Zurück
OTS-MeldungLehre/Lehrlinge/Arbeit/Bildung/Wirtschaft und Finanzen

Wiener Stadtwerke: Letzte Chance für drei Lehrstellen 2026

12. März 2026 um 10:16
Teilen:

Der Ansturm ist gewaltig: Über 10.500 Bewerbungen gingen seit September 2025 bei den Wiener Stadtwerken ein. Von ursprünglich 21 Lehrberufen sind nur noch drei verfügbar – ein deutliches Zeichen da...

Der Ansturm ist gewaltig: Über 10.500 Bewerbungen gingen seit September 2025 bei den Wiener Stadtwerken ein. Von ursprünglich 21 Lehrberufen sind nur noch drei verfügbar – ein deutliches Zeichen dafür, wie attraktiv die technische Ausbildung bei Österreichs größtem kommunalen Infrastrukturdienstleister geworden ist. Wer noch eine der begehrten Lehrstellen für September 2026 ergattern möchte, sollte sich jetzt beeilen.

Drei begehrte Berufe noch verfügbar

Die letzten offenen Türen führen zu drei hochspezialisierten technischen Bereichen: Elektrotechnik für Anlagen- und Betriebstechnik, Gleisbautechnik sowie Konstrukteur*in. Diese Berufe stehen im Zentrum der österreichischen Energiewende und Mobilitätswende – zwei der wichtigsten gesellschaftlichen Transformationsprozesse unserer Zeit.

Die Elektrotechnik für Anlagen- und Betriebstechnik umfasst die Planung, Installation und Wartung komplexer elektrischer Systeme, die für die Energieversorgung einer Millionenstadt wie Wien unerlässlich sind. Lehrlinge lernen dabei den Umgang mit Hochspannungsanlagen, Schaltanlagen und modernen Leitsystemen, die das Stromnetz intelligent steuern. In Zeiten des massiven Ausbaus erneuerbarer Energien werden diese Fachkräfte händeringend gesucht – nicht nur in Wien, sondern österreichweit.

Gleisbautechniker hingegen sind die Spezialisten für Schieneninfrastruktur. Sie planen, errichten und warten Gleisanlagen, Weichen und die gesamte Bahntechnik. Angesichts der Klimaziele und des geplanten Ausbaus des öffentlichen Verkehrs in Wien und ganz Österreich ist diese Expertise gefragter denn je. Die Wiener Linien transportieren täglich über eine Million Fahrgäste – ein System, das ohne perfekt ausgebildete Gleisbautechniker nicht funktionieren würde.

Österreich im europäischen Vergleich

Während andere europäische Länder mit sinkenden Lehrlingszahlen kämpfen, zeigt sich in Österreich ein differenziertes Bild. In Deutschland etwa ist die Zahl der neuen Lehrverträge in den letzten fünf Jahren um 8,2 Prozent gesunken. Die Schweiz verzeichnet ebenfalls rückläufige Zahlen in technischen Berufen. Österreich hingegen kann sich noch auf ein stabiles duales Ausbildungssystem stützen, kämpft aber regional mit großen Unterschieden.

Wien als Bundesland steht dabei besser da als ländliche Regionen. Während in der Steiermark oder in Kärnten viele Lehrstellen unbesetzt bleiben, herrscht in Wien teilweise ein Überangebot an Bewerbern – zumindest bei attraktiven Arbeitgebern wie den Wiener Stadtwerken. Diese Diskrepanz zeigt die unterschiedliche Wirtschaftskraft und Attraktivität der Regionen für junge Menschen.

Fachkräftemangel als gesellschaftliche Herausforderung

Der strukturelle Fachkräftemangel in technischen Berufen ist keine neue Erscheinung, hat sich aber durch demografische Entwicklungen und die Digitalisierung verschärft. Laut Wirtschaftskammer Österreich fehlen bereits jetzt über 200.000 Fachkräfte, besonders in den sogenannten MINT-Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Bis 2030 könnte sich diese Lücke auf 300.000 ausweiten.

Die Wiener Stadtwerke positionieren sich bewusst als Gegenpol zu diesem Trend. Mit über 700 Lehrplätzen zählt der Konzern zu den größten Ausbildungsbetrieben Österreichs und setzt damit ein starkes Signal. "Die Energiewende, der Netzausbau und nachhaltige Mobilität brauchen bestens ausgebildete Fachkräfte", betont Generaldirektor Peter Weinelt die strategische Bedeutung der Lehrlingsausbildung.

Frauen in technischen Berufen im Fokus

Besonders ambitioniert ist das Ziel der Wiener Stadtwerke, 50 Prozent aller technischen Lehrstellen mit Frauen zu besetzen. Damit liegt das Unternehmen weit über dem österreichischen Durchschnitt: Aktuell sind nur etwa 16 Prozent der Lehrlinge in technischen Berufen weiblich. In der Elektrotechnik liegt der Frauenanteil sogar nur bei 8 Prozent.

