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Lebensmittel nicht Schuld an Teuerung: Neue Zahlen entlasten Branche

Konsumerhebung zeigt: Wohnen und Energie größte Kostenfaktoren - Lebensmittelanteil sogar gesunken

5. März 2026 um 12:21
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Aktuelle Statistik Austria-Zahlen widerlegen Vorwurf der Preistreiberei bei Lebensmitteln. Bauernbund fordert faire Wertschöpfungsverteilung.

Die anhaltende Diskussion über steigende Lebenshaltungskosten in Österreich erhält durch neue Daten eine wichtige Wendung. Die aktuelle Konsumerhebung 2024/25 von Statistik Austria liefert überraschende Erkenntnisse über die tatsächlichen Preistreiber in österreichischen Haushalten - und entlastet dabei die oft kritisierte Lebensmittelbranche.

Wohnen dominiert Haushaltsausgaben deutlich

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Private Haushalte in Österreich geben durchschnittlich 4.170 Euro pro Monat aus. Den mit Abstand größten Anteil verschlingt dabei der Bereich Wohnen und Energie mit 26,4 Prozent der Gesamtausgaben. An zweiter Stelle folgt der Verkehrsbereich mit 13,6 Prozent. Lebensmittel und alkoholfreie Getränke machen hingegen nur 11,6 Prozent der monatlichen Ausgaben aus.

Diese Verteilung verdeutlicht, wo die tatsächlichen finanziellen Belastungen für österreichische Familien liegen. Während Wohnen und Energie mehr als ein Viertel des Haushaltsbudgets beanspruchen, entfällt auf Nahrungsmittel weniger als ein Achtel der Ausgaben.

Lebensmittelanteil ist sogar gesunken

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung im Zeitvergleich. Bauernbund-Präsident Georg Strasser verweist auf die Konsumerhebung von 2019/20, bei der der Anteil für Ernährung und alkoholfreie Getränke noch bei 12,1 Prozent lag. "Heute sind es 11,6 Prozent. Das heißt: Wir geben heute prozentuell weniger Geld für Lebensmittel aus als noch vor fünf Jahren", erklärt der Nationalratsabgeordnete.

Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, als sie in eine Zeit fällt, in der intensive Diskussionen über angeblich überhöhte Lebensmittelpreise geführt wurden. Die Daten zeigen, dass trotz aller medialen Aufmerksamkeit der relative Anteil der Lebensmittelausgaben am Gesamtbudget sogar rückläufig ist.

Österreich im EU-Vergleich sparsam bei Lebensmitteln

Im europäischen Vergleich nimmt Österreich eine besondere Position ein. "Österreich zählt im EU-Vergleich zu den Ländern, in denen ein besonders niedriger Anteil des Haushaltsbudgets für Lebensmittel ausgegeben wird. Nur Luxemburg und Irland liegen noch darunter", betont Strasser.

Diese Einordnung relativiert die heimische Preisdebatte erheblich. Während in anderen EU-Ländern teilweise deutlich höhere Anteile des Einkommens für Nahrungsmittel aufgewendet werden müssen, können sich österreichische Verbraucher vergleichsweise günstig ernähren.

Kritik am Dauerschnäppchenmentum

Der Bauernbund nutzt die neuen Zahlen auch, um seine Kampagne "Schleuderpreise stoppen" zu untermauern. Strasser kritisiert dabei nicht einzelne Aktionen des Handels, sondern grundsätzliche Marktmechanismen: "Uns stört nicht eine einzelne Aktion, sondern der Dauer-Aktionsmodus bei Grundnahrungsmitteln."

Das Problem sieht der Bauernbund-Präsident darin, dass Grundnahrungsmittel systematisch als Lockware eingesetzt werden. "Wenn Grundnahrungsmittel ständig als Lockware missbraucht werden, entsteht der Eindruck, dass hochwertige Lebensmittel keinen Wert haben", warnt Strasser vor den langfristigen Folgen dieser Praxis.

