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Asbestskandal im Burgenland: Höchste Belastung in Badersdorf gemessen

13. März 2026 um 05:17
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Im Burgenland sorgt eine neue Greenpeace-Analyse für Aufsehen: Erstmals wurden Staubabdruckproben und Pflanzentests durchgeführt, die eine alarmierende Asbestbelastung in der Region um den Steinbru...

Im Burgenland sorgt eine neue Greenpeace-Analyse für Aufsehen: Erstmals wurden Staubabdruckproben und Pflanzentests durchgeführt, die eine alarmierende Asbestbelastung in der Region um den Steinbruch Badersdorf belegen. Die Messwerte überschreiten kritische Grenzwerte deutlich und werfen Fragen zur Gesundheit der Anrainerinnen und Anrainer auf. Die Umweltorganisation fordert von der burgenländischen Landesregierung nun umfassende Sanierungsmaßnahmen und ein kostenloses Gesundheitsmonitoring für die betroffene Bevölkerung.

Rekordwerte bei Asbestmessung in Badersdorf

Die Ergebnisse der Greenpeace-Untersuchung sind besorgniserregend: Auf einem Gartenzaun in Badersdorf wurden 280 Asbestfasern pro Quadratzentimeter nachgewiesen – ein Wert, der als höchste gemessene Belastung in der gesamten Untersuchung gilt. Zum Vergleich: Bereits ab 100 Asbestfasern pro Quadratzentimeter wird eine Oberfläche als "deutlich mit Asbest belastet" eingestuft. Der in Badersdorf gemessene Wert liegt somit fast dreimal höher als dieser kritische Grenzwert.

Stefan Stadler, wissenschaftlicher Experte bei Greenpeace Österreich, zeigt sich alarmiert: "Die massive Asbestbelastung im weiteren Umkreis des Steinbruchs Badersdorfs zeigt, dass über die Luft unzählige Asbestfasern in die umliegenden Dörfer getragen wurden. Das ist höchst alarmierend für die betroffenen Anrainerinnen und Anrainer."

Was sind Staubabdruckproben?

Staubabdruckproben stellen eine revolutionäre Methode dar, um Asbestbelastung nachzuweisen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Luftmessungen, die nur eine Momentaufnahme der aktuellen Luftqualität liefern, dokumentieren diese speziellen Proben die langfristige Belastung von Oberflächen. Dabei wird ein transparenter Klebefilm auf verschiedene Oberflächen aufgebracht und anschließend im Labor auf Asbestfasern untersucht. Diese Methode kann zweifelsfrei belegen, ob und in welchem Ausmaß Asbestfasern über längere Zeiträume aus der Luft auf Oberflächen niedergesiedelt sind.

Der große Vorteil dieser Analysemethode liegt darin, dass sie eine historische Belastung aufzeigt. Während Luftmessungen von Wetterbedingungen, Wind und anderen temporären Faktoren beeinflusst werden, sammeln sich Asbestfasern über Wochen und Monate auf Oberflächen an. Dadurch entsteht ein aussagekräftiges Bild der tatsächlichen Langzeitbelastung in einem Gebiet.

Erschreckende Belastung bei Pflanzenproben

Noch alarmierender sind die Ergebnisse der Pflanzenanalysen: In unmittelbarer Nähe des Steinbruchs wurde in zwei Pflanzenproben ein Asbestanteil von bis zu fünf Prozent nachgewiesen. Diese Konzentration entspricht jener von asbesthaltigem Fliesenkleber, dessen Entfernung ausschließlich von Spezialfirmen unter strengsten Sicherheitsauflagen durchgeführt werden darf.

Die hohe Asbestkonzentration in den Pflanzen deutet darauf hin, dass die Fasern nicht nur oberflächlich auf die Vegetation gelangt sind, sondern teilweise auch von den Pflanzen aufgenommen wurden. Dies verstärkt die Befürchtungen über eine großflächige Kontamination der Umgebung und wirft Fragen zur Sicherheit der lokalen Nahrungsmittelproduktion auf.

