Österreichs Volkshochschulen stehen am Scheideweg. Am 28. November 2025 haben sie eine klare Forderung an die Regierung gerichtet: Die gemeinnützige Erwachsenenbildung muss gestärkt werden. Diese Forderung kommt nicht von ungefähr. In einer Zeit, in der soziale Ungleichheiten zunehmen und der Bedarf
Österreichs Volkshochschulen stehen am Scheideweg. Am 28. November 2025 haben sie eine klare Forderung an die Regierung gerichtet: Die gemeinnützige Erwachsenenbildung muss gestärkt werden. Diese Forderung kommt nicht von ungefähr. In einer Zeit, in der soziale Ungleichheiten zunehmen und der Bedarf an Bildung für alle Altersgruppen wächst, ist die Rolle der Volkshochschulen wichtiger denn je. Diese Einrichtungen sind ein wesentlicher Bestandteil des österreichischen Bildungssystems, doch sie kämpfen mit finanziellen Engpässen und einer unzureichenden Anerkennung ihrer Bedeutung.
Die Erwachsenenbildung in Österreich hat eine lange Tradition. Bereits im 19. Jahrhundert wurden die ersten Volkshochschulen gegründet, um Bildung für alle zugänglich zu machen. Heute gibt es in Österreich über 10.000 Kursorte, die von 50.000 Lehrenden betreut werden. Jährlich nehmen rund 2,5 Millionen Menschen an Kursen teil, die von Sprachen über Kreativität bis hin zu beruflicher Weiterbildung reichen.
In den letzten Jahren hat die Erwachsenenbildung jedoch an Boden verloren. Trotz eines nationalen Ziels von 60 Prozent Weiterbildungsbeteiligung wird dieses nicht erreicht. Ein Grund dafür ist die chronische Unterfinanzierung der gemeinnützigen Bildungsanbieter. Besonders in den Regionen fehlt es an ausreichender Unterstützung. Während die gesamtstaatlichen Ausgaben für Bildung in den letzten 15 Jahren um über 75 Prozent gestiegen sind, profitieren die gemeinnützigen Erwachsenenbildungsbereiche kaum davon.
Ein Blick über die Grenzen zeigt: In Deutschland und der Schweiz ist die Erwachsenenbildung ebenfalls ein wichtiges Thema. Beide Länder haben Systeme, die die Weiterbildung fördern. In Deutschland gibt es beispielsweise die Bildungsprämie, die finanzielle Anreize für Weiterbildung schafft. In der Schweiz ist die Erwachsenenbildung stark in die berufliche Bildung integriert. Österreich kann von diesen Modellen lernen, insbesondere was die Finanzierung und die Integration in das Bildungssystem betrifft.
Die Auswirkungen der aktuellen Bildungspolitik sind vielfältig. Viele Erwachsene in Österreich haben Probleme mit Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Dies betrifft bis zu 1,7 Millionen Menschen. Die Volkshochschulen spielen eine entscheidende Rolle dabei, diesen Menschen Zugang zu Bildung zu verschaffen. Sie bieten Kurse ohne Zugangsvoraussetzungen an und erreichen so auch bildungsferne Schichten. Die fehlende Finanzierung gefährdet jedoch diese wichtige Arbeit.
Österreichs Volkshochschulen verzeichnen jährlich rund 700.000 Kursteilnahmen. Trotz dieser beeindruckenden Zahl wird das Potenzial der Erwachsenenbildung nicht voll ausgeschöpft. Die Investitionen in die Erwachsenenbildung sind im Vergleich zu anderen Bildungsbereichen gering. Dies zeigt sich auch in den regionalen Unterschieden: Während der Bund seine Förderzusagen einhält, fehlen in vielen Regionen die notwendigen Mittel.
John Evers, Generalsekretär des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen, betont die Notwendigkeit einer konsequenten Anwendung des Erwachsenenbildungsförderungsgesetzes auf alle Bereiche der Erwachsenenbildung. Er fordert eine stärkere finanzielle Unterstützung und eine Anerkennung der gemeinnützigen Arbeit der Volkshochschulen. Die Zukunft der Erwachsenenbildung in Österreich hängt von politischen Entscheidungen ab, die den sozialen Zusammenhalt und die gesellschaftliche Teilhabe fördern.
Die Volkshochschulen in Österreich sind bereit für den Wandel. Mit einem neuen Zwei-Jahresschwerpunkt wollen sie die Herausforderungen unserer Gesellschaft ansprechen. Von Gesundheit über Integration bis hin zur Digitalisierung – die Volkshochschulen bieten Antworten und Lösungen. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein für die Zukunft der Erwachsenenbildung in Österreich. Es liegt an der Politik, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um diese wichtige Bildungsform zu stärken und zu fördern.
Wie sehen Sie die Zukunft der Erwachsenenbildung in Österreich? Teilen Sie Ihre Meinung mit uns und erfahren Sie mehr über die geplanten Initiativen der Volkshochschulen in den kommenden Jahren.