Zurück
OTS-MeldungJuan Amador/Robert Comploj/Klaus Albrecht Schröder/Werner Trenker/Museum Angerlehner/Bild/Kunst/Kuns

Spitzenkoch Juan Amador zeigt seine Malerei in Österreich

11. April 2026 um 11:19
Teilen:

Ein international renommierter Spitzenkoch stellt seine Gemälde aus – was zunächst ungewöhnlich klingt, erweist sich als faszinierender Kunstdialog. Das Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels präs...

Ein international renommierter Spitzenkoch stellt seine Gemälde aus – was zunächst ungewöhnlich klingt, erweist sich als faszinierender Kunstdialog. Das Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels präsentiert von 11. April bis 14. Juni 2026 die Ausstellung "AMADOR & COMPLOJ", die zwei außergewöhnliche künstlerische Positionen vereint: die Malerei des aus Waiblingen stammenden Kochs Juan Amador und die Glasplastiken des Tiroler Künstlers Robert Comploj.

Vom Molekulargastronom zum Maler: Juan Amadors künstlerischer Wandel

Juan Amador, 1968 in Waiblingen geboren, revolutionierte als Autodidakt die Spitzengastronomie und etablierte sich als Vorreiter der Molekularküche. Seine Restaurants wurden mit Michelin-Sternen und zahlreichen internationalen Auszeichnungen geehrt. Doch in den vergangenen Jahren wandte sich der vielfach prämierte Koch mit derselben Konsequenz und Leidenschaft einem völlig anderen Medium zu: der Malerei.

Der Begriff Molekularküche bezeichnet eine moderne Kochrichtung, die wissenschaftliche Erkenntnisse über physikalische und chemische Vorgänge beim Kochen nutzt. Dabei werden traditionelle Zubereitungsmethoden durch innovative Techniken ersetzt, um Geschmack, Textur und Optik der Speisen grundlegend zu verändern. Amador entwickelte in diesem Bereich bahnbrechende Verfahren, die das Kocherlebnis zu einem multisensorischen Ereignis machten.

Seine Malerei zeigt nun ähnliche Innovationskraft. Amador arbeitet mit Schichtungen flüssiger Farbe, die er mit einem Rakel – einem flachen Werkzeug zur Farbverteilung – über die Leinwand zieht. Dabei verschiebt und überlagert er Pigmente zu vibrierenden Bildräumen. Seine Werke entstehen nicht durch traditionelle Pinselführung, sondern durch kontrollierte Bewegungen, die mystische Lichtwelten erzeugen sollen.

Österreichs Position in der internationalen Kunstszene

Die Ausstellung im Museum Angerlehner unterstreicht Österreichs bedeutende Rolle als Brücke zwischen etablierter und zeitgenössischer Kunst. Während Deutschland und die Schweiz oft auf große staatliche Museen setzen, hat sich in Österreich eine lebendige Szene privater Kunstinstitutionen entwickelt. Das Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels, initiiert vom Unternehmer Heinz Josef Angerlehner, steht exemplarisch für diese Entwicklung.

Seit der Eröffnung 2013 hat sich das Museum zu einer der wichtigsten Adressen für zeitgenössische Kunst in Österreich entwickelt. Im Vergleich zu deutschen Institutionen wie der Pinakothek der Moderne in München oder dem Kunstmuseum Basel in der Schweiz konzentriert sich das Museum Angerlehner bewusst auf den Dialog zwischen verschiedenen Generationen und Medien.

Robert Comploj: Glas als Medium der eingefrorenen Zeit

Der zweite Protagonist der Ausstellung, Robert Comploj, wurde 1982 in Inzing geboren und repräsentiert eine neue Generation österreichischer Künstler. Comploj nutzt Glas nicht wegen seiner traditionellen Eigenschaften wie Transparenz oder Farbigkeit, sondern wegen eines faszinierenden Paradoxons: Glas ist erstarrte Bewegung.

Die Glaskunst hat in Österreich eine lange Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Während traditionelle Glasbläserei auf Funktionalität und Schönheit zielte, entwickelte sich die künstlerische Glasbearbeitung erst im 20. Jahrhundert zu einer eigenständigen Kunstform. Comploj steht in dieser Tradition, bricht aber mit konventionellen Ansätzen.