Was ist Asbest und warum ist er so gefährlich?

Asbest bezeichnet eine Gruppe natürlich vorkommender Silikatminerale, die aufgrund ihrer feuerfesten und isolierenden Eigenschaften jahrzehntelang in der Bauindustrie verwendet wurden. Die Fasern sind mikroskopisch klein und können beim Einatmen in die Lunge gelangen, wo sie sich festsetzen und über Jahre hinweg zu schwerwiegenden Gesundheitsproblemen führen können.

Die Gefährlichkeit von Asbest liegt in seiner Unvergänglichkeit: Die Fasern lösen sich nicht auf und werden vom Körper nicht abgebaut. Sie können Asbestose (eine Vernarbung der Lunge), Lungenkrebs und Mesotheliom (einen seltenen, aber meist tödlichen Krebs des Rippenfells) verursachen. Besonders tückisch ist, dass zwischen der Exposition und dem Auftreten von Symptomen oft Jahrzehnte vergehen können.

In Österreich ist die Verwendung von Asbest seit 1990 verboten, dennoch finden sich in älteren Gebäuden noch immer asbesthaltige Materialien. Der aktuelle Fall in Badersdorf ist jedoch besonders problematisch, da es sich um eine großflächige Umweltkontamination handelt, die über die Luft verbreitet wurde.

Belastung auch in Oberwart nachgewiesen

Die Asbestproblematik beschränkt sich nicht auf Badersdorf: Auch in Oberwart wurden bedenkliche Messwerte festgestellt. Beim Eingang des Einkaufszentrums EO wurden 40 Asbestfasern pro Quadratzentimeter gemessen. Noch beunruhigender ist die Tatsache, dass in den Schottergärten am Parkplatz sowie vor der Hofer-Filiale und dem Burger King-Restaurant mit freiem Auge erkennbare Asbestbrocken gefunden wurden.

Die Supermarktkette Hofer reagierte umgehend auf die Greenpeace-Befunde und kündigte an, den betroffenen Schotter vorsorglich abdecken zu lassen. Dies zeigt, wie ernst die Situation eingeschätzt wird und unterstreicht die Notwendigkeit rascher Maßnahmen.

Besondere Situation im Krankenhaus Oberwart

Besonders brisant ist die Situation im Krankenhaus Oberwart, das laut Luftmessungen der burgenländischen Taskforce die höchste Asbestbelastung in der Außenluft aufwies. Greenpeace-Tests im Innenbereich der Klinik ergaben eine Belastung von zehn Asbestfasern pro Quadratzentimeter. Allerdings weisen die Experten darauf hin, dass diese Werte durch die strengen Hygienestandards und regelmäßige Reinigung in einem Krankenhaus beeinflusst sein könnten.

Die Tatsache, dass selbst in einem medizinischen Einrichtung, wo besonders vulnerable Menschen behandelt werden, Asbestfasern nachgewiesen wurden, verdeutlicht das Ausmaß der Kontamination und die Dringlichkeit von Gegenmaßnahmen.

Historischer Kontext der Asbestproblematik

Die Asbestproblematik im Burgenland ist nicht neu, hat aber in den letzten Monaten an Brisanz gewonnen. Bereits in den 1970er und 1980er Jahren war bekannt, dass in der Region asbesthaltige Materialien abgebaut und verarbeitet wurden. Der Steinbruch Badersdorf, der im Zentrum der aktuellen Diskussion steht, war über Jahrzehnte in Betrieb und hat vermutlich kontinuierlich Asbestpartikel freigesetzt.

In anderen österreichischen Bundesländern wurden ähnliche Probleme bereits früher erkannt und angegangen. So führte beispielsweise Kärnten bereits in den 1990er Jahren umfassende Sanierungsmaßnahmen in asbestbelasteten Gebieten durch. Niederösterreich etablierte ein systematisches Monitoring-System für ehemalige Asbestabbaugebiete.

