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ORF Radio Vorarlberg: Moderatoren laufen 12,4 km live on air

14. April 2026 um 12:36
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Am Donnerstag, 16. April 2026, wird in Vorarlberg Radio-Geschichte geschrieben: Dominic Dapré und Nicole Oberhauser von ORF Radio Vorarlberg werden ihre komplette Frühsendung „Guten Morgen Vorarlbe

Am Donnerstag, 16. April 2026, wird in Vorarlberg Radio-Geschichte geschrieben: Dominic Dapré und Nicole Oberhauser von ORF Radio Vorarlberg werden ihre komplette Frühsendung „Guten Morgen Vorarlberg" zu Fuß absolvieren. Das Moderatoren-Duo startet um 6.00 Uhr bei der Altacher Kirche und läuft live on air 12,4 Kilometer bis zum ORF-Landesfunkhaus in Dornbirn. Eine außergewöhnliche Aktion, die zeigen soll, dass Alternativen zum Auto durchaus machbar sind – selbst in einem autoaffinen Bundesland wie Vorarlberg.

Revolution im österreichischen Radiobetrieb

Diese Art der Live-Sendung ist in der österreichischen Radiolandschaft beispiellos. Während normalerweise Moderatoren gemütlich im Studio sitzen und ihre Sendungen abspulen, wagen Dapré und Oberhauser das Experiment einer kompletten „Walking-Show". Das bedeutet: Vier Stunden lang werden sie live moderieren, während sie zu Fuß unterwegs sind – inklusive Verkehrs- und Wetterservice, Musik und Interaktion mit Hörern.

Der Hintergrund dieser ungewöhnlichen Aktion liegt in der aktuellen Diskussion um Mobilität und Umweltbewusstsein. Auch wenn die Spritpreise mittlerweile wieder gesunken sind, bleibt die Suche nach nachhaltigen Alternativen zum Auto ein wichtiges Thema. Gerade in Vorarlberg, wo das Auto traditionell als unverzichtbar gilt, möchten die beiden Moderatoren beweisen, dass es auch anders geht.

Die Technik macht's möglich

Für eine Live-Radiosendung während eines 12,4-Kilometer-Marsches bedarf es ausgeklügelter Technik. Mobile Übertragungsgeräte ermöglichen es den Moderatoren, kontinuierlich on air zu sein. Professionelle Mikrofone mit Windschutz sorgen dafür, dass die Audioqualität trotz Bewegung und Außengeräuschen stimmt. Backup-Systeme garantieren, dass bei technischen Problemen die Sendung nicht abbricht.

Von Altach nach Dornbirn: Eine geografische Herausforderung

Die gewählte Route von Altach nach Dornbirn führt über die Achstraße und Rudolf-Ems-Straße nach Hohenems, dann weiter übers Wallenmahd und die Hatlerstraße zum Rundfunkplatz. Diese Strecke entspricht genau der Entfernung, die im Vorarlberger Kulthit „Vo Mello bis ge Schoppornou" besungen wird – ein bewusst gewählter regionaler Bezug.

Altach, mit rund 7.000 Einwohnern eine der kleineren Gemeinden im Rheintal, liegt etwa 12 Kilometer südlich von Dornbirn. Der Weg führt durch drei Gemeinden und überwindet dabei etwa 50 Höhenmeter. Für geübte Fußgänger ist diese Distanz in rund 2,5 bis 3 Stunden zu schaffen – allerdings unter normalen Umständen, ohne gleichzeitig eine Radiosendung zu moderieren.

Vorarlbergs Verkehrssituation im Fokus

Vorarlberg gilt als eines der autoabhängigsten Bundesländer Österreichs. Der öffentliche Verkehr ist zwar gut ausgebaut, dennoch fahren viele Pendler täglich mit dem Auto zur Arbeit. Die Strecke Altach-Dornbirn ist eine der am stärksten befahrenen Pendlerrouten im Rheintal. Während der Hauptverkehrszeit kann diese Fahrt bis zu 45 Minuten dauern – zu Fuß benötigen die Moderatoren etwa drei Stunden.

Diese Aktion reiht sich in eine österreichweite Diskussion über nachhaltige Mobilität ein. Städte wie Wien setzen verstärkt auf Radverkehr und öffentliche Verkehrsmittel, während ländliche Regionen wie Vorarlberg noch stark vom Individualverkehr geprägt sind. Das Land Vorarlberg investiert jedoch zunehmend in den Ausbau des Radwegenetzes und die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs.

Live-Entertainment der besonderen Art

Das Konzept der „Sendung to go" bietet den Hörern völlig neue Erlebnisse. Erstmals können Radiohörer ihre Moderatoren live auf der Straße treffen und Teil der Sendung werden. Dapré und Oberhauser sind mit auffälligen Outfits und einer ORF-Fahne ausgestattet, damit sie bereits von Weitem erkennbar sind. Im Rucksack haben sie kleine Goodies dabei, die sie an Passanten verteilen können.

Diese Art der Hörer-Interaktion geht weit über das übliche Call-in-Format hinaus. Menschen können spontan zur Sendung beitragen, einen Coffee-to-go vorbeibringen oder einfach die Moderatoren anfeuern. Für das Radio bedeutet dies eine völlig neue Form der Bürgernähe und Authentizität.

Social Media Integration

Parallel zur Live-Übertragung wird die Aktion selbstverständlich auch über soziale Medien begleitet. Hörer können den Weg der Moderatoren in Echtzeit verfolgen, Fotos und Videos teilen und so eine Community rund um das Event schaffen. Diese crossmediale Verknüpfung entspricht den modernen Hörgewohnheiten und erweitert die Reichweite der Aktion erheblich.

Experteneinschätzungen zur Radioinnovation

Markus Klement, Landesdirektor ORF Vorarlberg, betont die Bedeutung des Zuhörens: „Wir hören den Menschen zu, was sie beschäftigt. Und wenn daraus im ORF Vorarlberg-Team so coole Ideen entstehen, dann gibt's nur eins: Tun. Das ist Radio für uns: ausprobieren, rausgehen und die Leute mitnehmen!"

Chefredakteurin Angelika Simma-Wallinger sieht in der Aktion die Verkörperung des Sendekonzepts: „Ein motiviertes Team, das frühmorgens zwölf Kilometer zu Fuß ins Radiostudio zurücklegt und dabei im Gehen live moderiert – genau das macht ‚Guten Morgen Vorarlberg' so frisch und sympathisch."

Die Moderatoren selbst zeigen sich kampfeslustig

Dominic Dapré und Nicole Oberhauser formulieren ihre Motivation so: „Tanken ist teuer, also zu Fuß zur Arbeit! Schaffen wir es innerhalb der Frühsendung von Altach nach Dornbirn? Herausforderung angenommen! Mit Rucksack und Mikro ausgerüstet freuen wir uns auf jede spontane Begegnung mit unseren Hörerinnen und Hörern on the road!"

Nachhaltigkeitsdebatte in Österreich

Die Aktion fügt sich in eine größere gesellschaftliche Diskussion über Nachhaltigkeit und Mobilität ein. Österreich hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt und möchte bis 2040 klimaneutral werden. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Verkehrswende. Der Verkehrssektor verursacht in Österreich etwa ein Drittel der CO2-Emissionen, davon entfällt der größte Teil auf den Straßenverkehr.

Initiativen wie „Österreich radelt" oder die autofreien Tage in verschiedenen Städten zeigen, dass das Bewusstsein für alternative Mobilität wächst. Allerdings sind die Herausforderungen in ländlichen Gebieten wie Vorarlberg größer als in urbanen Zentren. Längere Distanzen, weniger dichte Besiedlung und topografische Gegebenheiten machen das Auto oft zur praktischsten Option.

Vorarlbergs Sonderstellung

Vorarlberg nimmt in der österreichischen Mobilitätsdiskussion eine Sonderstellung ein. Das westlichste Bundesland ist geprägt von einer starken Industriestruktur, hoher Pendlermobilität und grenzüberschreitenden Verkehrsströmen in die Schweiz und nach Deutschland. Gleichzeitig ist Vorarlberg aber auch Vorreiter bei erneuerbaren Energien und Umwelttechnologien.

Das Land investiert kontinuierlich in nachhaltige Verkehrslösungen. Der Ausbau des S-Bahn-Systems, Radschnellwege und E-Mobilität stehen dabei im Fokus. Die Walking-Sendung von ORF Radio Vorarlberg kann als symbolischer Beitrag zu dieser Diskussion verstanden werden.

Mediengeschichte wird geschrieben

Diese Art der Radioproduktion ist nicht nur in Österreich, sondern auch international außergewöhnlich. Während Mobile Reporting im Fernsehen längst etabliert ist, bleiben Radiosendungen meist stationär. Live-Übertragungen finden normalerweise von Events oder festen Außenstandorten statt, nicht während einer mehrstündigen Wanderung.

Die Idee entstand spontan während einer regulären Sendung und zeigt, wie Kreativität und Mut zu Innovation entstehen können. In einer Zeit, in der traditionelle Medien unter Druck stehen und um Aufmerksamkeit kämpfen, setzen solche Aktionen wichtige Akzente für Authentizität und Bürgernähe.

Technische Herausforderungen meistern

Die technische Umsetzung einer vierstündigen Live-Sendung während eines Fußmarsches ist komplex. Mobile Sendeanlagen, stabile Internetverbindungen und Backup-Systeme müssen perfekt koordiniert werden. Wetterbedingungen, Verkehrslärm und die körperliche Anstrengung der Moderatoren sind weitere Faktoren, die die Sendung beeinflussen können.

Zukunftsperspektiven für das österreichische Radio

Diese innovative Sendung könnte Vorbild für andere Radiostationen in Österreich werden. Der ORF als öffentlich-rechtlicher Rundfunk hat den Auftrag, gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen und innovative Formate zu entwickeln. Die Walking-Show vereint Entertainment mit gesellschaftlichem Engagement und zeigt neue Wege für die Radiolandschaft auf.

Ähnliche Aktionen wären auch in anderen Bundesländern denkbar. Von Wien nach Baden, von Salzburg nach Hallein oder von Linz nach Wels – überall ließen sich vergleichbare Strecken finden, die sowohl machbar als auch symbolisch bedeutsam sind. Wichtig ist dabei immer der lokale Bezug und die Einbindung der Hörerschaft.

Die Aktion zeigt auch, wie sich traditionelle Medien neu erfinden können, ohne ihre Grundfunktion zu verlieren. Information, Service und Unterhaltung bleiben die Kernaufgaben des Radios – nur die Art der Präsentation wird revolutioniert. Ob sich solche Formate durchsetzen werden, hängt von der Resonanz der Hörer und dem Erfolg dieser Pilotaktion ab.

Am Donnerstagmorgen werden nicht nur zwei Moderatoren 12,4 Kilometer zu Fuß zurücklegen – sie werden auch ein Stück Radiogeschichte schreiben und vielleicht den Grundstein für eine neue Art der Bürgernähe im österreichischen Rundfunk legen.

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