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ÖGB fordert mehr Gewaltschutz am Arbeitsplatz

Neue Initiative will Betriebe als Schutzräume vor häuslicher Gewalt etablieren

8. April 2026 um 10:31
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Der ÖGB startet eine Offensive gegen Gewalt am Arbeitsplatz. Betriebe sollen künftig bessere Präventionsmaßnahmen umsetzen.

Gewalt am Arbeitsplatz ist ein Problem, das längst nicht mehr nur körperliche Übergriffe zwischen Kolleginnen und Kollegen umfasst. Häusliche Gewalt macht vor der Eingangstür des Betriebs nicht halt und kann durch Stalking, Drohungen oder andere Formen der Einschüchterung den Arbeitsalltag Betroffener massiv beeinträchtigen. Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) nimmt dieses Problem ernst und fordert umfassende Präventionsmaßnahmen in den Unternehmen.

Betriebe als wichtige Schutzräume

"Häusliche Gewalt endet nicht an der Eingangstür in den Betrieb", betont ÖGB-Bundesfrauensekretärin Dorottya Kickinger anlässlich der Gewaltschutztagung "Tatort Arbeitsplatz - NED mit uns!". Diese Veranstaltung wurde gemeinsam vom ÖGB, den Gewerkschaften vida, GPA, GÖD, der Arbeiterkammer Wien sowie dem WEISSEN RING organisiert und rückt ein oft übersehenes Problem in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Beschäftigte können auch am Arbeitsplatz von den Auswirkungen häuslicher Gewalt betroffen sein. Dies manifestiert sich etwa durch Stalking am Arbeitsplatz, Drohungen per Telefon oder E-Mail während der Arbeitszeit oder andere Formen der Einschüchterung, die das private Umfeld in den beruflichen Alltag hineinträgt. Für Kickinger ist daher klar: "Deshalb braucht es klare Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen auch für solche Fälle in den Betrieben."

Konkrete Maßnahmen für mehr Sicherheit

Der ÖGB hat einen konkreten Maßnahmenkatalog entwickelt, der Betrieben dabei helfen soll, ein sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen. "Vieles lässt sich bereits mit einfachen Mitteln umsetzen", erklärt die Gewerkschafterin. "Wichtig ist vor allem, dass Gewalt und sexuelle Belästigung als Thema ernst genommen und offen angesprochen werden kann."

Fünf-Punkte-Programm für Unternehmen

Die Gewerkschaft empfiehlt Betrieben die Umsetzung folgender Maßnahmen:

  • Klare betriebliche Richtlinien: Unternehmen sollten eindeutige Regelwerke gegen Gewalt, Belästigung und Stalking etablieren, die allen Beschäftigten bekannt sind und konsequent durchgesetzt werden.
  • Geschulte Ansprechpersonen: Betriebsrätinnen und Betriebsräte, Personalvertreterinnen und Personalvertreter oder speziell ausgebildete Vertrauenspersonen sollten als erste Anlaufstelle für Betroffene zur Verfügung stehen.
  • Schulungen und Sensibilisierung: Sowohl Führungskräfte als auch die gesamte Belegschaft sollten regelmäßig über das Thema Gewaltprävention informiert und sensibilisiert werden.
  • Flexible Unterstützung: Betroffene benötigen oft praktische Hilfe wie flexible Arbeitszeiten, kurzfristige Freistellungen oder Anpassungen des Arbeitsplatzes, um ihre Situation zu verbessern.
  • Externe Vernetzung: Die Zusammenarbeit mit Beratungsstellen und Gewaltschutzeinrichtungen ermöglicht professionelle Hilfe für komplexere Fälle.

Rechtliche Verpflichtungen der Arbeitgeber

Kickinger macht deutlich, dass Gewaltprävention nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern auch rechtlich geboten ist: "Arbeitgeber sind verpflichtet, für Schutz und Prävention am Arbeitsplatz zu sorgen und entsprechende Maßnahmen zu setzen." Idealerweise sollte dies in Zusammenarbeit mit Präventivfachkräften, Arbeits- und Organisationspsychologinnen sowie dem Betriebsrat und den Beschäftigten erfolgen.

