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Nowak verlässt Österreichische Akademie der Wissenschaften

26. März 2026 um 11:39
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Der amerikanische Mathematiker Martin Nowak hat seine Mitgliedschaft in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zurückgelegt. Damit kommt er einem möglichen Ausschluss durch das Ethi...

Der amerikanische Mathematiker Martin Nowak hat seine Mitgliedschaft in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zurückgelegt. Damit kommt er einem möglichen Ausschluss durch das Ethikkomitee der renommierten Institution zuvor. Der Harvard-Professor steht seit längerer Zeit wegen seiner Verbindungen zum verstorbenen Financier Jeffrey Epstein in der Kritik.

Hintergrund der Epstein-Affäre

Jeffrey Epstein war ein amerikanischer Financier, der 2019 in einem New Yorker Gefängnis unter ungeklärten Umständen starb. Er wartete dort auf seinen Prozess wegen Sexhandels mit Minderjährigen. Die sogenannten "Epstein Files" - eine Sammlung von Gerichtsdokumenten und Zeugenaussagen - wurden in den vergangenen Jahren schrittweise veröffentlicht und enthüllen ein weitreichendes Netzwerk aus Politikern, Geschäftsleuten und Wissenschaftlern, die mit Epstein in Verbindung standen.

Martin Nowak, Professor für Mathematik und Biologie an der Harvard University, erhielt zwischen 2003 und 2018 insgesamt rund 9,2 Millionen US-Dollar von Epsteins Stiftungen für seine Forschung. Diese Förderung erfolgte auch noch nach Epsteins erster Verurteilung wegen Prostitution mit Minderjährigen im Jahr 2008. Die Harvard University distanzierte sich bereits 2020 von Nowak und beendete die Zusammenarbeit mit ihm.

Rolle der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften ist die nationale Akademie Österreichs und fungiert als wichtiges Beratungsgremium für die Bundesregierung in wissenschaftlichen Fragen. Sie wurde 1847 gegründet und zählt heute rund 780 Mitglieder aus dem In- und Ausland. Die ÖAW erhält jährlich etwa 200 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln und betreibt 28 Institute mit über 1.700 Mitarbeitern.

Nowak war seit 2014 korrespondierendes Mitglied der ÖAW. Korrespondierende Mitglieder sind ausländische Wissenschaftler, die aufgrund ihrer besonderen Leistungen in die Akademie aufgenommen werden. Sie haben beratende Funktion, aber kein Stimmrecht bei Entscheidungen der Akademie.

Ethikkomitee und Prüfverfahren

Das Ethikkomitee der ÖAW wurde eingerichtet, um die Einhaltung wissenschaftlicher Standards und ethischer Grundsätze zu überwachen. Es kann Empfehlungen aussprechen und in schwerwiegenden Fällen auch den Ausschluss von Mitgliedern vorschlagen. Das Gremium prüft Vorwürfe wissenschaftlichen Fehlverhaltens oder andere Verstöße gegen die Statuten der Akademie.

Im Fall Nowak hatte das Ethikkomitee ein Prüfverfahren eingeleitet, um zu bewerten, ob seine Verbindungen zu Epstein mit den ethischen Standards der Akademie vereinbar sind. Durch seinen freiwilligen Rücktritt kam Nowak einer möglichen Entscheidung des Komitees zuvor.

Internationale Aufarbeitung der Epstein-Verbindungen

Die Aufarbeitung der Epstein-Affäre erfolgt international unterschiedlich intensiv. In Frankreich wurde tatsächlich eine Sondereinheit eingerichtet, die mögliche Verbindungen zu dem Netzwerk untersucht. Diese "Cellule Epstein" arbeitet unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Paris und koordiniert Ermittlungen zu französischen Bürgern, die in den veröffentlichten Dokumenten genannt werden.

Im Vereinigten Königreich forderten Parlamentsabgeordnete eine ähnliche Untersuchung, nachdem mehrere prominente Briten in den Epstein-Dokumenten erwähnt wurden. Die britischen Behörden haben nach eigenen Angaben bereits Akten aus den USA angefordert, um mögliche Straftaten zu prüfen.

Situation in anderen europäischen Ländern

Deutschland prüft ebenfalls Verbindungen deutscher Staatsbürger zu Epstein, allerdings ohne eine spezielle Sondereinheit einzurichten. Die Bundesanwaltschaft hat erklärt, dass sie relevante Informationen aus den USA erhalten und bewerten werde. In der Schweiz haben die Behörden bisher keine konkreten Ermittlungen eingeleitet, da keine spezifischen Vorwürfe gegen Schweizer Bürger bekannt wurden.

Die unterschiedliche Herangehensweise der europäischen Länder spiegelt auch verschiedene Rechtssysteme und Prioritäten wider. Während manche Länder proaktiv ermitteln, warten andere auf konkrete Hinweise oder offizielle Ersuchen aus den USA.

Politische Reaktionen in Österreich

Die FPÖ hatte in den vergangenen Wochen wiederholt die Entfernung Nowaks aus der ÖAW gefordert. Generalsekretär Michael Schnedlitz kritisierte das seiner Ansicht nach zögerliche Vorgehen der Akademie und forderte eine proaktivere Aufklärung möglicher österreichischer Verbindungen zum Epstein-Netzwerk.

Andere Parlamentsparteien äußerten sich bisher zurückhaltender zu dem Thema. Die ÖVP verwies auf die Unabhängigkeit der Akademie und die Notwendigkeit, rechtsstaatliche Verfahren abzuwarten. Die SPÖ forderte Transparenz bei der Aufklärung, ohne jedoch konkrete Maßnahmen zu benennen.

