ÖIF-Studie belegt erfolgreiche Integration durch Deutschlernen
Über 94.000 Ukrainer leben mittlerweile in Österreich. Eine neue Studie zeigt: Sie lernen erfolgreich Deutsch und integrieren sich gut.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 hat sich die ukrainische Bevölkerung in Österreich dramatisch verändert. Lebten zu Jahresbeginn 2022 noch rund 12.700 ukrainische Staatsangehörige in Österreich, sind es mit Stichtag 1. Jänner 2026 bereits über 94.000 Menschen – eine Versechsfachung innerhalb von vier Jahren.
Diese beeindruckenden Zahlen hat der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) in seinem neuen Factsheet "Ukrainische Bevölkerung in Österreich 2026" veröffentlicht. Die umfassende Studie gibt Aufschluss über die Lebenssituation, Erwerbsbeteiligung, Deutschkenntnisse und Zukunftspläne der ukrainischen Vertriebenen in Österreich.
Die Bevölkerungsstruktur der ukrainischen Staatsangehörigen unterscheidet sich markant von jener der österreichischen Gesamtbevölkerung. Der Frauenanteil liegt bei bemerkenswerten 61 Prozent, während nur 39 Prozent Männer sind. Diese Verteilung spiegelt die Realitäten des Kriegsrechts in der Ukraine wider, das die Ausreise von Männern im wehrfähigen Alter erheblich einschränkt.
Besonders auffällig ist auch die Altersstruktur: Die ukrainische Bevölkerung in Österreich ist deutlich jünger als der Durchschnitt. 30 Prozent sind unter 20 Jahre alt, verglichen mit nur 19 Prozent in der österreichischen Gesamtbevölkerung. Der Anteil im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 59 Jahren beträgt 58 Prozent, während es österreichweit 53 Prozent sind. Nur 12 Prozent der ukrainischen Staatsangehörigen sind 60 Jahre oder älter – weniger als die Hälfte des österreichischen Durchschnitts von 28 Prozent.
Geografisch konzentriert sich die ukrainische Bevölkerung stark auf Wien: Etwa jeder zweite ukrainische Staatsangehörige in Österreich hat seinen Wohnsitz in der Bundeshauptstadt.
"Ukrainische Vertriebene lernen häufig, rasch und mit großem Engagement Deutsch", betont Franz Wolf, Direktor des Österreichischen Integrationsfonds. "Sie nutzen die Angebote des ÖIF intensiv und erreichen überdurchschnittlich oft hohe Sprachniveaus. Viele haben sich in kurzer Zeit solide bis sehr gute Deutschkenntnisse erarbeitet."
Die Befragungsergebnisse bestätigen diese positive Einschätzung: Eine überwiegende Mehrheit der ukrainischen Vertriebenen verfügt über mündliche und schriftliche Deutschkenntnisse. Rund 30 Prozent der Befragten schätzen ihre Deutschkenntnisse sogar als "fortgeschritten" ein, weitere 38 Prozent geben an, über Grundkenntnisse zu verfügen.
Besonders bemerkenswert ist der Zusammenhang zwischen Sprachkenntnissen und Lebenszufriedenheit: Ukrainische Vertriebene mit guten Deutschkenntnissen sind deutlich häufiger mit ihrem Leben in Österreich zufrieden als Personen mit geringeren Sprachkenntnissen. Dies unterstreicht die zentrale Bedeutung der Sprache für eine erfolgreiche Integration.
Die Deutschlernangebote des ÖIF werden von den ukrainischen Vertriebenen außerordentlich positiv bewertet. Über 80 Prozent der Befragten zeigen sich mit den Deutschkursen zufrieden oder sehr zufrieden. Besonders hervorgehoben wird die gute Vereinbarkeit der Kurse with Kinderbetreuungspflichten – ein wichtiger Faktor für die überwiegend weibliche ukrainische Bevölkerung.
Auch die Online-Deutschlernangebote des ÖIF spielen eine zentrale Rolle in der Sprachausbildung. Sie werden als flexibel, alltagstauglich und gut mit bestehenden Verpflichtungen vereinbar bewertet. Seit Kriegsbeginn haben ukrainische Vertriebene rund 90.000 ÖIF-Deutschkursplätze in Anspruch genommen, wobei sie im Jahr 2025 die meisten Deutschkursplätze beim ÖIF belegten.
