Österreichs Leitindex schlägt DAX und MSCI World deutlich – Börsen-Chef fordert politisches Handeln bei Altersvorsorge
Die Wiener Börse blickt auf ein historisches Jahr zurück: Der ATX Total Return erreichte sein Allzeithoch und übertraf internationale Indizes deutlich.
Das Börsenjahr 2025 geht als eines der erfolgreichsten in die Geschichte der Wiener Börse ein. Mit einem Plus von knapp 50 Prozent beim ATX Total Return und Aktienumsätzen von rund 71 Milliarden Euro etabliert sich der österreichische Finanzplatz im internationalen Spitzenfeld. Gleichzeitig mahnt Börsen-Chef Christoph Boschan die Politik zu mehr Engagement bei der Förderung privater Altersvorsorge.
Der österreichische Leitindex ATX inklusive Dividenden durchbrach im Laufe des Jahres gleich drei bedeutende Tausender-Marken und erreichte erstmals die Schwellen von zehn-, elf- und zwölftausend Punkten. Mit einem Stand von 12.799,31 Punkten markierte der ATX Total Return sein bisheriges Allzeithoch. Das entspricht einem Jahresplus von beeindruckenden 49,93 Prozent.
Auch der ATX ohne Dividendenberücksichtigung konnte mit einem Plus von 43,27 Prozent und einem Schlussstand von 5.247,96 Punkten überzeugen. Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, als das Jahr von erheblichen Unsicherheiten geprägt war: Geopolitische Spannungen, internationale Handelskonflikte und die Aussicht auf ein mögliches Ende des Ukraine-Krieges hielten die Märkte in Atem.
Im internationalen Vergleich positioniert sich die Wiener Börse an der Spitze der wichtigsten Indizes. Während der ATX Total Return um fast 50 Prozent zulegte, kam der deutsche Leitindex DAX – der ebenfalls Dividenden berücksichtigt – nur auf ein Plus von 22,38 Prozent. Der weltweit beachtete MSCI World Index erreichte lediglich 20,64 Prozent, der Euro Stoxx sogar nur 17,58 Prozent.
Diese Outperformance des österreichischen Marktes gegenüber den internationalen Vergleichsindizes verdeutlicht die Attraktivität der an der Wiener Börse notierten Unternehmen. Die Marktkapitalisierung der heimischen börsennotierten Gesellschaften belief sich per 22. Dezember auf rund 177 Milliarden Euro.
Mit erwarteten Aktienumsätzen von etwa 71 Milliarden Euro zum Jahresende entwickelte sich 2025 zum drittstärksten Handelsjahr seit 2012. Nur die Jahre 2021 und 2022 verzeichneten noch höhere Umsätze. Der letzte Handelstag des Kalenderjahres fand am 30. Dezember statt und wurde mit einer vorgezogenen Schlussauktion um 14:15 Uhr beendet. Insgesamt umfasste das Börsenjahr 253 Handelstage – eine Zahl, die auch für 2026 beibehalten wird.
Das Einstiegssegment direct market plus konnte im Jahr 2025 drei neue Unternehmen begrüßen. Mit der Steyr Motors AG, der REPLOID Group AG und Gallmetzer HealthCare S.p.A. erweiterten gleich drei Gesellschaften das Angebot für Anleger in diesem Marktsegment. Der direct market plus bietet kleineren und mittleren Unternehmen einen vereinfachten Zugang zum Kapitalmarkt und fungiert häufig als Sprungbrett für spätere Notierungen im Hauptsegment.
Besonders beeindruckend entwickelte sich der Anleihenbereich der Wiener Börse. Mit 31.490 Primärlistings bis zum 29. Dezember wurde das bisherige Rekordjahr 2024 mit 13.443 Listings mehr als verdoppelt. Diese Entwicklung unterstreicht die zunehmende Bedeutung Wiens als internationales Listingzentrum für Schuldverschreibungen.
Die globale Reichweite der Wiener Börse hat sich dabei erheblich erweitert. Während 2020 noch Listings von 191 Emittenten aus 17 Ländern aufgenommen wurden, waren es 2025 bereits 682 neue Emittenten aus 43 Nationen. Neue Märkte erschlossen sich in Zentral- und Ostasien, der Türkei, Australien, Mexiko sowie Nordafrika. Aktuell werden 1.369 aktive Anleihe-Emittenten aus 50 Ländern betreut, wobei rund 90 Prozent der Schuldverschreibungen internationaler Herkunft sind.
Das internationale Segment global market, das Anlegern den Handel mit ausländischen Wertpapieren ermöglicht, wurde um rund 100 Titel erweitert und umfasst mittlerweile über 900 Wertpapiere aus 28 Ländern. Die Aktienumsätze in diesem Segment befinden sich auf robustem Niveau.
Einen besonderen Schwerpunkt legte die Wiener Börse auf den Ausbau des ETF-Angebots. Mit einer Verdoppelung auf 336 Titel wurde das Angebot an börsengehandelten Fonds massiv erweitert. Diese strategische Entscheidung spiegelt sich bereits in Rekordumsätzen wider und kommt dem wachsenden Interesse privater Anleger an kostengünstigen, diversifizierten Anlageprodukten entgegen.
Trotz der erfreulichen Marktentwicklung äußerte sich Wiener Börse CEO Christoph Boschan kritisch zur politischen Unterstützung des Kapitalmarkts in Österreich. „Österreichs Aktienmarkt und auch der Wertpapierbesitz haben sich zuletzt sehr erfreulich entwickelt. Weniger agil ist leider der politische Diskurs, wenn es darum geht, diese Entwicklungen nachhaltig zu stützen