In der steirischen Hauptstadt Graz ist derzeit etwas Außergewöhnliches im Gange. Ein Projekt, das so manchen Eltern und ihren Kindern Hoffnung schenkt, hat die Stadt in den Fokus gerückt. Die Rede ist vom österreichweiten Mental-Health-Projekt „Gesund aus der Krise“, das in einer beispiellosen Aktio
In der steirischen Hauptstadt Graz ist derzeit etwas Außergewöhnliches im Gange. Ein Projekt, das so manchen Eltern und ihren Kindern Hoffnung schenkt, hat die Stadt in den Fokus gerückt. Die Rede ist vom österreichweiten Mental-Health-Projekt „Gesund aus der Krise“, das in einer beispiellosen Aktion sofortige psychische Unterstützung für Kinder und Jugendliche anbietet. Doch was steckt hinter diesem Projekt, das als Antwort auf den tragischen Amoklauf in Graz ins Leben gerufen wurde?
Das Projekt „Gesund aus der Krise“ wurde im Jahr 2022 ins Leben gerufen und hat seitdem Tausenden Kindern und Jugendlichen geholfen. Ursprünglich als Reaktion auf die steigenden psychischen Belastungen durch die COVID-19-Pandemie gedacht, hat es sich zu einem wichtigen Bestandteil der psychischen Gesundheitsversorgung in Österreich entwickelt. Finanziert vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK), wird es vom Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) in enger Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) abgewickelt. Seit dem Frühjahr 2024 ist auch der Österreichische Berufsverband für Musiktherapie (ÖBM) Teil des Projekts.
Das Hauptziel von „Gesund aus der Krise“ ist es, betroffenen jungen Menschen und ihren Familien schnell beizustehen und psychische Stabilität zu schaffen. Das Projekt bietet eine Vielzahl von Unterstützungsmaßnahmen:
Mit über 100 Behandlern allein in Graz und Umgebung stellt das Projekt sicher, dass akute Krisentermine schnell verfügbar sind. Die Anmeldung erfolgt unkompliziert über die Webseite registrierung.gesundausderkrise.at.
Der Auslöser für die aktuelle Intensivierung des Projekts in Graz war ein tragischer Amoklauf, der die Stadt in Schock versetzt hat. In solch schweren Zeiten zeigt sich, wie wichtig funktionierende Strukturen sind, um Kindern und Jugendlichen schnell und effektiv helfen zu können. Die Präsidentin des BÖP, Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger, betont: „Wer sofort hilft, hilft doppelt. Nun zählt jede Stunde.“
Wenn von „psychischer Unterstützung“ die Rede ist, was bedeutet das eigentlich? Psychische Unterstützung kann eine Vielzahl von Interventionen umfassen, die darauf abzielen, das emotionale und psychische Wohlbefinden einer Person zu verbessern. Dazu gehören Gesprächstherapien, bei denen Kinder und Jugendliche ihre Ängste und Sorgen in einem sicheren Umfeld äußern können, sowie kognitive Verhaltenstherapien, die helfen, negative Denkmuster zu erkennen und zu ändern.
Seit seiner Gründung hat „Gesund aus der Krise“ bereits über 43.000 Kinder und Jugendliche in Krisensituationen begleitet. Die wissenschaftliche Evaluierung der Universität Innsbruck zeigt eindrucksvoll den Erfolg des Projekts: 95 Prozent der Klienten erzielten Fortschritte, wobei 55 Prozent gute bis sehr gute Fortschritte verzeichnen konnten. Diese Zahlen sprechen für sich und unterstreichen die Notwendigkeit und Wirksamkeit solcher Initiativen.
Während das Projekt österreichweit aktiv ist, zeigt die Situation in Graz, wie wichtig regionale Anpassungen und schnelle Reaktionen auf lokale Ereignisse sind. In Wien beispielsweise wird das Projekt ebenfalls gut angenommen, jedoch sind die Herausforderungen dort andere. Die Großstadt hat mit einer höheren Bevölkerungsdichte und damit verbundenen urbanen Problemen zu kämpfen, was andere Schwerpunkte in der psychischen Unterstützung erfordert.
Für die betroffenen Familien in Graz bedeutet das Projekt eine immense Erleichterung. Eltern, die sich bisher vielleicht hilflos fühlten, haben nun einen Ansprechpartner und können ihren Kindern die notwendige Unterstützung bieten. Die Möglichkeit, schnell und unkompliziert Hilfe zu bekommen, nimmt ihnen eine große Last ab und gibt ihnen die Chance, gemeinsam mit ihren Kindern an einer Lösung zu arbeiten.
Mag.a Barbara Haid, MSc, Präsidentin des ÖBVP und Kooperationspartnerin von „Gesund aus der Krise“, erklärt: „Es ist essentiell, dass wir in solchen Krisensituationen nicht nur auf die Symptome schauen, sondern auch die Ursachen angehen. Die Unterstützung, die wir bieten, ist deshalb ganzheitlich und berücksichtigt das Umfeld, in dem die Kinder und Jugendlichen leben.“
Das Projekt ist bis Juni 2025 finanziert, doch die Frage nach der Zukunft bleibt offen. Experten sind sich einig, dass solche Initiativen langfristig etabliert werden sollten, um nachhaltig positive Effekte zu erzielen. Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist ein Thema, das konstant Aufmerksamkeit und Ressourcen benötigt. Die Hoffnung ist, dass die Erfolge von „Gesund aus der Krise“ als Vorbild dienen und das Projekt über 2025 hinaus fortgeführt wird.
Zusammengefasst zeigt die aktuelle Situation in Graz, wie wichtig und effektiv sofortige psychische Unterstützung sein kann. Das Projekt „Gesund aus der Krise“ ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie durchdachte und schnell umgesetzte Maßnahmen das Leben von vielen jungen Menschen verbessern können. Es bleibt zu hoffen, dass solche Initiativen auch in Zukunft die notwendige Unterstützung und Finanzierung erhalten, um weiterhin erfolgreich zu sein.