. Von den touristischen Ausgaben von 6,2 Milliarden Euro fließen 3,79 Milliarden, also gut 61 Prozent, in Beherbergung und Gastronomie.
Die "Winter Chillout"-Kampagne richtet sich gezielt an kurzentschlossene, wintersportaffine Gäste aus Österreich und Deutschland – den beiden mit Abstand wichtigsten Herkunftsmärkten im Winter. Mit emotionalen Bildern, klaren Botschaften und attraktiven Angeboten sollen konkrete Buchungen für die zweite Märzhälfte und Anfang April ausgelöst werden.
Die Argumente für einen Spätwinter-Urlaub liegen für die Touristiker auf der Hand: Die Pisten befinden sich in hervorragendem Zustand, sind aber deutlich weniger stark frequentiert als in der Hochsaison. Angenehme Temperaturen laden zum Sonnenskilauf und ausgedehnten Terrassenbesuchen ein. Die Hotels haben freie Kapazitäten und bieten entsprechend attraktive Konditionen. Zudem eröffnet sich eine besondere Kombination: Vormittags auf die Piste, nachmittags bereits auf den Golfplatz oder eine erste Radtour – der Spätwinter macht es möglich.
Für die Bewerbung des Spätwinters setzt die SLTG auf eine breit angelegte Medienkampagne. Geplant sind Hörfunkspots auf mehreren Sendern wie Ö3, Kronehit und FM4, Live-Einstiege aus den Skigebieten bei Kronehit und Café Puls sowie reichweitenstarke Medienkooperationen mit Mediaprint, Salzburger Nachrichten, Bezirksblättern, der ProSiebenSat.1-Gruppe und dem Red Bull Media House. Ergänzt wird dies durch umfassende Online- und Social-Media-Marketing-Maßnahmen.
Die Partnerregionen haben sich zum Winter Chillout zahlreiche Veranstaltungen und Specials einfallen lassen. Am Hochkönig findet vom 9. bis 28. März das "March Glow3" statt – mit viel Musik, geführten Sundowner-Skitouren, Kino unter freiem Himmel und stimmungsvollen Fackelwanderungen. In Gastein steigt an zwei Wochenenden im März das "Retro Festival" mit DJs und Open-Air-Konzerten.
Das Großarltal lockt vom 21. bis 28. März mit der "Lady Skiwoche", während Obertauern am 11. April zum "SHESKIS Damenskitag" mit einem ABBA-Symphonic-Tribute einlädt. Saalfelden Leogang hat ein "KIDS ON SKI"-Paket geschnürt, das Raurisertal bietet ein spezielles Winterfinish für Familien. Gastein setzt auf die beliebte Kombination von Aktivität auf der Piste und Entspannung in der Therme.
Alle Angebote, Veranstaltungen und Tipps für den Sonnenskilauf-Urlaub finden Interessierte auf der eigens eingerichteten Landingpage winterchillout.com.
Passend zur Kampagne wurden auch spezielle Deals mit Skischulen und Skiverleihern vereinbart. Der "Winter Chillout Ski- & Board-Deal" bietet Gästen die Möglichkeit, ihre Ausrüstung drei Tage zu leihen, aber nur zwei Tage zu bezahlen – oder vier Tage zu leihen bei Zahlung von drei Tagen.
Das Skischul-Special unter dem Motto "Winter Chillout Privat-Skischul-Deal" ermöglicht in der Zeit zwischen 13 und 15 Uhr zwei Stunden privaten Skiunterricht zum Preis einer Stunde. Beide Angebote gelten vom 8. März bis 12. April.
Auch prominente Stimmen aus dem Wintersport unterstützen die Initiative. Abfahrts-Weltmeister und Hotelier Michael Walchhofer, der auch als TVB-Obmann in Altenmarkt-Zauchensee fungiert, bezeichnet den Firn-Skilauf im März und April als "die schönste Zeit des Winters". Angenehme Temperaturen, viel Platz auf den Pisten und praktisch keine Wartezeiten bei den Liften machten diese Zeit zu einem echten Geheimtipp für genussorientierte Skifahrer.
Walchhofer betont auch die wirtschaftliche Dimension: "Jede zusätzliche Saisonwoche bringt wichtige Wertschöpfung für die gesamte Region – von der Hotellerie über Bergbahnen und Sporthandel bis hin zu Gastronomie, Taxiunternehmen und regionalen Lieferanten." Längere Saisonen sicherten zudem Arbeitsplätze und schafften stabilere Rahmenbedingungen, um qualifizierte Mitarbeiter langfristig in der Region zu halten.
Felix Gottwald, Österreichs erfolgreichster Olympiasportler, sieht im Spätwinter "die beste Phase, um den Winter richtig auszukosten". Die ideale Kombination aus Bewegung, Sonne, Genuss und Regeneration – vom Skifahren am Vormittag bis zu Wellness und ersten Golfrunden am Nachmittag – sei kein Wunschtraum, sondern gelebte Realität im SalzburgerLand. "Winter Chillout ist für mich kein Werbespruch, sondern eine Haltung: weniger Hektik, weniger Stress – mehr Qualität", so Gottwald.
Die erfahrene Freeriderin und Filmemacherin Sandra Lahnsteiner-Wagner, die auch als staatlich geprüfte Skiführerin arbeitet, hebt die besonderen Bedingungen im Spätwinter hervor: "In vielen Wintern ist der Spätwinter für Skitouren und auch fürs Freeriden eine der planbarsten Phasen." Die größten Schneehöhen würden oft erst im März erreicht, die Schneedecke sei häufig gleichmäßiger aufgebaut, Gefahren besser erkennbar und die Wetterfenster stabiler.
Für sie seien März und April oft die beste Zeit fürs Freeriden und Skitourengehen. "Man kann alles erleben: von trockenem Powder bis zu richtig schönen Firnabfahrten. Und einen lässigen Skitag entspannt auf einer sonnigen Terrasse ausklingen zu lassen, das macht für mich einen gelungenen Tag am Berg aus."
Mario Siedler, Geschäftsführer des Tourismusverbands Obertauern, ordnet die Kampagne in einen größeren Kontext ein: "Früher dauerte eine Wintersaison von Weihnachten bis Ostern. Mittlerweile hat man es geschafft, die Saison durch Events und Beschneiung wesentlich früher zu starten." Dadurch ergebe sich allerdings auch die Herausforderung, dass jede Woche, die früher in die Saison gestartet werde, am Ende größere Schwierigkeiten bringe, diese entsprechend auszulasten.
"Genau hier setzen wir an und möchten unseren Gästen diese wunderschöne Zeit mit längeren Tagen und immer hervorragender Schneelage näherbringen", so Siedler. Der Frühlingsskilauf im März und April sei eigentlich für alle die Zeit, in der man das Wintererlebnis in seiner intensivsten Ausprägung genießen könne.
Für das SalzburgerLand geht es bei der "Winter Chillout"-Kampagne um mehr als kurzfristige Marketingerfolge. Während in der Hochsaison die Kapazitäten weitgehend ausgeschöpft sind, bietet der Spätwinter echtes Potenzial für nachhaltiges Wachstum ohne zusätzliche Belastung der Infrastruktur. Die freien Betten sind vorhanden, die Lifte laufen ohnehin – es fehlen lediglich die Gäste, die diese Zeit für sich entdecken.
Ob die 900.000 Euro schwere Kampagne ihr Ziel erreicht und die Buchungskurve im Spätwinter nach oben drücken kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die Argumente – weniger Trubel, besseres Wetter, attraktivere Preise – sprechen jedenfalls für einen Versuch, den unterschätzten Saisonausklang neu zu positionieren.