Seine neuesten Arbeiten, die "Liquid Drops", stellen den Moment dar, in dem ein farbloser Tropfen auf Wasser aufschlägt und zurückfedert. Durch ausgefeilte Glastechniken transformiert Comploj diesen flüchtigen Augenblick in einen Zustand der Dauer. Das Material selbst wird zur "gefrorenen Bewegung" – ein Konzept, das physikalische Präzision mit poetischer Interpretation verbindet.

Minimalistische Monumentalität: Die Collapse Columns

Einen Kontrapunkt zu den filigranen Tropfen bilden Complojs "Collapse Columns" – große, schwarze Stelen aus mattem Glas. Diese Arbeiten greifen die Urform der Stele auf, die bereits in prähistorischen Kulturen als architektonisches und symbolisches Element diente. Als tiefschwarzes Glas verliert die Stele jedoch ihre traditionelle Schwere und erhält eine geheimnisvolle, lichtabsorbierende Qualität.

Der Begriff Minimalismus in der Kunst bezeichnet eine Strömung, die in den 1960er Jahren in den USA entstand und sich durch Reduktion auf wesentliche Elemente auszeichnet. Comploj bedient sich dieser Ästhetik, überführt sie aber in ein völlig neues Material. Das matt-schwarze Glas verschluckt Licht beinahe vollständig und reflektiert es nur partiell – ein Effekt, der beim Betrachter eine meditative Wirkung entfaltet.

Klaus Albrecht Schröder als Kurator: Expertise aus der Albertina

Die Ausstellung wird von Klaus Albrecht Schröder kuratiert, der als ehemaliger Direktor der Albertina und der Kunsthalle Wien zu den profiliertesten Kuratoren Österreichs zählt. Schröder bringt jahrzehntelange Erfahrung in der Konzeption wegweisender Ausstellungen mit und versteht es, scheinbar disparate künstlerische Positionen in einen sinnvollen Dialog zu bringen.

"In der Gegenüberstellung von Amadors vibrierenden Farbräumen und Complojs verdichteten Glasformen entsteht ein Dialog, der Licht, Bewegung und Materialität neu erfahrbar macht", erklärt Schröder sein Konzept. "Beide Künstler eröffnen jeweils auf ihre Weise ein sinnliches Universum, in dem das Unsichtbare nicht nur sichtbar, sondern unmittelbar erlebbar wird."

Wirtschaftliche Bedeutung für die Region

Die Ausstellung verdeutlicht auch die wirtschaftliche Bedeutung privater Kunstförderung in Österreich. Das Museum Angerlehner, vollständig privat finanziert, zieht jährlich tausende Besucher aus dem In- und Ausland nach Thalheim bei Wels. Dies stärkt nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern positioniert die Region als wichtigen Kulturstandort.

Im Vergleich zu staatlich geförderten Institutionen können private Museen flexibler und experimenteller agieren. Während staatliche Häuser oft politischen und budgetären Zwängen unterliegen, ermöglicht private Finanzierung innovative Ausstellungskonzepte und die Förderung noch unentdeckter Talente.

Die Sammlung Werner Trenker: Passion meets Profession

Werner Trenker, erfolgreicher Unternehmer und leidenschaftlicher Kunstsammler, baut seit 15 Jahren systematisch eine Sammlung österreichischer Kunst auf. Seine Kollektion umfasst Werke renommierter Positionen wie Hermann Nitsch, Arnulf Rainer und Markus Prachensky – Namen, die die österreichische Nachkriegskunst maßgeblich prägten.

Hermann Nitsch, geboren 1938, gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Wiener Aktionismus, einer radikalen Kunstbewegung der 1960er Jahre, die Kunst als Gesamtkunstwerk aus Theater, Malerei und Ritual verstand. Arnulf Rainer, 1929 geboren, entwickelte eine eigenständige Form der Übermalung, bei der er fremde und eigene Werke überarbeitete. Markus Prachensky (1932-2011) zählt zu den bedeutendsten abstrakten Malern Österreichs.

Seit 2022 beschränkt sich Trenker nicht mehr nur auf das Sammeln, sondern fördert aktiv Ausstellungen verschiedener Künstler. "Kunst eröffnet Räume, die über das Sichtbare hinausgehen", erklärt Trenker seine Motivation. "Mit Amador und Comploj zeigen wir zwei Künstler, die auf sehr unterschiedliche Weise genau das tun: Sie schaffen Werke, die nicht nur betrachtet, sondern erlebt werden."

