Österreicher vererben immer mehr für gemeinnützige Zwecke
2025 wurden in Österreich 122 Millionen Euro testamentarisch gespendet – ein neuer Höchstwert. Jeder neunte Spendeneuro stammt aus einem Testament.
Österreich erlebt einen bemerkenswerten Trend bei den Testamentsspenden: Im vergangenen Jahr wurden erstmals 122 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke vererbt – ein neuer Rekordwert. Diese Entwicklung zeigt, dass immer mehr Menschen über ihr Leben hinaus gesellschaftliche Verantwortung übernehmen wollen.
Laut einer aktuellen Hochrechnung des Fundraising Verband Austria stammt mittlerweile rund jeder neunte Spendeneuro aus einem Testament. Diese Zahlen verdeutlichen die wachsende Bedeutung dieser besonderen Form des Gebens in der österreichischen Spendenlandschaft.
"Testamentsspenden sind für unsere Arbeit von unschätzbarem Wert, weil sie langfristige Perspektiven ermöglichen", erklärt Reinhard Heiserer, Geschäftsführer der Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt. "Viele Menschen möchten mit ihrem Nachlass etwas Bleibendes schaffen. Diese Form des Gebens erlaubt es uns, nachhaltige Bildungs- und Entwicklungsprojekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche weltweit umzusetzen."
Die beeindruckende Entwicklung der Testamentsspenden ist kein Zufall: In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Aufkommen mehr als verdoppelt. Als Hauptgründe gelten der demografische Wandel sowie der Wunsch vieler Menschen, über ihr Leben hinaus positive Spuren zu hinterlassen.
Besonders häufig entscheiden sich kinderlose und alleinstehende Personen für diese Form der Unterstützung. "Wir erleben immer wieder, dass Menschen sehr bewusst entscheiden, ihr Vermögen für jene einzusetzen, die weniger Chancen im Leben haben", berichtet Heiserer. "Diese Form der Solidarität verdient größten Respekt und von Herzen ein großes Dankeschön. Denn sie wirkt weit über Generationen hinaus."
Als sichtbares Zeichen der Wertschätzung setzten die Mitgliedsorganisationen von "Vergissmeinnicht – Die Initiative für das gute Testament" am 8. April im Wiener Schlosspark Schönbrunn ein besonderes Zeichen. Durch das Pflanzen von Vergissmeinnicht-Blumen wurde traditionell den zahlreichen Testamentsspenderinnen und -spendern gedacht.
Zusätzlich verteilte Jugend Eine Welt gemeinsam mit anderen Vergissmeinnicht-Mitgliedern tausend Blumentöpfe mit Samen an die Bevölkerung. "Jede einzelne Testamentsspende lässt neue Projekte wachsen und trägt dazu bei, Zukunft zu schenken", so Heiserer. "Gerade in der Entwicklungszusammenarbeit bedeutet das konkret: Bildung, Schutz und Perspektiven für Kinder und Jugendliche, die sonst kaum Chancen hätten."
Trotz der steigenden Bedeutung von Testamentsspenden ist das Thema Vererben für viele Menschen noch immer mit Unsicherheiten verbunden. Eine besorgniserregende Statistik zeigt: Nur rund ein Drittel der über 40-Jährigen hat bereits ein Testament erstellt, während sich etwa die Hälfte unzureichend informiert fühlt.
Um diesem Informationsdefizit entgegenzuwirken, finden im Frühling wieder die "Wochen des guten Testaments" statt. Österreichweit bieten Notarinnen und Notare kostenlose Informationsveranstaltungen an, bei denen sie kompetent über alle Aspekte der vielfältigen Erbschaftsthemen informieren.
"Wir können nur dazu ermutigen, sich frühzeitig mit dem eigenen Testament auseinanderzusetzen", empfiehlt Heiserer. "Es schafft Klarheit für die eigenen Angehörigen und eröffnet gleichzeitig die Möglichkeit, mit einem Teil des Nachlasses nachhaltig Gutes zu bewirken."
Mit der Jugend Eine Welt-Gedenkstätte am Hietzinger Friedhof befindet sich ein besonderer Ort des Gedenkens mitten in Wien. Hier gedenkt die Organisation aller verstorbenen Testamentsspenderinnen, Förderer und Projektpartner.
Eine vom Tiroler Künstler Isidor Winkler geschaffene, lebensgroße Statue von Don Bosco zeigt den Jugendheiligen umringt von drei Kindern mit verschiedenen Symbolen:
Um diesen besonderen Ort erlebbar zu machen, lädt Jugend Eine Welt am 3. Juni 2026 zu einem geführten Rundgang über den Friedhof Hietzing ein. Die rund 90-minütige Führung verbindet die Besichtigung der Gedenkstätte mit einem Streifzug durch die österreichische Geschichte.
Dabei werden unter anderem die Gräber berühmter Persönlichkeiten wie Otto Wagner, Franz Grillparzer, Johann Strauss (Sohn) und Gustav Klimt besucht. Der Rundgang beginnt um 15:00 Uhr beim Haupteingang Tor 1 am Montecuccoliplatz und findet bei jedem Wetter (außer Starkregen) statt.
Für Entwicklungsorganisationen wie Jugend Eine Welt haben Testamentsspenden eine besondere Bedeutung. Sie ermöglichen langfristige Planungssicherheit und nachhaltige Projekte, die das Leben benachteiligter Kinder und Jugendlicher weltweit nachhaltig verbessern können.
Die Organisation ist langjähriges Mitglied von "Vergissmeinnicht – Die Initiative für das gute Testament" und sieht in der aktuellen Entwicklung ein starkes Zeichen gelebter Solidarität über das eigene Leben hinaus.
Interessierte können sich über Termine der Informationsveranstaltungen auf der Website www.jugendeinewelt.at/termine informieren. Für den Friedhofsrundgang am 3. Juni 2026 ist eine Anmeldung bis 27. Mai 2026 erforderlich – entweder via WhatsApp an 0664 / 88 59 38 36, per E-Mail an [email protected] oder telefonisch unter 01 / 879 07 07 – 0.
Weiterführende Informationen zum Thema Testamentsspenden finden sich unter www.jugendeinewelt.at/testament. Spenden an die Organisation sind steuerlich absetzbar.