Nach weiterem Frauenmord: Kritik an Verharmlosung geschlechtsspezifischer Gewalt
SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Manninger sieht in Frauenmorden Ausdruck patriarchaler Machtverhältnisse und fordert besseren Gewaltschutz.
Nach einem weiteren Fall von tödlicher Partnergewalt in Österreich meldet sich die SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Ruth Manninger mit deutlichen Worten zu Wort. Der jüngste Fall, bei dem ein Mann seine Partnerin tötete und anschließend Suizid beging, ist für Manninger kein isoliertes Ereignis, sondern Teil eines strukturellen gesellschaftlichen Problems.
"Ein Frauenmord ist kein Beziehungskonflikt und keine private Tragödie", betont Manninger in ihrer Stellungnahme. Vielmehr handle es sich um "die brutalste Konsequenz patriarchaler Machtverhältnisse, in denen Männer glauben, Anspruch auf Kontrolle über Frauen zu haben – bis hin zu deren Leben". Diese klare Positionierung rückt die gesellschaftlichen Ursachen von Gewalt gegen Frauen in den Fokus.
Die SPÖ-Politikerin zeigt sich zutiefst erschüttert über den Tod der Frau und spricht den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. Gleichzeitig nutzt sie den tragischen Fall, um auf die strukturellen Probleme aufmerksam zu machen, die solche Gewaltakte ermöglichen.
Ein zentraler Kritikpunkt Manningers ist die gesellschaftliche Tendenz, Gewalt gegen Frauen zu verharmlosen oder als Einzelfälle darzustellen. "Solche Taten dürfen nicht isoliert betrachtet werden", warnt sie. Stattdessen seien sie "eingebettet in eine gesellschaftliche Realität, in der Gewalt gegen Frauen weiterhin verharmlost, bagatellisiert oder als Einzelfall dargestellt werden".
Diese Verharmlosung trägt laut der SPÖ-Frauengeschäftsführerin dazu bei, dass die eigentlichen Ursachen von Femiziden nicht angegangen werden. "Jeder Frauenmord ist Teil eines strukturellen Problems. Solange Besitzdenken, Kontrolle und Macht über Frauen toleriert werden, bleiben Frauen in Gefahr", so ihre eindringliche Warnung.
Als positives Beispiel für notwendige Maßnahmen hebt Manninger den Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen von Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner hervor. Dieser Plan sei ein wichtiger Baustein im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Österreich.
"Die Lücken im Gewaltschutz müssen geschlossen werden", fordert die SPÖ-Politikerin. Der aktuelle Fall mache deutlich, "wie breit das Gewaltschutznetz gefasst werden muss". Dies deutet darauf hin, dass nicht nur reaktive Maßnahmen nach Gewalttaten erforderlich sind, sondern präventive Strategien, die bereits im Vorfeld greifen.
Gewalt gegen Frauen ist in Österreich ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem. Statistiken zeigen, dass Frauen überdurchschnittlich häufig von häuslicher Gewalt betroffen sind, wobei die meisten Übergriffe durch aktuelle oder ehemalige Partner verübt werden. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen, da viele Fälle nie zur Anzeige gebracht werden.
Besonders gefährlich wird es für Frauen oft in Trennungssituationen, wenn Kontrolle und Besitzansprüche des Partners in Gewalt umschlagen können. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von einem erhöhten Risiko für schwere Gewalttaten bis hin zu Femiziden.
Die Forderungen der SPÖ gehen über reine Sicherheitsmaßnahmen hinaus. Manningers Aussagen deuten darauf hin, dass ein grundlegender gesellschaftlicher Wandel notwendig ist, um Gewalt gegen Frauen effektiv zu bekämpfen. Dies umfasst die Infragestellung traditioneller Rollenbilder und Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern.
Besitzdenken und Kontrollansprüche gegenüber Frauen müssen als das erkannt werden, was sie sind: gefährliche Einstellungen, die zu Gewalt führen können. Die Sensibilisierung der Gesellschaft für diese Zusammenhänge ist ein wichtiger Baustein in der Prävention.
Neben der gesellschaftlichen Bewusstseinsbildung sind konkrete Unterstützungsangebote für betroffene Frauen essentiell. Dazu gehören niederschwellige Beratungsangebote, Schutzeinrichtungen und rechtliche Unterstützung. Auch die Täterarbeit spielt eine wichtige Rolle, um Gewalttaten zu verhindern.
Der von Manninger erwähnte Nationale Aktionsplan sieht verschiedene Maßnahmen vor, die von Präventionsarbeit über Opferschutz bis hin zur Verbesserung der Strafverfolgung reichen. Die Umsetzung dieser Maßnahmen wird entscheidend dafür sein, wie effektiv der Schutz von Frauen vor Gewalt in Zukunft gewährleistet werden kann.
Mit ihren deutlichen Worten macht Manninger klar, dass der Kampf gegen Gewalt an Frauen nicht nur eine Aufgabe der Exekutive oder der Justiz ist, sondern eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung darstellt. Politik, Medien, Bildungseinrichtungen und jede einzelne Person sind gefordert, ihren Beitrag zu leisten.
Die Sprache, mit der über solche Fälle berichtet wird, spielt dabei eine wichtige Rolle. Begriffe wie "Familientragödie" oder "Beziehungsdrama" verschleiern die wahren Ursachen und tragen zur Verharmlosung bei. Eine klare Benennung als geschlechtsspezifische Gewalt oder Femizid ist notwendig, um das Problem in seiner ganzen Dimension zu erfassen.
Der aktuelle Fall zeigt einmal mehr, dass der Schutz von Frauen vor Gewalt höchste Priorität haben muss. Nur durch eine Kombination aus strukturellen Veränderungen, besseren Schutzmaßnahmen und einem Wandel in der gesellschaftlichen Wahrnehmung kann langfristig eine Verbesserung erreicht werden.