Neues Förderprogramm soll ab März 2026 Erdgeschosszonen beleben und Nahversorgung stärken
Die Stadt Wien investiert 4,5 Millionen Euro in ein neues Förderprogramm, das leerstehende Geschäftslokale wiederbeleben soll.
Wien setzt einen neuen Schwerpunkt zur Belebung seiner Stadtviertel: Das Förderprogramm "Lebendiges Grätzl" soll ab 1. März 2026 mit einem Budget von 4,5 Millionen Euro dafür sorgen, dass die Erdgeschosszonen der Stadt wieder pulsieren. Die Initiative wurde heute im Wiener Gemeinderat beschlossen und zielt darauf ab, leerstehende Geschäftslokale zu reaktivieren und die lokale Wirtschaft zu stärken.
"Ein Grätzl ist kein Hintergrundrauschen, sondern Wiens Puls: Dort treffen Alltag, Begegnung und Versorgung aufeinander", erklärt Omar Al-Rawi, Ausschussvorsitzender für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke. Das neue Programm soll die oft brachliegenden Erdgeschosszonen wieder zu dem machen, was sie einst waren: das Schaufenster der städtischen Lebensqualität.
Die Bedeutung lebendiger Grätzl geht dabei weit über reine Geschäftstätigkeit hinaus. "Wenn Türen offen sind, geht auch das Miteinander auf", betont Cornelia Sucher, stellvertretende Ausschussvorsitzende. "Lebendige Grätzl bedeuten mehr als Handel: Sie bedeuten Zusammenhalt, kurze Wege und Orte, an denen man einander kennt."
Das auf zehn Monate angelegte Programm - es läuft bis Ende Dezember 2026 - folgt einem klaren Prinzip: Qualität entscheidet über die Mittelvergabe. "Das ist keine Verteilung nach dem Gießkannenprinzip, sondern eine gezielte Investition in starke Standorte", erklärt Al-Rawi. Ein Wettbewerbsverfahren soll regelmäßig bewerten, welche Projekte die größte Wirkung im jeweiligen Grätzl entfalten können.
"Wir knüpfen Förderungen klarer an Qualität, Innovationsgrad und eine nachhaltige Perspektive", ergänzt Sucher. Damit sollen Mitnahmeeffekte verhindert und sichergestellt werden, dass die Unterstützung zu echten Verbesserungen für Kunden, Betriebe und die Nachbarschaft führt.
Das Förderspektrum ist breit angelegt und umfasst verschiedene Bereiche:
"Wer Prozesse modernisiert, Aufenthaltsqualität schafft oder ein leerstehendes Lokal wieder mit Leben füllt, stärkt nicht nur das eigene Unternehmen, sondern das gesamte Umfeld", so Al-Rawi.
Mit der Einführung des neuen Programms räumt die Stadt auch in ihrer Förderstruktur auf. Das bisherige Programm "Geschäftsbelebung" wird vorzeitig eingestellt, da seine Inhalte und Ziele vollständig in "Lebendiges Grätzl" übergehen. "Wir räumen Hürden aus dem Weg und schaffen Orientierung: weniger Parallelstrukturen, schnellere Wege, mehr Klarheit", erklärt Sucher.
Auch das Förderprogramm "Nahversorgung" erhält eine neue Bezeichnung: Es wird künftig "Innovatives Handwerk und Gewerbe" heißen, wobei die Inhalte unverändert bleiben. "Der neue Name bringt auf den Punkt, worum es geht: neue Produkte, neue Verfahren, starke Betriebe", erläutert Al-Rawi.
Das neue Förderprogramm fügt sich in Wiens Strategie einer "Stadt der kurzen Wege" ein. Lebendige Grätzl sollen dafür sorgen, dass die Wienerinnen und Wiener ihre täglichen Besorgungen in der unmittelbaren Nachbarschaft erledigen können, anstatt weite Wege zu Einkaufszentren auf der grünen Wiese zurücklegen zu müssen.
Diese Strategie hat mehrere Vorteile: Sie reduziert den Verkehr in der Stadt, stärkt die lokale Wirtschaft und fördert das Gemeinschaftsgefühl in den Vierteln. Gleichzeitig wird die Nahversorgung verbessert, was besonders für ältere Menschen und Familien mit Kindern von Bedeutung ist.
Die Belebung der Erdgeschosszonen hat auch eine wichtige wirtschaftliche Dimension. Leerstehende Geschäftslokale bedeuten nicht nur entgangene Mieteinnahmen für Immobilieneigentümer, sondern auch weniger Arbeitsplätze und geringere Steuereinnahmen für die Stadt. Das neue Förderprogramm soll dazu beitragen, diese negativen Effekte umzukehren.
Besonders kleine und mittlere Unternehmen sollen von der neuen Förderung profitieren. Sie sind oft das Rückgrat der lokalen Wirtschaft, haben aber häufig Schwierigkeiten, die notwendigen Investitionen für Modernisierung und Digitalisierung zu stemmen.
Die Belebung von Erdgeschosszonen ist keine einfache Aufgabe. Veränderte Konsumgewohnheiten, der Trend zum Online-Shopping und hohe Mieten haben in den vergangenen Jahren vielen traditionellen Geschäften zugesetzt. Das neue Förderprogramm soll helfen, diese Herausforderungen zu meistern und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Gleichzeitig bietet die Digitalisierung neue Chancen: Lokale Geschäfte können durch Online-Präsenz und moderne Serviceangebote wieder attraktiver werden. Das Programm "Lebendiges Grätzl" soll dabei helfen, diese Potenziale zu nutzen.
Bemerkenswert ist, dass Wien das neue Förderprogramm auch in einer Zeit der Haushaltskonsolidierung auflegt. "Auch in Zeiten der Konsolidierung handeln wir mit größter Achtsamkeit, damit Lebensqualität und Zusammenhalt nicht nur Schlagworte bleiben, sondern gelebte Realität", betont Sucher.
Dies zeigt, welche Priorität die Stadt der Belebung ihrer Grätzl einräumt. Die Investition in lokale Strukturen wird offenbar als so wichtig erachtet, dass dafür auch in finanziell angespannten Zeiten Mittel bereitgestellt werden.
Das Programm "Lebendiges Grätzl" startet zwar erst im März 2026, die Vorbereitungen laufen aber bereits jetzt an. Interessierte Betriebe können sich über die genauen Förderkriterien und Antragsverfahren informieren. Die Stadt rechnet mit einer hohen Nachfrage nach den Förderungen.
"Wien ist so lebenswert, weil wir uns um die scheinbar kleinen Dinge kümmern, die den Alltag groß machen", fasst Sucher die Philosophie des Programms zusammen. "'Lebendiges Grätzl' ist ein solcher Schritt: solidarisch, praktikabel und in den Vierteln und Grätzln direkt spürbar."
Ob das Programm die erhofften Erfolge bringt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die Erfahrungen sollen dann in die Planung weiterer Förderprogramme einfließen und möglicherweise zu einer Verstetigung der Unterstützung für lebendige Grätzl führen.