International betrachtet steht Österreich vor ähnlichen Herausforderungen wie andere europäische Länder. In Deutschland wurden in den letzten Jahren mehrere Milliarden Euro für die Sanierung asbestbelasteter Gebiete investiert. Die Schweiz hat bereits in den 1980er Jahren ein nationales Asbestregister eingeführt und systematische Gesundheitsüberwachungsprogramme für exponierte Bevölkerungsgruppen aufgebaut.

Konkrete Auswirkungen auf die Bevölkerung

Für die etwa 1.200 Einwohnerinnen und Einwohner von Badersdorf und die umliegenden Gemeinden bedeuten diese Messergebnisse eine erhebliche Verunsicherung. Viele Familien fragen sich nun, ob ihre Kinder sicher im Freien spielen können oder ob Gartengemüse noch verzehrt werden kann. Hausbesitzer sind besorgt über eine mögliche Wertminderung ihrer Immobilien und fürchten hohe Sanierungskosten.

Besonders betroffen sind ältere Menschen, die bereits seit Jahrzehnten in der Region leben und einer langfristigen Asbestexposition ausgesetzt waren. Für sie ist das Risiko von asbestbedingten Erkrankungen besonders hoch, da zwischen der Exposition und dem Auftreten von Symptomen oft 20 bis 40 Jahre vergehen können.

Landwirte in der Region stehen vor der schwierigen Frage, ob ihre Produkte noch vermarktet werden können. Obwohl bisher keine direkten Untersuchungen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen vorliegen, könnte das Vertrauen der Verbraucher nachhaltig erschüttert werden.

Wirtschaftliche Folgen für die Region

Die Asbestbelastung hat auch wirtschaftliche Konsequenzen für das südliche Burgenland. Tourismus, der für die Region eine wichtige Einnahmequelle darstellt, könnte durch negative Schlagzeilen leiden. Unternehmen müssen möglicherweise kostspielige Sanierungsmaßnahmen durchführen, wie das Beispiel von Hofer zeigt.

Die Immobilienpreise in den betroffenen Gemeinden könnten sinken, was für Hausbesitzer erhebliche finanzielle Verluste bedeuten würde. Gleichzeitig entstehen der öffentlichen Hand hohe Kosten für Monitoring, Sanierung und Gesundheitsüberwachung.

Forderungen von Greenpeace an die Landesregierung

Greenpeace richtet konkrete Forderungen an die burgenländische Landesregierung: Die Steinbrüche müssen dauerhaft geschlossen bleiben, um weitere Asbestausbreitung zu verhindern. Alle Industrieanlagen und Gebäude in der Region müssen fachgerecht gereinigt werden, und asbestbelastetes Material – insbesondere Sand und Feinschotter – muss sicher abgedeckt oder entfernt werden.

Für die schwer belasteten Dörfer fordert die Umweltorganisation die Erstellung von detaillierten Sanierungskonzepten und ein regelmäßiges Monitoring auf Asbestfasern. Diese Überwachung sollte nicht nur einmalig erfolgen, sondern als kontinuierliches System etabliert werden, um die Entwicklung der Belastung zu verfolgen.

Gesundheitsmonitoring als zentrale Forderung

Besonders wichtig ist Greenpeace die Einrichtung eines freiwilligen und kostenlosen Gesundheitsmonitorings für die betroffene Bevölkerung. Dieses sollte analog zum vorgeschriebenen Monitoring für Menschen mit beruflicher Asbestexposition der AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) gestaltet werden.

Ein solches Programm würde regelmäßige medizinische Untersuchungen, insbesondere der Lunge, umfassen. Dadurch könnten asbestbedingte Erkrankungen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Für die Betroffenen würde dies nicht nur medizinische Sicherheit bedeuten, sondern auch rechtliche Klarheit für eventuelle Entschädigungsansprüche schaffen.

Vergleich mit anderen Bundesländern und internationalen Standards

Im Vergleich zu anderen österreichischen Bundesländern hinkt das Burgenland bei der systematischen Erfassung und Bekämpfung von Asbestbelastungen hinterher. Oberösterreich beispielsweise hat bereits seit 2010 ein umfassendes Asbestkataster, das alle bekannten asbestbelasteten Standorte erfasst und regelmäßig überwacht.