Rolle der Medien

Österreichische Medien berichteten in den vergangenen Monaten verstärkt über die Epstein-Verbindungen und die Rolle verschiedener Institutionen. Investigative Journalisten recherchierten zu möglichen österreichischen Bezügen in den veröffentlichten Dokumenten. Diese Berichterstattung trug zum öffentlichen Druck bei, der letztendlich zu Nowaks Rücktritt führte.

Die Pressefreiheit und investigativer Journalismus spielen eine wichtige Rolle bei der Aufklärung solcher komplexen Netzwerke. Medien können oft schneller agieren als behördliche Untersuchungen und somit den nötigen öffentlichen Druck erzeugen.

Wissenschaftliche Integrität und Forschungsfinanzierung

Der Fall Nowak wirft grundsätzliche Fragen zur Forschungsfinanzierung und wissenschaftlichen Integrität auf. Universitäten und Forschungseinrichtungen weltweit überprüfen ihre Richtlinien für die Annahme von Drittmitteln. Harvard entwickelte nach der Epstein-Affäre strengere Regeln für die Überprüfung von Förderern.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und andere europäische Förderorganisationen diskutieren ebenfalls schärfere Kontrollen. Dabei geht es um das Spannungsfeld zwischen der Unabhängigkeit der Forschung und der Notwendigkeit, ethische Standards einzuhalten.

Auswirkungen auf die Forschungslandschaft

Experten befürchten, dass übermäßige Kontrollen die Forschungsfreiheit einschränken könnten. Gleichzeitig betonen sie die Notwendigkeit, Wissenschaft vor Missbrauch durch zwielichtige Geldgeber zu schützen. Viele Institutionen entwickeln daher differenzierte Ansätze, die sowohl Transparenz als auch Forschungsfreiheit gewährleisten sollen.

Die österreichische Forschungslandschaft ist von diesem internationalen Trend nicht ausgenommen. Die ÖAW und andere Einrichtungen überprüfen ihre Verfahren zur Mitgliederauswahl und Drittmittelkontrolle.

Rechtliche Aspekte in Österreich

Aus rechtlicher Sicht stellt sich die Frage, welche österreichischen Gesetze auf mögliche Epstein-Verbindungen anwendbar wären. Das österreichische Strafrecht kennt verschiedene Tatbestände, die relevant sein könnten, darunter Menschenhandel, sexueller Missbrauch von Minderjährigen oder Geldwäsche.

Die Verjährungsfristen für solche Straftaten variieren je nach Schwere der Tat. Bei schweren Sexualdelikten gegen Minderjährige beginnt die Verjährung erst ab dem 28. Lebensjahr des Opfers. Dies könnte in manchen Fällen noch Ermittlungen ermöglichen.

Internationale Rechtshilfe

Österreich hat Abkommen über internationale Rechtshilfe mit den USA, die den Austausch von Beweismitteln und Informationen ermöglichen. Allerdings müssen österreichische Behörden zunächst konkrete Anhaltspunkte für Straftaten haben, um solche Ersuchen zu stellen.

Die Staatsanwaltschaft Wien erklärte auf Anfrage, dass derzeit keine konkreten Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit der Epstein-Affäre geführt würden. Dies könnte sich ändern, falls neue Erkenntnisse oder Hinweise auftauchen.

Zukunftsperspektiven und weitere Entwicklungen

Die Aufarbeitung der Epstein-Affäre wird wahrscheinlich noch Jahre dauern. Weitere Dokumente könnten veröffentlicht werden, und neue Zeugen könnten sich melden. Österreichische Institutionen müssen sich darauf einstellen, dass weitere Verbindungen aufgedeckt werden könnten.

Die ÖAW kündigte an, ihre internen Prozesse zu überprüfen und gegebenenfalls zu verschärfen. Dies betrifft sowohl die Auswahl neuer Mitglieder als auch den Umgang mit ethischen Problemen bei bestehenden Mitgliedern.

Präventive Maßnahmen

Experten empfehlen österreichischen Institutionen, präventive Maßnahmen zu entwickeln. Dazu gehören regelmäßige Überprüfungen von Mitgliedern und Partnern, transparente Finanzierungsstrukturen und klare ethische Richtlinien. Auch die Sensibilisierung für die Risiken problematischer Netzwerke sollte verstärkt werden.

Die internationale Vernetzung der Wissenschaft bringt viele Vorteile, aber auch Risiken mit sich. Österreichische Einrichtungen müssen lernen, diese Balance zu bewältigen, ohne ihre internationale Ausrichtung zu gefährden.

Gesellschaftliche Debatte über Eliten-Netzwerke

Der Fall Epstein hat eine breitere gesellschaftliche Debatte über die Macht und Verantwortung von Eliten ausgelöst. Kritiker sehen in solchen Netzwerken ein System gegenseitiger Protektion, das normale rechtliche und ethische Standards außer Kraft setzt. Befürworter internationaler Zusammenarbeit warnen vor Pauschalverurteilungen und betonen die Wichtigkeit differenzierter Betrachtung.

Diese Debatte erreicht auch Österreich und könnte langfristige Auswirkungen auf das Vertrauen in wissenschaftliche und politische Institutionen haben. Transparenz und Rechenschaftspflicht werden zu zentralen Forderungen der Öffentlichkeit.

Der Rücktritt Martin Nowaks aus der Österreichischen Akademie der Wissenschaften markiert einen ersten Schritt in der österreichischen Aufarbeitung der Epstein-Verbindungen. Ob weitere Schritte folgen und wie umfassend die Aufklärung sein wird, hängt vom politischen Willen und dem öffentlichen Druck ab. Die internationale Dimension des Falls erfordert koordinierte Anstrengungen und könnte zu grundlegenden Reformen in der Art führen, wie wissenschaftliche und andere Institutionen ihre Mitglieder und Partner überprüfen.

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