Ein weiterer positiver Trend zeigt sich bei der Erwerbsbeteiligung ukrainischer Vertriebener. Im Jänner 2026 gab die Hälfte (49 Prozent) der befragten ukrainischen Vertriebenen an, erwerbstätig zu sein. Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, als sie einen kontinuierlichen Anstieg seit 2022 darstellt.
Besonders dramatisch fällt der Anstieg bei ukrainischen Frauen aus: Lag ihre Erwerbsbeteiligung im Jahr 2022 noch bei rund 10 Prozent, ist sie 2026 auf beeindruckende 48 Prozent gestiegen. Auch bei Männern zeigt sich mit 51 Prozent ein Anstieg gegenüber 47 Prozent im Jahr 2024.
Diese Zahlen spiegeln nicht nur die zunehmende Integration in den österreichischen Arbeitsmarkt wider, sondern auch die Bereitschaft der ukrainischen Vertriebenen, sich eine neue Existenz in Österreich aufzubauen. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren insgesamt rund 5.800 ukrainische Staatsangehörige als arbeitslos vorgemerkt – ein verhältnismäßig niedriger Wert angesichts der Gesamtzahl.
Die Zukunftspläne der ukrainischen Vertriebenen haben sich seit Kriegsbeginn grundlegend gewandelt. Nur noch rund 2 Prozent der Befragten geben an, in naher Zukunft in die Ukraine zurückkehren zu wollen. Diese drastische Veränderung der Rückkehrpläne spiegelt sowohl die andauernde unsichere Lage in der Ukraine als auch die zunehmende Verwurzelung in Österreich wider.
Mehr als 60 Prozent der Ukrainerinnen und Ukrainer planen langfristig keine Rückkehr, während 30 Prozent derzeit noch unentschieden sind. Als entscheidender Faktor für die Rückkehrentscheidung wird vor allem die Sicherheitslage in der Ukraine genannt – ein nachvollziehbarer Grund angesichts des anhaltenden Krieges.
Der Österreichische Integrationsfonds fungiert als zentrale Anlaufstelle für Integration und Deutschlernen für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte sowie ukrainische Vertriebene. Das Angebot ist vielfältig und bedarfsorientiert: Neben Deutschkursen bietet der ÖIF auch Werte- und Orientierungskurse, Integrationsberatung sowie ergänzende Angebote.
Darüber hinaus unterstützt der ÖIF beim Einstieg in den Arbeitsmarkt, bietet Beratungen zu Bildung und Beruf, organisiert Karriereplattformen mit Unternehmen und stellt über das frei zugängliche ÖIF-Sprachportal umfangreiche Online-Deutschlernangebote zur Verfügung.
Die aktuellen Daten basieren auf einer umfassenden Befragung, die der ÖIF im Jänner 2026 unter ukrainischen Vertriebenen durchführte. Insgesamt nahmen 2.608 Personen im Alter von 18 bis 55 Jahren an der Online-Befragung teil. Der Erhebungszeitraum erstreckte sich vom 20. bis 26. Jänner 2026.
72 Prozent der Befragten waren Frauen, 28 Prozent Männer. Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) erhielt ihren Aufenthaltstitel in den Jahren 2024 oder 2025, was zeigt, dass ein Großteil der Befragten erst in jüngster Zeit nach Österreich gekommen ist.
Die Ergebnisse des ÖIF-Factsheets zeichnen insgesamt ein sehr positives Bild der Integration ukrainischer Vertriebener in Österreich. Die hohe Motivation beim Deutschlernen, die steigende Erwerbsbeteiligung und die zunehmende Lebenszufriedenheit zeigen, dass die Integrationsmaßnahmen erfolgreich greifen.
Gleichzeitig wird deutlich, dass sich die ursprünglich als temporäre Schutzmaßnahme gedachte Aufnahme ukrainischer Vertriebener zu einer langfristigen gesellschaftlichen Aufgabe entwickelt hat. Die geringe Bereitschaft zur kurzfristigen Rückkehr zeigt, dass Österreich sich auf eine dauerhafte Integration dieser Menschen einstellen muss.
Franz Wolf betont die Bedeutung der sprachlichen Fortschritte: "Diese sprachlichen Fortschritte sind ein zentraler Schlüssel für Integration, gesellschaftliche Mitwirkung und eine erfolgreiche Entwicklung in der Arbeit sowie eine Perspektive in Österreich." Die Zahlen geben ihm recht – und zeigen, dass sowohl die ukrainischen Vertriebenen als auch die österreichischen Integrationsbemühungen auf einem guten Weg sind.