Steiermark führte nach ähnlichen Problemen in den frühen 2000er Jahren ein präventives Monitoring-System ein, das vierteljährliche Messungen in gefährdeten Gebieten vorsieht. Tirol investierte nach Asbestfunden in Innsbruck über 50 Millionen Euro in Sanierungsmaßnahmen und etablierte ein Frühwarnsystem für neue Belastungen.

International betrachtet gelten die Niederlande als Vorbild für den Umgang mit Asbestproblemen. Dort wurde bereits 2009 ein nationales Programm zur Asbestentfernung gestartet, das bis 2024 alle asbesthaltigen Dächer entfernen will. Deutschland investiert jährlich über eine Milliarde Euro in Asbestsanierung und hat strenge Grenzwerte für Asbestfasern in der Luft etabliert.

Rechtliche Aspekte und Haftungsfragen

Die aktuellen Befunde werfen komplexe rechtliche Fragen auf. Nach österreichischem Umweltrecht können Betroffene Schadenersatz von den Verursachern der Kontamination fordern. Allerdings ist die Beweisführung bei Asbestschäden aufgrund der langen Latenzzeit oft schwierig.

Die burgenländische Landesregierung steht unter Zugzwang, da sie nach dem Umweltinformationsgesetz verpflichtet ist, die Öffentlichkeit über Umweltrisiken zu informieren und Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Untätigkeit könnte zu Haftungsansprüchen führen, wenn in den kommenden Jahren asbestbedingte Erkrankungen auftreten.

Für Unternehmen wie Hofer, die auf kontaminierten Flächen tätig sind, besteht eine Verkehrssicherungspflicht. Sie müssen sicherstellen, dass von ihren Grundstücken keine Gefahr für Kunden und Mitarbeiter ausgeht.

Zukunftsperspektiven und notwendige Maßnahmen

Die nächsten Monate werden entscheidend für den Umgang mit der Asbestproblematik im Burgenland sein. Experten rechnen mit Sanierungskosten im zweistelligen Millionenbereich, die sich über mehrere Jahre erstrecken könnten. Ein systematischer Sanierungsplan müsste Prioritäten setzen: Zuerst sollten Bereiche mit der höchsten Belastung und dem größten Publikumsverkehr angegangen werden.

Mittelfristig wird es notwendig sein, ein permanentes Überwachungssystem zu etablieren. Dieses sollte nicht nur die bekannten Hotspots überwachen, sondern auch präventive Messungen in bisher untersuchten Gebieten durchführen. Die Kosten dafür werden auf etwa 2-3 Millionen Euro jährlich geschätzt.

Langfristig könnte die Asbestproblematik zu einer Neuausrichtung der Regionalentwicklung im südlichen Burgenland führen. Möglicherweise werden bestimmte Gebiete dauerhaft für bestimmte Nutzungen gesperrt, während andere durch aufwändige Sanierung wieder vollständig nutzbar gemacht werden können.

Die internationale Erfahrung zeigt, dass eine erfolgreiche Bewältigung von Asbestproblemen 10-15 Jahre dauern kann. Entscheidend ist jedoch der sofortige Beginn systematischer Maßnahmen. Jeder Tag der Untätigkeit bedeutet weitere potenzielle Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung und höhere Sanierungskosten in der Zukunft.

Die Greenpeace-Analyse hat ein Problem sichtbar gemacht, das vermutlich schon seit Jahrzehnten besteht. Nun liegt es an der Politik, mit Entschlossenheit und ausreichenden finanziellen Mitteln eine Lösung zu erarbeiten, die sowohl die Gesundheit der Bevölkerung schützt als auch die wirtschaftliche Entwicklung der Region ermöglicht. Die Zeit für halbherzige Maßnahmen ist vorbei – die Messwerte sprechen eine zu deutliche Sprache.

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