Nach ergebnislosem Sonderlandtag lädt Umweltorganisation zu Informationsveranstaltung für betroffene Bevölkerung
Greenpeace zeigt sich enttäuscht über fehlende Sofortmaßnahmen nach dem Asbest-Sonderlandtag im Burgenland und fordert rasches Handeln zum Schutz von Kindern.
Die Asbestproblematik im Burgenland sorgt weiterhin für Spannungen zwischen Umweltschützern und der Landesregierung. Nach dem Sonderlandtag zum Thema Asbest zeigt sich die Umweltschutzorganisation Greenpeace enttäuscht über das Ausbleiben konkreter Maßnahmen. Die Organisation kritisiert, dass die betroffene Bevölkerung nach wie vor im Unklaren gelassen werde und kündigt eine eigene Informationsveranstaltung an.
Der Sonderlandtag, der sich mit der Asbestbelastung im Burgenland befasste, brachte nach Einschätzung von Greenpeace keine nennenswerten Fortschritte. Der beschlossene Abänderungsantrag enthalte keine neuen konkreten Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Besonders kritisch bewertet die Umweltorganisation, dass von den anwesenden Regierungsmitgliedern keine weiteren Daten oder Fakten präsentiert wurden.
Die bisherigen Schritte der Landesregierung beschränken sich laut Greenpeace auf zwei Bereiche: die als intransparent kritisierten Luftmessungen sowie die Forderung nach einer bundeseinheitlichen Regelung für den Umgang mit Asbest. Aus Sicht der Umweltschützer reichen diese Maßnahmen bei weitem nicht aus, um die Bevölkerung ausreichend zu schützen.
Herwig Schuster, Umweltchemiker bei Greenpeace Österreich, übt scharfe Kritik an der Vorgehensweise der Burgenländischen Landesregierung. Er wirft ihr vor, sich zu weigern, wichtige Sofortmaßnahmen insbesondere zum Schutz von Kindern umzusetzen. Die betroffene Bevölkerung werde weiter im Dunkeln gelassen, so Schuster.
Besondere Sorge bereiten den Umweltschützern Orte, an denen sich Kinder und Jugendliche regelmäßig aufhalten. Spielplätze und Skateparks stehen dabei im Fokus der Kritik. Nach Ansicht von Greenpeace dürfe man bei solchen sensiblen Bereichen kein Risiko eingehen und nicht auf weitere Untersuchungsergebnisse warten.
Ein weiterer Problembereich, den Greenpeace thematisiert, ist der Streusplitt auf den Straßen. Täglich rollen schwere Fahrzeuge über dieses Material, wodurch potenziell asbesthaltige Fasern freigesetzt werden könnten. Schuster betont, dass in diesem Bereich sofortiges Handeln erforderlich sei, um eine weitere Gefährdung der Bevölkerung zu verhindern.
Interessant ist der Vergleich mit der Privatwirtschaft: Während die Landesregierung nach Ansicht von Greenpeace zu zögerlich agiert, haben in den vergangenen Wochen mehrere betroffene Unternehmen eigenständig Maßnahmen ergriffen. Die ÖBB und die Asfinag werden als positive Beispiele genannt. Beide Unternehmen haben in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich den Asbest bereits gesichert oder fachgerecht entsorgt.
Dieser Umstand wirft Fragen auf, warum öffentliche Stellen nicht mit der gleichen Konsequenz und Geschwindigkeit handeln wie private Unternehmen, wenn es um den Schutz der Bevölkerung vor potenziell krebserregenden Asbestfasern geht.
Um die Menschen im Burgenland über die Risiken und Hintergründe der Asbestproblematik aufzuklären, hat Greenpeace eine eigene Informationsveranstaltung organisiert. Diese findet am Donnerstag, dem 19. Februar, um 18 Uhr im Kulturhaus Unterwart statt.
Die Veranstaltung soll den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit geben, sich aus erster Hand über die Gefahren von Asbest zu informieren und Fragen an Experten zu stellen. Greenpeace möchte damit die Informationslücke schließen, die nach Ansicht der Organisation durch die mangelnde Transparenz der Landesregierung entstanden ist.
Asbest ist ein natürlich vorkommendes Mineral, das aufgrund seiner hitzebeständigen und isolierenden Eigenschaften jahrzehntelang als Baustoff verwendet wurde. Die feinen Fasern können jedoch beim Einatmen tief in die Lunge eindringen und dort schwere Erkrankungen verursachen, darunter Lungenkrebs und das bösartige Mesotheliom.
Die Gefährlichkeit von Asbest wurde bereits in den 1970er Jahren wissenschaftlich nachgewiesen. In Österreich ist die Verwendung von Asbest seit 1990 verboten. Allerdings finden sich in älteren Gebäuden, aber auch in natürlichen Gesteinsformationen nach wie vor asbesthaltige Materialien, die bei unsachgemäßer Handhabung Fasern freisetzen können.
Kinder sind besonders gefährdet, da sich ihre Lungen noch im Entwicklungsstadium befinden und sie im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr Luft einatmen als Erwachsene. Zudem spielen Kinder häufig am Boden, wo sich abgesetzte Fasern konzentrieren können. Diese Faktoren erklären, warum Greenpeace besonderen Wert auf den Schutz von Spielplätzen und anderen Aufenthaltsorten für Kinder legt.
Greenpeace fordert von der Burgenländischen Landesregierung ein rasches und entschlossenes Handeln. Die Organisation verlangt transparente Kommunikation über Messergebnisse und Gefährdungspotenziale. Darüber hinaus sollen Sofortmaßnahmen an sensiblen Orten wie Spielplätzen, Schulen und Kindergärten umgesetzt werden.
Die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema sei wichtig, betont Greenpeace. Der Schutz der Bevölkerung müsse oberste Priorität haben und dürfe nicht bürokratischen oder politischen Erwägungen zum Opfer fallen. Die Umweltorganisation wird die weitere Entwicklung im Burgenland genau beobachten und bei Bedarf weitere Aktionen durchführen.
Es bleibt abzuwarten, ob die Kritik von Greenpeace und der öffentliche Druck zu einem Umdenken bei der Landesregierung führen werden. Die Forderung nach einer bundeseinheitlichen Regelung könnte langfristig zu einem besseren Schutz der Bevölkerung beitragen, ersetzt jedoch nicht die Notwendigkeit kurzfristiger Maßnahmen vor Ort.
Betroffene Bürgerinnen und Bürger, die sich über die Asbestproblematik informieren möchten, haben bei der Veranstaltung im Kulturhaus Unterwart die Gelegenheit, direkt mit Experten ins Gespräch zu kommen und ihre Fragen zu stellen.