Vier Jahre nach russischem Angriff: Bayr sieht europäische Sicherheit bedroht
Die SPÖ-Außenpolitiksprecherin Petra Bayr fordert anlässlich des vierten Jahrestags des Ukraine-Kriegs ein Sondertribunal gegen Putin.
Am vierten Jahrestag des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine erneuert die SPÖ ihre Forderung nach rechtlicher Aufarbeitung der Kriegsverbrechen. Die außenpolitische Sprecherin Petra Bayr macht deutlich: "Wenn die Ukraine nicht sicher ist, ist kein Land sicher."
Seit dem 24. Februar 2022 führt Russland unter Präsident Wladimir Putin einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Bilanz nach vier Jahren ist verheerend: Massengräber, zerstörte Städte und Millionen von Familien, die auseinandergerissen wurden, prägen das Bild eines Konflikts, der weit über die Grenzen der Ukraine hinausreicht.
"Der Angriffskrieg begann mit der Entscheidung des Kremls und von Putin. Die Konsequenzen dieser Entscheidung sind Massengräber, zerstörte Städte, Millionen von auseinandergerissenen Familien", betont Bayr in ihrer aktuellen Stellungnahme. Die SPÖ-Politikerin sieht in dem Konflikt nicht nur eine Bedrohung für die Ukraine, sondern für ganz Europa.
Nach Ansicht der SPÖ-Außenpolitiksprecherin richtet sich der russische Angriffskrieg nicht allein gegen die Ukraine, sondern auch gegen alle europäischen Werte. Die dokumentierten Grausamkeiten zeigten "eine Verachtung der Menschenwürde", die nicht ungesühnt bleiben dürfe.
Besonders schwer wiegen die Vorwürfe systematischer Kriegsverbrechen: Folter, sexuelle Gewalt, willkürliche Deportationen und die gezielte Zerstörung ziviler Infrastruktur gehören laut internationalen Beobachtern zum Repertoire der russischen Kriegsführung. Diese Verbrechen hätten System und seien Teil einer bewussten Strategie, so die Einschätzung der SPÖ.
Die SPÖ fordert die Einrichtung eines "Sondertribunals für das Verbrechen der Aggression gegen die Ukraine". Dieses soll die Verantwortlichen für die Kriegsverbrechen zur Rechenschaft ziehen. "Die Verantwortlichen für diese Verbrechen werden dafür einstehen müssen", macht Bayr unmissverständlich klar.
Ein solches Tribunal würde über die bestehenden internationalen Gerichtshöfe hinausgehen und sich speziell auf die Verbrechen der Aggression konzentrieren. Die Idee eines Sondertribunals wird auch von anderen EU-Staaten und der Ukraine selbst unterstützt, stößt aber auf rechtliche und politische Herausforderungen bei der Umsetzung.
"Gerechtigkeit ist nicht Rache, Gerechtigkeit ist Schutz – nämlich Schutz der zukünftigen Opfer, des internationalen Rechts und des Friedens", erklärt Bayr ihre Position. Die juristische Aufarbeitung diene nicht primär der Vergeltung, sondern der Prävention künftiger Konflikte und dem Schutz des Völkerrechts.
Zur rechtlichen Aufarbeitung gehören nach Ansicht der SPÖ auch Reparationszahlungen für die entstandenen Schäden. Die Ukraine schätzt die Wiederaufbaukosten auf mehrere hundert Milliarden Euro. Ein großer Teil dieser Summe soll nach dem Willen der internationalen Gemeinschaft von Russland getragen werden.
Österreich unterstützt die Ukraine trotz seiner militärischen Neutralität politisch und humanitär. Die Regierung hat mehrere Sanktionspakete gegen Russland mitgetragen und leistet humanitäre Hilfe für ukrainische Flüchtlinge. Gleichzeitig betont Wien immer wieder seine Rolle als neutraler Vermittler.
Die SPÖ als größte Oppositionspartei hat die Regierungspolitik in der Ukraine-Frage grundsätzlich unterstützt, fordert aber eine aktivere Rolle Österreichs bei der rechtlichen Aufarbeitung der Kriegsverbrechen. Die Partei sieht in der konsequenten Anwendung des Völkerrechts einen Grundpfeiler der europäischen Friedensordnung.
Die internationale Gemeinschaft hat seit Kriegsbeginn Unterstützung in Milliardenhöhe für die Ukraine bereitgestellt. Diese umfasst militärische Ausrüstung, humanitäre Hilfe und finanzielle Unterstützung für den Staatshaushalt. Die EU hat bislang über 100 Milliarden Euro an Hilfen zugesagt.
Parallel dazu laufen die Bemühungen um die juristische Aufarbeitung der Kriegsverbrechen. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat bereits Haftbefehle gegen Putin und andere russische Verantwortliche erlassen. Ein Sondertribunal würde diese Bemühungen ergänzen und erweitern.
Die Einrichtung eines Sondertribunals steht vor erheblichen rechtlichen und praktischen Hürden. Russland erkennt die Zuständigkeit internationaler Gerichte nicht an und wird kaum kooperieren. Zudem müssen sich die beteiligten Staaten auf die rechtliche Grundlage und die Finanzierung einigen.
Trotz dieser Schwierigkeiten sieht die SPÖ in der Forderung nach einem Tribunal ein wichtiges Signal. "Es geht um die Glaubwürdigkeit des internationalen Rechts und um den Schutz künftiger Generationen vor ähnlichen Verbrechen", so die Argumentation aus der Löwelstraße.
Die Debatte um die rechtliche Aufarbeitung des Ukraine-Kriegs wird auch in den kommenden Monaten die europäische Politik prägen. Dabei geht es nicht nur um Gerechtigkeit für die Opfer, sondern auch um die Frage, wie die internationale Gemeinschaft auf Aggressionen reagiert und das Völkerrecht durchsetzt.