Diese Unterrepräsentation hat historische und strukturelle Gründe. Traditionelle Rollenbilder, fehlende weibliche Vorbilder und mangelnde Aufklärung über Karrieremöglichkeiten halten viele junge Frauen davon ab, technische Berufe zu ergreifen. Dabei bieten gerade diese Bereiche hervorragende Zukunftsperspektiven: überdurchschnittliche Gehälter, sichere Arbeitsplätze und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Wiener Stadtwerke setzen daher auf gezielte Programme und Kooperationen, um Frauen für die Technik zu begeistern. Mentoring-Programme, spezielle Workshops und Schnuppertage sollen Berührungsängste abbauen und die Vielfalt der technischen Berufe aufzeigen.

Moderne Ausbildung mit Zukunftsperspektive

Die Ausbildung bei den Wiener Stadtwerken unterscheidet sich deutlich von traditionellen Lehrmodellen. Moderne Ausbildungszentren mit neuester Technologie, digitale Lernplattformen und praxisnahe Projekte prägen die dreijährige Lehrzeit. Zusatzqualifikationen in Bereichen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit bereiten die Lehrlinge auf die Arbeitswelt von morgen vor.

Besonders attraktiv ist die Möglichkeit zur berufsbegleitenden Matura. Diese öffnet den Weg zu weiterführenden Studien und höheren Positionen im Unternehmen. Die hohe Übernahmequote von 80 Prozent zeigt, dass die Investition in die Ausbildung auch langfristig geschätzt wird.

Konkrete Auswirkungen für Wiens Zukunft

Die heute ausgebildeten Lehrlinge werden die Infrastruktur Wiens der nächsten Jahrzehnte prägen. Sie werden an der Umsetzung der Smart City-Strategie mitarbeiten, den Ausbau der Elektromobilität vorantreiben und die Energieversorgung klimaneutral gestalten. Wien hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden – ein ehrgeiziger Plan, der ohne hervorragend ausgebildete Fachkräfte nicht umsetzbar ist.

Konkret bedeutet das: Die heutigen Elektrotechnik-Lehrlinge werden in wenigen Jahren Photovoltaikanlagen installieren, Batteriespeicher warten und intelligente Stromnetze steuern. Die Gleisbautechniker werden neue U-Bahn-Linien errichten und bestehende Strecken für autonom fahrende Züge adaptieren. Die Konstrukteure werden innovative Lösungen für nachhaltige Mobilität und Energieversorgung entwickeln.

Wirtschaftliche Bedeutung für Wien

Die Wiener Stadtwerke sind nicht nur Arbeitgeber, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Wien. Mit 19.000 Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatz von über 3,5 Milliarden Euro prägt der Konzern die Wiener Wirtschaftslandschaft maßgeblich. Die Investitionen in die Lehrlingsausbildung strahlen dabei weit über das Unternehmen hinaus.

Studien zeigen, dass jeder ausgebildete Lehrling einen volkswirtschaftlichen Nutzen von etwa 200.000 Euro über sein gesamtes Berufsleben generiert. Bei 700 Lehrlingen entspricht das einem Gesamtnutzen von 140 Millionen Euro – eine beachtliche Investition in die Zukunft Wiens.

Bewerbungsprozess und Zukunftschancen

Interessierte können sich noch bis Ende Februar 2026 für die drei offenen Lehrberufe bewerben. Der Auswahlprozess umfasst Eignungstests, Bewerbungsgespräche und praktische Übungen. Dabei stehen nicht nur fachliche Kenntnisse im Fokus, sondern auch soziale Kompetenzen und die Motivation für den gewählten Beruf.

"Eine technische Lehre bei den Wiener Stadtwerken ist kein Plan B, sondern ein direkter Einstieg in stabile, sinnstiftende und gefragte Berufe mit vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten", erklärt Benjamin Rödig, Leiter des Zentralen Lehrlingsmanagements. Diese Aussage unterstreicht den Paradigmenwechsel in der Wahrnehmung der Lehre – weg vom "Bildungsweg für Schulversager" hin zu einer gleichwertigen Alternative zum akademischen Studium.

Die Aussichten für Absolventen sind exzellent. Neben der hohen Übernahmequote bieten sich auch außerhalb des Konzerns beste Karrierechancen. Fachkräfte in den drei offenen Lehrberufen können mit Einstiegsgehältern zwischen 2.800 und 3.200 Euro rechnen – deutlich über dem österreichischen Durchschnitt.

Wer eine der letzten drei Lehrstellen bei den Wiener Stadtwerken ergattern möchte, sollte nicht mehr lange zögern. Die hohe Nachfrage zeigt: Die Zukunft gehört jenen, die heute in die richtigen Fähigkeiten investieren. Und diese Zukunft ist bei den Wiener Stadtwerken bereits greifbar nahe.

Weitere Meldungen

OTS
Frauentag

Qualifizierungsoffensive soll Frauen am Arbeitsmarkt stärken

5. März 2026
Lesen
OTS
Lehre

Arbeitsmarkt zeigt zarten Aufschwung: 164.000 offene Stellen

2. März 2026
Lesen
OTS
Lehre

KI revolutioniert Hochschullehre: FERNFH diskutiert Zukunft

26. Feb. 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen