Handelsverband erwartet bis zu 600 Millionen Euro Umsatz zum Jahreswechsel – Kulinarik und Glücksbringer dominieren die Einkaufslisten
Der österreichische Handel rechnet mit starkem Silvestergeschäft. Pro Kopf werden durchschnittlich 170 Euro für Feiern und Geschenke ausgegeben.
Der Jahreswechsel steht vor der Tür und mit ihm eines der umsatzstärksten Wochenenden für den heimischen Handel. Laut dem aktuellen Consumer Check des Handelsverbands planen die Österreicherinnen und Österreicher durchschnittlich 170 Euro zusätzlich zum normalen Wocheneinkauf für Silvester ein. Der Handel erwartet insgesamt einen Umsatz von bis zu 600 Millionen Euro rund um den Jahreswechsel.
Die Bereitschaft, für die Silvesternacht tief in die Tasche zu greifen, variiert deutlich je nach Bundesland. An der Spitze stehen Tirol und Vorarlberg mit durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausgaben von 193 Euro. Wien folgt mit 181 Euro auf dem zweiten Platz. Am sparsamsten zeigen sich hingegen die Bewohnerinnen und Bewohner von Niederösterreich und dem Burgenland, die mit durchschnittlich 153 Euro auskommen.
Im Mittelfeld liegen Kärnten und die Steiermark mit 174 Euro sowie Salzburg und Oberösterreich mit 159 Euro pro Person. Diese regionalen Unterschiede spiegeln nicht nur die unterschiedlichen Einkommensverhältnisse wider, sondern auch verschiedene Traditionen und Feiergewohnheiten in den einzelnen Bundesländern.
Die Befragung des Handelsverbands zeigt eindeutig, was die Österreicherinnen und Österreicher für ihre Silvesterfeier am liebsten kaufen. Mit jeweils 67 Prozent dominieren besondere Lebensmittel und Glücksbringer die Einkaufslisten. Alkoholische Getränke wie Sekt und Champagner folgen mit 54 Prozent auf Platz drei.
Die vollständige Rangliste der beliebtesten Silvester-Einkäufe:
Bemerkenswert ist, dass jeder vierte Befragte gänzlich auf zusätzliche Silvester-Einkäufe verzichten möchte. Dies zeigt, dass ein Teil der Bevölkerung den Jahreswechsel bewusst ohne großen Aufwand begeht oder auf vorhandene Vorräte zurückgreift.
Trotz der herausfordernden wirtschaftlichen Lage zeigen sich die Österreicherinnen und Österreicher überwiegend zuversichtlich für das kommende Jahr. Laut Consumer Check blicken 20 Prozent der Befragten mit großer Zuversicht ins Jahr 2026, weitere 24 Prozent bezeichnen sich als eher zuversichtlich. Damit überwiegt der Optimismus deutlich gegenüber den Pessimisten.
Nur 12 Prozent der Bevölkerung blicken dem neuen Jahr mit konkreten Sorgen entgegen, weitere 12 Prozent zeigen sich eher besorgt. Das verbleibende Drittel der Befragten hat sich noch nicht festgelegt und wartet die Entwicklung ab. Diese Grundstimmung könnte auch erklären, warum die Konsumfreude zum Jahreswechsel trotz Inflation und Wirtschaftsflaute relativ hoch bleibt.
Der Jahreswechsel ist traditionell die Zeit der guten Vorsätze. Die Befragung zeigt, dass 70 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher im neuen Jahr mehr auf sich selbst achten wollen. Selbstfürsorge und Achtsamkeit stehen damit ganz oben auf der Liste der persönlichen Ziele.
Konkret planen 59 Prozent der Befragten, sich im nächsten Jahr mehr zu bewegen und Sport zu treiben. Gesunde Ernährung steht für 57 Prozent im Fokus – ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr, als noch 62 Prozent diesen Vorsatz fassten. 55 Prozent möchten mehr Zeit für Freunde und Familie finden, auch hier zeigt sich ein leichter Rückgang gegenüber den 58 Prozent im Vorjahr.
Für den Handel besonders relevant sind die finanziellen Vorsätze der Konsumentinnen und Konsumenten. 55 Prozent wollen im nächsten Jahr bewusster auf ihre Ausgaben achten – exakt der gleiche Wert wie im Vorjahr. Der Anteil jener, die mehr sparen wollen, ist hingegen leicht von 47 auf 44 Prozent gesunken.
Gleichzeitig wollen sich aber auch weniger Menschen öfter etwas gönnen: Dieser Anteil sank von 46 auf 41 Prozent. Diese Zahlen deuten auf eine gewisse Zurückhaltung beim Konsum hin, die sich auch im kommenden Jahr auf den Handel auswirken könnte.
Die schwierige Wirtschaftslage macht sich auch in den Erwartungen für 2026 bemerkbar. Nur noch 57 Prozent der Erwerbstätigen halten ihren Arbeitsplatz für sicher – ein Rückgang gegenüber den 63 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig stieg der Anteil jener, die ihren Job als eher oder sehr unsicher einschätzen, von 11 auf 15 Prozent.