Für den ÖGB ist Gewaltprävention ein integraler Bestandteil einer modernen Arbeitswelt. Dazu gehören umfassende Information, klare Zuständigkeiten und eine Unternehmenskultur, die Gewalt in jeder Form konsequent ablehnt. "Betriebe können ein wichtiger Schutzraum sein", betont Kickinger. "Wenn Kolleginnen und Kollegen sowie Führungskräfte sensibilisiert sind und es klare Strukturen gibt, können Betroffene schneller Hilfe bekommen."

Projekt "Wege aus der Gewalt"

Die Gewerkschaftsfrauen des ÖGB engagieren sich bereits aktiv in der Gewaltprävention durch das Projekt "Wege aus der Gewalt – Aktiv gegen häusliche Gewalt mit Betriebsratsarbeit". Dieses Projekt zielt darauf ab, Betriebsrätinnen und Betriebsräte sowie Personalvertreterinnen und Personalvertreter zu schulen und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, um Betroffenen besser helfen zu können.

"Öffentliche Statements gegen häusliche Gewalt sind wichtig", erklärt Kickinger. "Entscheidend ist aber, Beschäftigten und besonders Führungskräften die Teilnahme an Gewaltpräventionsschulungen zu ermöglichen, um systematische Veränderungen setzen zu können." Das erworbene Wissen soll dann gemeinsam mit Betriebsrätinnen und Betriebsräten sowie Personalvertreterinnen und Personalvertretern in die Betriebe getragen werden.

Gesellschaftliche Dimension des Problems

Die Initiative des ÖGB kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt. Häusliche Gewalt ist nach wie vor ein weit verbreitetes Problem in Österreich, das alle gesellschaftlichen Schichten betrifft. Die Auswirkungen beschränken sich dabei nicht auf das private Umfeld, sondern können die Leistungsfähigkeit, das Wohlbefinden und die Sicherheit von Beschäftigten erheblich beeinträchtigen.

Unternehmen stehen oft hilflos vor solchen Situationen, da sie nicht wissen, wie sie angemessen reagieren sollen. Die vom ÖGB vorgeschlagenen Maßnahmen bieten einen praktischen Leitfaden, der sowohl den Betroffenen hilft als auch rechtliche Sicherheit für die Arbeitgeber schafft.

Ausblick und weitere Schritte

Die Gewaltschutztagung "Tatort Arbeitsplatz - NED mit uns!" markiert einen wichtigen Schritt in der Bewusstseinsbildung für dieses Thema. Die Zusammenarbeit zwischen ÖGB, den Fachgewerkschaften, der Arbeiterkammer Wien und dem WEISSEN RING zeigt, dass das Problem ernst genommen wird und gemeinsame Lösungsansätze entwickelt werden.

Für interessierte Betriebe und Personen stellt der ÖGB weiterführende Informationen zum Projekt "Wege aus der Gewalt" unter www.oegb.at/wege-aus-der-gewalt zur Verfügung. Dort finden sich praktische Handlungsanleitungen, Schulungsangebote und Kontakte zu Beratungsstellen.

Die Initiative des ÖGB zeigt, dass Gewaltprävention am Arbeitsplatz kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit ist. Betriebe, die frühzeitig präventive Maßnahmen ergreifen, schaffen nicht nur ein sichereres Arbeitsumfeld für ihre Beschäftigten, sondern können auch als Vorbilder für andere Unternehmen fungieren. In einer Zeit, in der Work-Life-Balance und das Wohlbefinden der Beschäftigten immer wichtiger werden, stellt die Gewaltprävention einen wesentlichen Baustein für eine moderne und verantwortungsvolle Unternehmensführung dar.

Schlagworte

#Gewaltprävention#Arbeitsplatz#ÖGB#Häusliche Gewalt#Betriebsrat

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