Auswirkungen auf Besucher und Kunstmarkt

Für Besucher eröffnet die Ausstellung völlig neue Wahrnehmungsebenen. Amadors Farbräume erzeugen Licht ohne äußere Quelle – ein Leuchten, das aus der Farbe selbst entsteht und bei längerer Betrachtung fast hypnotische Wirkung entfalten kann. Complojs Glasarbeiten hingegen machen Zeit sichtbar, indem sie Bewegung einfrieren und dem Betrachter erlauben, einen normalerweise unsichtbaren Moment ausführlich zu studieren.

Auf dem Kunstmarkt positionieren sich beide Künstler in unterschiedlichen Segmenten. Während Comploj als aufstrebender Glaskünstler noch am Beginn seiner Marktkarriere steht, bringt Amador die Prominenz seiner Kochkarriere mit, was seine Werke für Sammler besonders interessant macht. Diese Verbindung von kulinarischer Exzellenz und bildender Kunst ist im deutschsprachigen Raum nahezu einzigartig.

Technische Innovation trifft künstlerische Vision

Beide Künstler verbindet ihr innovativer Umgang mit Material und Technik. Amadors Rakeltechnik erfordert präzises Timing und kontrollierte Bewegungen – Fertigkeiten, die er aus seiner Küchenpraxis mitbringt, wo Timing über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Seine Malerei ist nicht erzählerisch oder illustrativ, sondern reine Energie, Schichtung und Erscheinung.

Comploj beherrscht komplexe Glasbearbeitungstechniken, die höchste Präzision erfordern. Glas schmilzt bei etwa 1.500 Grad Celsius und muss in einem sehr engen Temperaturfenster bearbeitet werden. Ein Fehler kann wochenlange Arbeit zunichtemachen. Diese technischen Herausforderungen machen seine Arbeiten zu außergewöhnlichen Kunstwerken, die handwerkliche Perfektion mit konzeptueller Tiefe verbinden.

Internationale Resonanz und Zukunftsperspektiven

Die Ausstellung "AMADOR & COMPLOJ" könnte wegweisend für zukünftige Kooperationen zwischen verschiedenen kreativen Disziplinen werden. In einer Zeit, in der Grenzen zwischen Kunst, Design und anderen kreativen Bereichen zunehmend verschwimmen, zeigen Amador und Comploj exemplarisch, wie fruchtbar der Dialog zwischen verschiedenen Medien und Ansätzen sein kann.

Für die österreichische Kunstszene bedeutet die Ausstellung eine weitere Stärkung ihrer internationalen Sichtbarkeit. Private Initiativen wie die Sammlung Werner Trenker in Kooperation mit dem Museum Angerlehner demonstrieren, dass innovative Kunstprojekte nicht zwingend staatlicher Förderung bedürfen, sondern durch private Leidenschaft und unternehmerisches Engagement entstehen können.

Die Zukunft könnte weitere solche ungewöhnliche Kombinationen bringen – Künstler aus verschiedenen Disziplinen, die ihre Expertisen in neuen Medien und Ausdrucksformen zusammenführen. Amadors Übergang von der Küche zur Leinwand könnte andere Kreative ermutigen, ihre Komfortzonen zu verlassen und neue künstlerische Territorien zu erkunden.

Die Ausstellung "AMADOR & COMPLOJ" läuft vom 11. April bis 14. Juni 2026 im Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels und verspricht, neue Standards für interdisziplinäre Kunstpräsentationen zu setzen. Sie zeigt eindrucksvoll, dass Kunst dort entsteht, wo Mut auf Können trifft und Tradition auf Innovation – egal, ob in der Küche oder im Atelier.

Weitere Meldungen

OTS
Juan Amador

Kunst-Sensation: Juan Amador und Robert Comploj vereint

2. Apr. 2026
Lesen
OTS
Juan Amador

Museum Angerlehner zeigt Amador & Comploj ab April 2026

2. Apr. 2026
Lesen
OTS
Gesundheit

NÖ Landesausstellung 2026: Psychische Gesundheit im Fokus

11. Apr. 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen