Zurück
OTS-MeldungKunst & Kultur/Gesellschaft/Jugend/Medien

20 Jahre CU media: Wiener Jugendfernsehen feiert Meilenstein

12. April 2026 um 08:33
Teilen:

Im Wiener Jugendzentrum 5erHaus herrschte am 11. April Feststimmung: Das medienpädagogische Projekt CU media feierte sein 20-jähriges Bestehen mit einem bunten Fest voller Musik, interaktiver Stati

Im Wiener Jugendzentrum 5erHaus herrschte am 11. April Feststimmung: Das medienpädagogische Projekt CU media feierte sein 20-jähriges Bestehen mit einem bunten Fest voller Musik, interaktiver Stationen und stolzer Rückblicke. Was 2004 als kleine Fernsehsendung für Jugendliche begann, hat sich zu einem der erfolgreichsten Medienprojekte Österreichs entwickelt. Über 263 Sendungen, mehr als 2.230 Beiträge und hunderte junge Medienmacher*innen – die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache über die Bedeutung dieses einzigartigen Projekts für die Wiener Jugendarbeit.

Von der ersten Sendung zum Multimedia-Projekt

Als 2004 die erste Sendung von CU television auf dem Community-Sender Okto ausgestrahlt wurde, war die Medienwelt noch eine völlig andere. VHS-Kassetten prägten den Alltag, Social Media war noch ein Fremdwort, und Jugendliche hatten kaum Möglichkeiten, ihre eigenen Inhalte zu produzieren und zu verbreiten. Das Team um Manuela Smertnik, Geschäftsführerin des Vereins Wiener Jugendzentren, erkannte jedoch bereits damals das Potenzial der Medienarbeit für die Jugendentwicklung.

"Ich begleite CU media seit den Anfängen und bin immer wieder beeindruckt, wie sich das Projekt gemeinsam mit den Jugendlichen weiterentwickelt", erklärt Smertnik. Diese kontinuierliche Weiterentwicklung zeigt sich besonders deutlich in der Umbenennung des Projekts im Jahr 2025: Aus CU television wurde CU media – ein Name, der die drei medienpädagogischen Säulen des Projekts widerspiegelt.

Die drei Säulen der modernen Medienarbeit

Das erweiterte CU media-Konzept umfasst heute drei zentrale Bereiche, die jeweils unterschiedliche Aspekte der modernen Medienlandschaft abdecken. CU television bildet weiterhin das Herzstück des Projekts: Die gleichnamige Sendung wird von Jugendlichen für Jugendliche produziert und alle vier Wochen sowohl auf dem Fernsehsender Okto als auch auf YouTube veröffentlicht. Diese duale Verbreitung spiegelt den Wandel im Medienkonsum wider – während traditionelles Fernsehen noch immer relevant ist, verschiebt sich der Fokus zunehmend auf digitale Plattformen.

Der Podcast #ICHsagdas stellt die zweite Säule dar und ermöglicht es Jugendlichen, niederschwellig zu verschiedenen Themen ihre Perspektiven einzubringen. Podcasts haben in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung erlebt und gelten als besonders authentisches Medium, das perfekt zur Zielgruppe junger Menschen passt. Die dritte Säule, CU social media, entwickelt gemeinsam mit Jugendlichen Kurzformate für Plattformen wie Instagram und TikTok – ein Bereich, der die Realität der heutigen Mediennutzung widerspiegelt.

Mehr als nur Medienproduktion: Persönlichkeitsentwicklung im Fokus

Die Geschichten der beteiligten Jugendlichen zeigen deutlich, dass CU media weit über reine Medienproduktion hinausgeht. Hassan, 19 Jahre alt und seit mehreren Jahren Teil der Jugendredaktion, betreute beim Jubiläum die Studio-Station und beschreibt seine Erfahrungen: "CU hat mir sehr geholfen, offen zu sein, sich vieles zu trauen und zu lernen. Ich liebe es Beiträge für die Sendung zu schneiden, zu moderieren und auch hinter der Kamera zu stehen."

Ähnlich erging es Zeynep, die heute 20 Jahre alt ist und sich noch gut an ihre ersten Schritte bei CU media erinnert: "Ich war sehr nervös und eine schüchterne Person, aber wegen den lieben Menschen hier und dem Anmoderieren vor der Kamera bin ich selbstbewusster geworden." Diese Transformation von Schüchternheit zu Selbstbewusstsein ist kein Einzelfall, sondern ein wiederkehrendes Muster bei vielen Teilnehmer*innen des Projekts.

Vielfalt als Programm

Jasmin, ebenfalls 19 Jahre alt, schätzt besonders die thematische Bandbreite des Projekts: "Wir machen verschiedene Beiträge, einmal sind wir bei der Pride, beim Frauen*lauf, dann sind wir bei der Comic-Con, es ist immer was anderes. Es bleibt immer spannend und lustig." Diese Vielfalt spiegelt nicht nur die Interessen der Jugendlichen wider, sondern vermittelt auch wichtige journalistische Grundsätze wie Objektivität und die Fähigkeit, sich schnell in neue Themenbereiche einzuarbeiten.

Professionelle Ausstattung als Grundlage für Qualität

Das medienpädagogische Projekt hat seine Basis im Jugendzentrum 5erHaus in der Grünwaldgasse im 5. Wiener Gemeindebezirk. Die technische Ausstattung kann sich durchaus mit professionellen Medienhäusern messen: Ein Greenscreen-Studio mit professionellem Lichtsetup, mehrere Schnittplätze sowie entsprechende Büroräumlichkeiten stehen zur Verfügung. Darüber hinaus können Jugendliche Equipment wie Kameras, Mikrofone und Stative für ihre eigenen Video- und Audioproduktionen ausleihen.

Diese professionelle Ausstattung ist entscheidend für die Qualität der produzierten Inhalte und vermittelt den Jugendlichen gleichzeitig einen realistischen Einblick in die Arbeitswelt der Medienbranche. Georg Rudolf und sein Team stehen dabei nicht nur als technische Unterstützung zur Verfügung, sondern fungieren auch als Mentor*innen und Ausbilder*innen.

Beeindruckende Erfolgsbilanz nach zwei Jahrzehnten

Die Zahlen des Projekts sprechen eine deutliche Sprache über dessen Erfolg und Reichweite. Über 263 Sendungen wurden in zwei Jahrzehnten produziert, mehr als 2.230 einzelne Beiträge entstanden, und insgesamt wurden über 240 Stunden Sendematerial geschaffen. Allein im Jahr 2025 erreichte das Projekt mehr als 1.400 Kontakte zu Zielgruppen – ein Indikator für die anhaltende Relevanz und Attraktivität des Angebots.

Besonders bemerkenswert ist, dass einige ehemalige CU-Jugendredakteur*innen tatsächlich in der Medienbranche Fuß gefasst haben, wie Marina Hanke, Obfrau des Vereins Wiener Jugendzentren, stolz berichtet. Dies zeigt, dass das Projekt nicht nur Freizeitbeschäftigung ist, sondern durchaus als Sprungbrett für eine berufliche Laufbahn fungieren kann.

Politische Würdigung und gesellschaftliche Bedeutung

Die gesellschaftliche Bedeutung von CU media wurde auch von politischer Seite gewürdigt. Gemeinderat Lukas Burian besuchte das Jubiläum in Vertretung von Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling und zeigte sich begeistert von den medienaffinen Jugendlichen: "CU media gibt Jugendlichen Tools und Methoden in die Hand, selbst die Medienwelt mitzugestalten und ihre eigene Lebenswelt sichtbar zu machen."

Diese Einschätzung trifft einen wichtigen gesellschaftlichen Nerv. In einer Zeit, in der digitale Medien unseren Alltag prägen, ist es von entscheidender Bedeutung, junge Menschen nicht nur als passive Konsument*innen zu betrachten, sondern sie zu aktiven Gestalter*innen zu machen. "Gerade in einer Zeit, in der digitale Medien unseren Alltag prägen, ist es besonders wichtig, junge Menschen dabei zu unterstützen, Medien nicht nur zu konsumieren, sondern kritisch zu hinterfragen und kreativ zu nutzen", betont Burian.

Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation

Der Begriff der Medienkompetenz umfasst verschiedene Fähigkeiten: das kritische Hinterfragen von Informationen, das Verstehen medialer Produktionsprozesse, die technischen Fertigkeiten zur eigenen Medienproduktion und nicht zuletzt die Fähigkeit zur reflektierten Nutzung verschiedener Medienformate. CU media vermittelt all diese Kompetenzen auf praktische und erlebnisorientierte Weise.

Im Vergleich zu anderen österreichischen Bundesländern nimmt Wien mit Projekten wie CU media eine Vorreiterrolle in der medienpädagogischen Jugendarbeit ein. Während in Deutschland ähnliche Projekte oft auf einzelne Medienhäuser oder Bildungseinrichtungen beschränkt sind, zeigt das Wiener Modell, wie systematische Medienarbeit in die offene Jugendarbeit integriert werden kann.