Eine Verbesserung ihres Einkommens erwarten lediglich 29 Prozent der Befragten, deutlich weniger als die 37 Prozent im Vorjahr. An eine Erholung der heimischen Wirtschaft glauben ebenfalls nur 29 Prozent. Entsprechend gedämpft sind die Erwartungen an den finanziellen Spielraum: Nur 28 Prozent rechnen mit mehr Geld für Konsum und Freizeit, im Vorjahr waren es noch 31 Prozent.
Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, fasst die Situation zusammen: Die Österreicherinnen und Österreicher gehen zwar grundsätzlich mit Optimismus ins Jahr 2026, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden weiterhin überwiegend als schwierig gesehen. Vor diesem Hintergrund zeichne sich vorerst auch für den Handel keine schnelle Trendwende zum Positiven ab.
Die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester ist für den Handel nicht nur wegen der Silvester-Einkäufe bedeutsam. In diesem Zeitraum werden auch die Weihnachts-Gutscheine und Geldgeschenke eingelöst. Laut Handelsverband macht dieses Nachgeschäft etwa ein Zehntel des gesamten Weihnachtsumsatzes aus.
Für den letzten Tag des Jahres gelten besondere Öffnungszeiten. Der allgemeine Handel darf am 31. Dezember bis 17 Uhr geöffnet haben, der Lebensmittelhandel bis 18 Uhr. Süßwarengeschäfte, Blumenhandlungen und der Silvesterwaren-Handel dürfen sogar bis 20 Uhr Kunden bedienen. Einzelne Händler können sich jedoch dafür entscheiden, ihre Geschäfte früher zu schließen.
Für viele Menschen gehört ein Feuerwerk zum Jahreswechsel dazu. Allerdings verzichten aufgrund von Nachhaltigkeits- und Tierwohlaspekten die meisten Österreicherinnen und Österreicher mittlerweile auf private Pyrotechnik. Nur 18 Prozent der Befragten planen, Feuerwerkskörper zu kaufen.
Der Handelsverband appelliert an jene, die dennoch Raketen und Böller zünden möchten, auf Qualität und Sicherheit zu achten. Die Empfehlung lautet klar: Nur zertifizierte Produkte aus dem heimischen Handel kaufen und auf Einkaufstouren im Ausland oder bei unseriösen Online-Shops verzichten. Die Verletzungsgefahr bei Produkten, die nicht den europäischen Richtlinien entsprechen, sei enorm hoch.
In Österreich gelten strenge Regeln für die Verwendung von Feuerwerkskörpern. Kategorie-F1-Produkte wie Knallerbsen und Wunderkerzen dürfen ganzjährig verwendet werden. Kategorie-F2-Produkte wie Raketen und Batteriefeuerwerke sind nur zu Silvester erlaubt und dürfen erst ab 16 Jahren gekauft werden. Größere Feuerwerke der Kategorien F3 und F4 erfordern spezielle Genehmigungen.
Viele Gemeinden haben zudem eigene Verordnungen, die das Abschießen von Feuerwerk in bestimmten Gebieten einschränken oder verbieten. Vor dem Kauf empfiehlt es sich daher, die lokalen Regelungen zu überprüfen.
Das Jahr 2025 war für den österreichischen Handel von zahlreichen Herausforderungen geprägt. Die anhaltende Inflation, steigende Energiekosten und die allgemeine Kaufzurückhaltung der Konsumenten haben vielen Händlern zugesetzt. Der Umsatz zum Jahreswechsel ist daher ein wichtiger Indikator für die Stimmung im Handel.
Mit den erwarteten 600 Millionen Euro Umsatz zum Jahreswechsel zeigt sich, dass die Österreicherinnen und Österreicher trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten bereit sind, für besondere Anlässe Geld auszugeben. Die Tradition der Silvesterfeier und die damit verbundenen Rituale wie das Verschenken von Glücksbringern scheinen fest in der österreichischen Kultur verankert zu sein.
Weitere Details zu den Erwartungen und politischen Empfehlungen des österreichischen Handels für das Jahr 2026 werden bei der traditionellen Neujahrs-Pressekonferenz des Handelsverbands am 15. Jänner im APA-Pressezentrum präsentiert. Neben Geschäftsführer Rainer Will werden unter anderem die Vizepräsidenten Andrea Heumann von Thalia und Harald Gutschi von OTTO Austria sowie Präsidialrätin Irina Andorfer von Sport 2000 erwartet.
Die Erhebung des Consumer Checks wird monatlich von Reppublika Research im Auftrag des Handelsverbands durchgeführt. Für die aktuelle Befragung wurden gut 1.000 Personen ab 18 Jahren nach der CAWI-Methode (Computer Assisted Web Interviewing) befragt.