
Hagen - Der internationale Biermarkt wird maßgeblich von zwei großen Brauereigiganten aus Belgien und den Niederlanden dominiert. Trotz der langen Biertradition in Deutschland und Österreich sowie des hohen Bierkonsums in osteuropäischen Ländern wie der Tschechischen Republik gehören keine deutschen
Der internationale Biermarkt wird maßgeblich von zwei großen Brauereigiganten aus Belgien und den Niederlanden dominiert. Trotz der langen Biertradition in Deutschland und Österreich sowie des hohen Bierkonsums in osteuropäischen Ländern wie der Tschechischen Republik gehören keine deutschen, österreichischen oder osteuropäischen Brauereien zu den größten der Welt. Überraschenderweise verzeichnet die Schweiz eine der höchsten Brauereidichten.
Als Reaktion auf die oft als „langweilig“ wahrgenommenen Standardbiere hat sich in den letzten Jahrzehnten global die Mikrobrauerei- und Craft-Bier-Szene rasant entwickelt. Außerhalb der USA, wo ihr Marktanteil über 20% liegt, ist dieser Anteil jedoch noch im einstelligen Bereich, was sich auch in den hohen Preisen widerspiegelt – vergleichbar mit denen von Wein.
Das Titelfoto zeigt den Autor bei der Besichtigung einer Craft-Brauerei mit Edelstahlbehältern, -Rohren und Industriearmaturen. Während Braukessel traditionell aus Kupfer gefertigt wurden, setzen Brauereien heute überwiegend auf Edelstahl – aufgrund seiner Langlebigkeit, hygienischen Vorteile und Korrosionsbeständigkeit. Zudem ist Edelstahl kosteneffizienter, was ihn sowohl für Großbrauereien als auch für kleine Craft-Brauereien zur bevorzugten Wahl macht.
Dieser Beitrag gibt einen Einblick in die Struktur des globalen Biermarktes, betrachtet aus der Perspektive eines Hobbykochs und Zulieferers der Chemie- und Lebensmittelindustrie, einschließlich Brauereitechnik wie Ventilkomponenten, Rohrverbindungen und Kesselteilen aus Edelstahl.
Die großen Getränkehersteller wie Nestlé, Pepsi, Coca-Cola, die ihre Schwerpunkte auf anderen Getränken wie Milchprodukten, Erfrischungsgetränken, Wasser oder Alcopops legen, sowie Diageo (u.a. Marke Guinness), das vor allem auf Spirituosen spezialisiert ist, zählen nicht zu den weltgrößten Brauereien. Die sieben weltgrößten Brauereien außerhalb Chinas sind – in Millionen Hektolitern im Jahr 2023, laut Wikipedia:
Die Dominanz dieser sieben Konzerne ist beeindruckend: Zusammen produzierten sie mehr als eine Milliarde Hektoliter Bier – mehr als die Hälfte des weltweiten Bierkonsums, nämlich 57%.
Neben den sieben führenden Großbrauereien hat sich auch China in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Akteur auf dem Biermarkt entwickelt, mit 2-3 großen Brauereien, die jedoch primär auf den lokalen Markt fokussiert sind und daher nicht in der Liste erscheinen. Einige dieser Brauereien haben jedoch bereits eine zunehmende internationale Präsenz und gewinnen zunehmend an Relevanz auf globaler Ebene (Beispielmarken: Tsingtao, Snow).
Japan wurde als asiatisches Land in der Liste genannt, weil die dortige Brauerei einige westliche Marken besitzt (z.B. Tyskie in Polen). Nach der türkischen Brauerei folgt mengenmäßig ein großer Sprung, bevor es mit der deutschen Oetker Gruppe (u.a. Radeberger, Jever) mit über 15 Millionen Hektolitern weitergeht. Warsteiner, ein deutsches Premiumbier und Hidden Champion im Sauerland, liegt bei „nur“ ca. 5 Millionen Hektolitern, gleichauf mit der Brau Union Österreich AG.
Belgien, das Land der Starkbiere, verfügt mit fast 3 Brauereien pro 100.000 Einwohner nicht über die höchste Brauereidichte Europas. Spitzenreiter ist die Schweiz mit rund 14 Brauereien pro 100.000 Einwohner, gefolgt von Tschechien (5,6), Slowenien (5,0), den Niederlanden (4,5) und Österreich (knapp 4,0). Deutschland liegt mit 1,8 hinter Belgien, gefolgt von Italien und Polen mit jeweils „nur“ rund 1,3. (Berechnungen basierend auf Daten aus Wikipedia und Statista, Stand 2022–2023).
Aktuelle Daten aus Großbritannien oder dem Vereinigten Königreich sind aktuell noch nicht verfügbar. Basierend auf älteren Quellen kann geschätzt werden, dass die Brauereidichte zwischen 3 und 4 Brauereien pro 100.000 Einwohner liegt, was sie im europäischen Vergleich zwischen Deutschland und Österreich positioniert.
Tschechien und Österreich fallen mit einem Pro-Kopf-Konsum von jährlich über 100 Litern Bier auf, gefolgt von Polen und Deutschland mit etwa 90 Litern (Tendenzen zuletzt fallend). Hinsichtlich der Gesamtzahl an Brauereien liegt überraschenderweise das „Weinland“ Frankreich mit über 2.500 Brauereien an der Spitze, nur gefolgt von Deutschland mit mehr als 1.500 Brauereien. Zum Vergleich: Österreich zählt etwa 350 Brauereien bei rund 9 Millionen Einwohnern.
Während die großen Akteure nach wie vor die globale Branche kontrollieren, hat in den letzten Jahren eine neue Welle von Craft-Brauereien an Bedeutung gewonnen. Ursprünglich in den 1960er Jahren in den USA als Reaktion auf die zunehmende Standardisierung der Bierarten entstanden, verbreitete sich die Bewegung später auch im Vereinigten Königreich und darüber hinaus und revitalisierte den Fokus auf Tradition und Innovation im handwerklichen Brauen.
Jeder dieser drei Meilensteine gilt in der Brauereiscene als wichtiger Impuls für die Entstehung der Craft-Bier-Szene, insbesondere in den USA.
Der eigentliche Boom begann anschließend in den 1980er und 1990er Jahren, als immer mehr kleine Brauereien gegründet wurden. Seit den 2000er Jahren hat sich das Wachstum noch weiter beschleunigt, insbesondere durch den weltweiten Trend zu handwerklich gebrauten Bieren. In Großbritannien brachte 2007 die Gründung von BrewDog in Schottland neuen Schwung in die Craft-Bier-Szene, was die Bewegung europaweit weiter beschleunigte.
Das deutsche Reinheitsgebot, das die Zutaten auf nur wenige beschränkt, hat dazu beigetragen, dass viele Biere als „langweilig“ oder geschmacklich zu einheitlich wahrgenommen werden – ein Umstand, der den Aufstieg der Craft-Bier-Bewegung begünstigte, auch in Ländern wie Frankreich. Auch Südafrika, mit seiner langen Brautradition, war in den letzten Jahrzehnten von in Massen produzierten Bieren dominiert. Seit den 2000er Jahren hat jedoch auch dort die Craft-Bier-Szene zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die Brautraditionen Südafrikas sind dabei stark von europäischen Stilen beeinflusst. Der vorliegende Beitrag basiert auf diesem aktuellen, aber kürzeren südafrikanischen Artikel des Autors:
The Rise of Craft Beer in Germany and South Africa: A Parallel Evolution.
Dieser Artikel ist Teil einer Informationsreihe über Schmiedeteile und Stahlanwendungen im Alltag, die vor einem Jahr mit den Beiträgen „Umformtechnik – Schmiedeteile überall“ und „Monel® – Ein faszinierender Werkstoff aus Nickel und Kupfer“ begann. Er ergänzt die Öffentlichkeitsarbeit des Industrieverbandes Massivumformung e.V., in der der Autor als aktives Mitglied engagiert ist. Hinweis: Die inhaltliche Verantwortung liegt beim Autor und nicht beim Verband.
Thomas Henneke hat Mathematik und Physik studiert und ist nach beruflichen Stationen in der Forschung und Bildung heute geschäftsführender Gesellschafter der KB Schmiedetechnik GmbH, einer hochzertifizierten Präzisionsschmiede im westdeutschen Sauerland, zwischen Solingen und Dortmund. Das Unternehmen hat sich auf die Kleinserienfertigung sicherheitsrelevanter Gesenkschmiedeteile im Gewichtsspektrum von 200 g bis 130 kg spezialisiert und verarbeitet sämtliche Stahlsorten, einschließlich Edel- und Duplexstähle wie z.B. F304, F316, F51, sowie Nickelbasislegierungen und Titan – insbesondere für Anwendungen in drucktragenden Systemen und korrosiven Umgebungen wie Chemieanlagen, Offshore und Schiffbau.
Weitere Informationen zu Fertigungsmöglichkeiten, Zertifizierungen und der maschinellen Ausstattung der KB Schmiedetechnik GmbH finden Sie auf drop-forge.com, dem Blog des Autors, in der Rubrik „Equipment“.