Kreative Jubiläumsfeier mit Bühnenprogramm und Interaktion

Das 20-jährige Jubiläum wurde mit einem abwechslungsreichen Programm gefeiert, das die gesamte Bandbreite von CU media widerspiegelte. Junge aufstrebende Künstler*innen wie Sängerin Mayaa und Rapperin Meduzza sorgten mit ihren Bühnenauftritten für Party-Stimmung, während Tanzauftritte von Jugendlichen das vielfältige Talent der Community unter Beweis stellten.

Besonders innovativ waren die interaktiven Stationen, die den Besucher*innen ermöglichten, selbst aktiv zu werden. An einer Virtual-Reality-Station konnten Gäste in digitale Welten eintauchen, an einer anderen Station die Jugendzentren-Podcasts #ICHsagdas via CD-Player anhören oder im Fernseh-Studio selbst vor der Kamera stehen und persönliche Glückwünsche aufnehmen. Diese Mischung aus Unterhaltung und Partizipation spiegelt den Grundgedanken von CU media wider: Medien nicht nur zu konsumieren, sondern selbst zu gestalten.

Instagram-Challenge als moderne Partizipationsform

Einen besonderen Höhepunkt bildete die Preisverleihung der "20 Jahre CU-Challenge", einer Instagram-Challenge mit dem Titel "A Day In My Life" – Jugendzentren Edition. Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren waren eingeladen, ihren Alltag und den Weg ins Jugendzentrum kreativ festzuhalten. Die zahlreichen eingereichten Videos und Fotos gaben vielfältige Einblicke in das Leben und die Aktivitäten in den Jugendzentren.

Die drei besten Beiträge wurden auf der Bühne ausgezeichnet, wobei die Preise – Bluetooth-Mikrofone und Kopfhörer – durchaus symbolischen Charakter hatten: Sie ermöglichen den Gewinner*innen, ihre eigenen medialen Aktivitäten fortzusetzen und weiterzuentwickeln. Die Jury bestand aus Mitgliedern der Jugendredaktion selbst, was dem partizipativen Ansatz des Projekts entspricht.

Die CU Jugendredaktion als Herzstück des Projekts

Die CU Jugendredaktion, betreut von Jugendarbeiter*innen des Jugendzentrums 5erHaus, bildet das organisatorische und kreative Zentrum von CU media. Sie besteht aus medieninteressierten Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren, die sich einmal im Monat treffen. Diese regelmäßigen Redaktionssitzungen sind weit mehr als nur Planungstreffen – sie sind Lernwerkstätten, in denen journalistische Grundlagen vermittelt, kreative Ideen entwickelt und technische Fertigkeiten erworben werden.

In diesen Sitzungen werden aktuelle Videoprojekte besprochen, neue Ideen für kommende Sendungen entwickelt und die Moderationen für die nächste Ausgabe von CU television vorbereitet und im Studio aufgezeichnet. Dieser Prozess vermittelt den Jugendlichen nicht nur technische Fertigkeiten, sondern auch wichtige Soft Skills wie Teamarbeit, Projektmanagement und Präsentationsfähigkeiten.

Niederschwelliger Zugang für alle Wiener Jugendlichen

Besonders bemerkenswert ist die Offenheit des Projekts: CU media steht allen interessierten Jugendlichen aus Wien zur Verfügung, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Bildungshintergrund oder ihren Vorerfahrungen im Medienbereich. Diese Niederschwelligkeit ist ein wichtiger Baustein für die Inklusion und Integration verschiedener Bevölkerungsgruppen.

Marina Hanke betont diesen Aspekt: "Besonders schön ist, dass CU media Jugendlichen aus ganz Wien offensteht und ihnen die Möglichkeit bietet, ihre Ideen einzubringen und Medienproduktion selbst auszuprobieren." Diese Öffnung für alle Interessierten entspricht dem Grundgedanken der offenen Jugendarbeit und macht das Projekt zu einem wichtigen Instrument der Chancengerechtigkeit.

Anpassung an die digitale Transformation

Die Entwicklung von CU media in den vergangenen zwei Jahrzehnten spiegelt paradigmatisch die digitale Transformation der Medienlandschaft wider. Während 2004 noch VHS-Kassetten und lineare Fernsehprogramme den Medienkonsum prägten, bestimmen heute Social Media Plattformen, Streaming-Dienste und interaktive Formate das Medienverhalten junger Menschen.

Das Projekt hat diese Entwicklung nicht nur mitgemacht, sondern aktiv mitgestaltet. Die Erweiterung um Podcast-Formate und Social Media Content zeigt, wie medienpädagogische Arbeit flexibel auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren kann, ohne dabei ihre Kernziele aus den Augen zu verlieren.