Wertschöpfung kommt nicht bei Produzenten an

Ein zentrales Argument der Bauernvertretung betrifft die Verteilung der Wertschöpfung entlang der Lieferkette. "Von 100 Euro, die wir für Lebensmittel ausgeben, kommen nur rund 4 Euro am Hof an", rechnet Strasser vor. Diese Zahlen verdeutlichen die komplexen Strukturen des Lebensmittelhandels, in denen Produzenten oft nur einen Bruchteil des Endpreises erhalten.

Die Forderung des Bauernbundes zielt daher nicht auf generell höhere Preise ab, sondern auf eine fairere Verteilung der Erlöse. "Es geht nicht darum, Lebensmittel pauschal zu verteuern. Es geht darum, die Wertschöpfung entlang der Kette fair zu verteilen", präzisiert Strasser die Position seiner Organisation.

Qualität hat ihren Preis

Der Bauernbund-Präsident appelliert auch an das Bewusstsein der Verbraucher für Qualität und regionale Wertschöpfung. "Wer heimische Qualität, kurze Wege und hohe Standards will, muss akzeptieren: Lebensmittel haben einen Wert. Und von dieser Wertschöpfung muss mehr dort ankommen, wo produziert wird."

Diese Argumentation zielt auf einen Bewusstseinswandel ab, der über den reinen Preis hinausgeht. Faktoren wie Umweltschutz, Tierwohl, regionale Wertschöpfung und kurze Transportwege sollen stärker in die Kaufentscheidungen einfließen.

Kampagne für faire Preise

Mit der Kampagne "Schleuderpreise stoppen" versucht der Österreichische Bauernbund, sowohl Bewusstsein zu schaffen als auch politischen Druck aufzubauen. Verbraucher können die Initiative durch Unterzeichnung einer Online-Petition unter schleuderpreise-stoppen.at unterstützen.

Die Kampagne zielt darauf ab, bäuerliche Familienbetriebe zu stärken und ihnen einen faireren Anteil an der Wertschöpfung zu sichern. Dabei geht es explizit nicht um Preiserhöhungen für Konsumenten, sondern um eine gerechtere Verteilung der Margen entlang der gesamten Lieferkette.

Politische Implikationen der Daten

Die neuen Zahlen der Konsumerhebung dürften auch politische Diskussionen beeinflussen. Während bisher oft über steigende Lebensmittelpreise als Hauptproblem der Teuerung debattiert wurde, rücken nun andere Bereiche in den Fokus. Wohnen und Energie als größte Kostenfaktoren könnten verstärkt politische Aufmerksamkeit erhalten.

Für die Agrarpolitik bedeuten die Daten eine wichtige Argumentationshilfe. Sie können dabei helfen, die Debatte zu versachlichen und den Fokus auf strukturelle Probleme der Wertschöpfungsverteilung zu lenken, anstatt pauschal über zu hohe Lebensmittelpreise zu diskutieren.

Ausblick und Herausforderungen

Die Konsumerhebung 2024/25 liefert wichtige Grundlagen für künftige politische und wirtschaftliche Entscheidungen. Sie zeigt, dass die oft emotional geführte Debatte über Lebensmittelpreise eine sachliche Basis braucht. Gleichzeitig unterstreicht sie die Notwendigkeit, andere Kostenbereiche wie Wohnen und Energie stärker in den Blick zu nehmen.

Für den Lebensmittelsektor bedeuten die Zahlen eine gewisse Entlastung von dem Vorwurf der Preistreiberei. Gleichzeitig verstärken sie aber auch den Druck auf eine fairere Gestaltung der Wertschöpfungsketten. Die Herausforderung besteht darin, hochwertige, regionale Produktion zu fördern, ohne die Verbraucher übermäßig zu belasten.

Schlagworte

#Lebensmittelpreise#Konsumerhebung#Statistik Austria#Bauernbund#Teuerung#Wohnen#Energie#Wertschöpfung

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