Salzburg wird zum Zentrum für moderne Drohnenabwehr - 2,5 Milliarden Euro für neue Systeme bis 2032
Verteidigungsministerin Tanner stellt Modernisierungsplan vor: Salzburg wird Zentrum der Drohnenabwehr, 36 neue Skyranger-Fahrzeuge geplant.
Das Österreichische Bundesheer steht vor einer der größten Modernisierungsoffensiven seiner jüngeren Geschichte. Im Rahmen des Aufbauplans "ÖBH2032+" investiert die Republik 2,5 Milliarden Euro in die Modernisierung der bodengebundenen Luftabwehr und Drohnenabwehr. Salzburg wird dabei eine Schlüsselrolle als neues Zentrum für elektronische Drohnenabwehr übernehmen.
Bei einem Pressegespräch in der Salzburger Schwarzenberg-Kaserne präsentierten Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler die weitreichenden Pläne für die Zukunft der österreichischen Luftstreitkräfte. "Die Mission Vorwärts zeigt Wirkung – der Aufbauplan ÖBH 2032+ wird weiter umgesetzt", erklärte Tanner. "Nach den Beschaffungen im Bereich der Luftfahrzeuge steht nun die bodengebundene Luftverteidigung im Zentrum."
Besonders der Standort Salzburg profitiert von den Modernisierungsplänen. "Salzburg wird zum Zentrum der elektronischen Drohnenabwehr und ein wichtiger Standort für Skyshield", betonte die Verteidigungsministerin. Der bisherige Verband "Luftraumüberwachung" entwickelt sich dabei mittelfristig zum Verband "Luftverteidigung" weiter.
Landeshauptfrau Edtstadler unterstrich die Bedeutung des Bundeslands für die nationale Sicherheit: "Salzburg ist das Herz und Hirn der Österreichischen Luftstreitkräfte. Schon heute laufen alle Informationen in der Einsatzzentrale in St. Johann zusammen, um die Luftraumüberwachung sicher zu stellen."
Die Modernisierung reagiert auf veränderte Bedrohungslagen in der modernen Kriegsführung. Drohnen aller Größenkategorien stellen heute eine ernsthafte Gefahr für die nationale Sicherheit dar. Das Bundesheer verfügt bereits über das System ELDRO (Elektronische Drohnenabwehr), das 2018 zum Schutz von Veranstaltungen der EU-Ratspräsidentschaft beschafft wurde. Dieses System ist beim Jägerbataillon 8 in Wals-Siezenheim stationiert, das künftig in Flugabwehrbataillon 8 umbenannt wird.
"Diese Fähigkeiten werden erweitert", kündigte Tanner an. Die bestehenden Systeme sollen zu "einem der modernsten kanonenbasierten Drohnen- beziehungsweise Flugabwehrsysteme weltweit" entwickelt werden.
Als ersten Schritt plant das Bundesheer die Verlängerung der Nutzungsdauer der bewährten 35mm Fliegerabwehrkanonen. Die vorhandenen Systeme werden dabei technisch aufgerüstet und modernisiert. Dieses Vorhaben soll bereits im ersten Quartal 2028 abgeschlossen werden.
Der zweite große Modernisierungsschritt umfasst die Beschaffung von 36 Skyranger-Gefechtsfahrzeugen bis 2030. Diese modernen Systeme stellen die Fähigkeit des Begleitschutzes im Bundesheer wieder her und können Munition bis zu einer Reichweite von 2,5 Kilometern verschießen. Zusätzlich sind sie mit der Fliegerabwehrlenkwaffe MISTRAL3 ausgerüstet.
Für eine effektive Drohnenabwehr sind drei Feuereinheiten speziell für Salzburg vorgesehen. Diese Systeme ergänzen die bereits vorhandenen Kapazitäten und schaffen eine lückenlose Abwehr gegen verschiedene Bedrohungen aus der Luft.
Die Salzburger Schwarzenberg-Kaserne wird zum zentralen Standort für das Skyshield-System ausgebaut. Dabei werden sowohl Kurzstrecken-Systeme mit einer Reichweite von bis zu 15 Kilometern als auch Systeme mittlerer Reichweite bis zu 50 Kilometern stationiert. Diese Kombination ermöglicht es, den österreichischen Luftraum "voll umfänglich zu sichern".
Mit 2,5 Milliarden Euro stellt die Modernisierung der Luftabwehr eine der größten Einzelinvestitionen in die österreichische Landesverteidigung dar. Die volle Einsatzbereitschaft aller neuen Systeme soll bis 2032 erreicht werden. Diese Investition unterstreicht die Bedeutung, die die österreichische Regierung der modernen Luftverteidigung beimisst.
"Sicherheit geht uns alle an", betonte Landeshauptfrau Edtstadler. "Ich bekenne mich dazu, das Bundesheer modern auszurüsten und den Wehrdienst zu verlängern, um den neuen Herausforderungen und Bedrohungen angemessen zu begegnen."
Die Aufwertung Salzburgs zum Zentrum der österreichischen Luftverteidigung bringt nicht nur militärische Vorteile, sondern stärkt auch den Standort wirtschaftlich. Die Ansiedlung hochmoderner Technologien und die Stationierung zusätzlicher Systeme schaffen Arbeitsplätze und ziehen Expertise an.
Bereits heute fungiert die Einsatzzentrale in St. Johann als neuralgischer Punkt der österreichischen Luftraumüberwachung. Mit der Erweiterung um die Drohnenabwehr-Kapazitäten wird diese Funktion noch weiter gestärkt.
Die Modernisierung folgt internationalen Standards und Trends in der Luftverteidigung. Drohnenbedrohungen haben in den letzten Jahren weltweit zugenommen, wie aktuelle Konflikte deutlich zeigen. Österreich reagiert mit seinem Modernisierungsplan auf diese veränderte Sicherheitslage und stellt sicher, dass die Luftverteidigung auch in Zukunft effektiv funktioniert.
Die Beschaffung der Skyranger-Systeme und die Modernisierung der bestehenden 35mm-Kanonen bringen das Bundesheer auf den neuesten Stand der Technik. Die Integration verschiedener Systeme – von elektronischer Drohnenabwehr über kanonenbasierte Systeme bis hin zu Lenkwaffen – schafft eine flexible und schlagkräftige Luftverteidigung.
Mit dem Jahr 2032 als Zielmarke für die vollständige Implementierung aller Systeme verfolgt das Bundesheer einen ehrgeizigen, aber realistischen Zeitplan. Die stufenweise Umsetzung ermöglicht es, bereits in den nächsten Jahren erste Verbesserungen zu realisieren, während gleichzeitig die großen strategischen Ziele verfolgt werden.
Die Transformation von der Luftraumüberwachung zur aktiven Luftverteidigung markiert einen Paradigmenwechsel in der österreichischen Sicherheitspolitik. Salzburg wird dabei nicht nur geografisch, sondern auch technologisch zum Herzstück der österreichischen Luftverteidigung.