Community-Fernsehen als wichtiger Baustein

Die Kooperation mit dem Community-Sender Okto verdient besondere Beachtung. Community-Fernsehen unterscheidet sich grundlegend von kommerziellen Medienangeboten: Es ist nicht gewinnorientiert, sondern verfolgt das Ziel, lokalen Gruppen und Initiativen eine Plattform zu bieten. Für CU media bedeutet diese Partnerschaft nicht nur eine garantierte Ausstrahlungszeit, sondern auch die Möglichkeit, professionelle Sendestandards zu erlernen und umzusetzen.

Im Vergleich zu Deutschland, wo Community-Fernsehen weniger etabliert ist, oder der Schweiz, wo ähnliche Projekte oft stärker institutionell verankert sind, zeigt das österreichische Modell eine gelungene Balance zwischen professionellen Standards und partizipativer Medienarbeit.

Auswirkungen auf die Teilnehmer*innen: Mehr als nur Medienkompetenz

Die langfristigen Auswirkungen der Teilnahme an CU media gehen weit über die reine Medienkompetenz hinaus. Wie die Beispiele von Hassan, Jasmin und Zeynep zeigen, entwickeln die Jugendlichen wichtige soziale und persönliche Kompetenzen. Selbstbewusstsein, Teamfähigkeit, Kreativität und kritisches Denken werden gleichermaßen gefördert.

Diese ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung ist besonders in einer Zeit wichtig, in der junge Menschen verschiedenen gesellschaftlichen Herausforderungen gegenüberstehen. Die Möglichkeit, eigene Themen zu setzen, eigene Perspektiven zu entwickeln und diese einem größeren Publikum zu präsentieren, stärkt nicht nur das Selbstvertrauen, sondern auch das demokratische Bewusstsein.

Berufliche Perspektiven in der Medienbranche

Dass einige ehemalige Teilnehmer*innen tatsächlich in der Medienbranche Fuß gefasst haben, unterstreicht die Qualität der vermittelten Ausbildung. In einer Branche, die oft als schwer zugänglich gilt und in der persönliche Netzwerke eine große Rolle spielen, bietet CU media eine wertvolle Alternative zu traditionellen Ausbildungswegen.

Die praktische Erfahrung, die Jugendliche bei CU media sammeln, ist oft wertvoller als theoretische Ausbildung, da sie direkt an realen Projekten arbeiten und dabei alle Aspekte der Medienproduktion kennenlernen – von der Ideenentwicklung über die technische Umsetzung bis zur Verbreitung.

Gesellschaftliche Relevanz und Zukunftsperspektiven

In einer Zeit zunehmender Polarisierung und Desinformation gewinnen Projekte wie CU media besondere gesellschaftliche Relevanz. Sie vermitteln nicht nur technische Fertigkeiten, sondern auch kritisches Medienverständnis und ethische Grundsätze der Kommunikation. Die Teilnehmer*innen lernen nicht nur, wie man Medien produziert, sondern auch, welche Verantwortung mit der Verbreitung von Informationen verbunden ist.

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich CU media weiterentwickelt. Mit dem Aufkommen neuer Technologien wie Virtual Reality, Künstlicher Intelligenz und immersiven Medienformaten stehen neue Herausforderungen und Möglichkeiten vor der Tür. Die bisherige Geschichte des Projekts zeigt jedoch, dass es die Flexibilität und Innovationskraft besitzt, auch diese Entwicklungen erfolgreich zu meistern.

Das 20-jährige Jubiläum markiert somit nicht nur einen Rückblick auf Erreichtes, sondern auch den Aufbruch in eine neue Phase der medienpädagogischen Arbeit. Mit über 1.400 Kontakten im Jahr 2025 und einer stetig wachsenden Community zeigt CU media, dass lokale Medienprojekte auch in einer globalisierten Welt ihre Berechtigung und Bedeutung haben.

Für Wien und darüber hinaus für Österreich stellt CU media ein Vorzeigebeispiel dar, wie Jugendarbeit, Medienbildung und gesellschaftliche Teilhabe erfolgreich miteinander verbunden werden können. Die nächsten 20 Jahre versprechen ebenso spannend zu werden wie die vergangenen.

Weitere Meldungen

OTS
Kunst & Kultur

20 Jahre CU television: Medienprojekt der Wiener Jugendzentren

12. Apr. 2026
Lesen
OTS
Kunst & Kultur

Wien Museum übernimmt Nachlass der verstorbenen Fotografin Christine de Grancy

12. Apr. 2026
Lesen
OTS
Kunst & Kultur

Wien: Handgefertigte Taschen verbinden Kulturen und Geschichte

11. Apr. 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen