Kontroverse Schnellstraßenplanung spaltet die Region - Öffentliche Diskussion am 26. Februar
Die geplante Traisental-Schnellstraße S34 erhitzt die Gemüter. Der ORF lädt zur öffentlichen Diskussion nach St. Georgen am Steinfelde.
Die Traisental-Schnellstraße S34 ist eines der umstrittensten Infrastrukturprojekte Niederösterreichs. Während Befürworter eine dringend benötigte Verkehrsentlastung sehen, warnen Kritiker vor massiven Umweltschäden. Der ORF Niederösterreich bringt nun alle Beteiligten an einen Tisch: Am 26. Februar 2026 findet in St. Georgen am Steinfelde eine öffentliche Diskussion im Rahmen des Formats "Ein Ort am Wort" statt.
Die geplante Traisental-Schnellstraße soll auf einer Länge von rund neun Kilometern von der Anschlussstelle B1 bei Hafing - einer Katastralgemeinde von St. Pölten - über den Knoten St. Pölten-West der Westautobahn (A1) bis nach Wilhelmsburg im Bezirk St. Pölten führen. Das Hauptziel der Asfinag ist die Entlastung der stark belasteten Mariazeller Straße (B20) sowie eine bessere Anbindung für Pendlerinnen, Pendler und den Güterverkehr.
Ein möglicher Baustart steht für 2029 im Raum - zumindest technisch wäre dies möglich, da für die S34 selbst bereits alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen. Doch so einfach ist die Sache nicht: Das Projekt hängt untrennbar mit der sogenannten "Spange Wörth" zusammen, einem Teilstück, das derzeit beim Europäischen Gerichtshof liegt.
Die Spange Wörth ist zum Stolperstein für das gesamte S34-Projekt geworden. Ohne dieses Teilstück wäre die Schnellstraße verkehrstechnisch nicht sinnvoll, weshalb das Verkehrsministerium eine klare Position bezogen hat: Ohne Bewilligung für die Spange Wörth wird auch die Traisental-Schnellstraße nicht gebaut.
Ende Februar soll eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes fallen - ein Termin, der die gesamte Projektentwicklung maßgeblich beeinflussen wird. Die rechtlichen Auseinandersetzungen zeigen, wie komplex und umstritten das Vorhaben ist.
Im Zentrum der Kritik steht der Naturschutz. Projektgegner argumentieren, dass durch die Spange Wörth wertvolle Naturräume zerstört würden. Diese Bedenken sind so gravierend, dass sie den Weg bis zum Europäischen Gerichtshof gefunden haben.
Auf der anderen Seite stehen die Verkehrsprobleme der Region. Die Mariazeller Straße (B20) ist bereits heute an ihrer Belastungsgrenze angelangt. Pendler klagen über tägliche Staus, der Güterverkehr sucht sich alternative Routen durch Wohngebiete, und die Luftbelastung in den betroffenen Gemeinden steigt kontinuierlich.
Befürworter des Projekts betonen die wirtschaftlichen Vorteile einer besseren Verkehrsanbindung. Unternehmen in der Region würden von kürzeren Transportwegen profitieren, neue Betriebsansiedlungen könnten gefördert werden, und die Attraktivität des Standorts Niederösterreich würde steigen.
Kritiker wenden dagegen ein, dass die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht stimme. Sie verweisen auf alternative Lösungen wie den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel oder gezielte Verbesserungen des bestehenden Straßennetzes.
Am 26. Februar wird "NÖ heute"-Moderator Werner Fetz eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde leiten. Mit dabei sind unter anderem:
Die Zusammensetzung der Diskutanten spiegelt die verschiedenen Interessenslagen wider: von der organisierten Bürgerkritik über die Wirtschaftsvertretung bis hin zur behördlichen Planung.
Besonders hervorzuheben ist der partizipative Charakter der Veranstaltung. Jede Bürgerin und jeder Bürger ist eingeladen, an der Diskussion teilzunehmen und ihre Meinung einzubringen. Dies unterstreicht die demokratische Relevanz des Themas und gibt der lokalen Bevölkerung eine Stimme in einem Projekt, das ihre Lebensqualität unmittelbar beeinflussen wird.
Die Veranstaltung findet im Gasthaus zum Kirchenwirt in St. Georgen am Steinfelde statt - einem Ort, der symbolisch für die ländliche Prägung der betroffenen Region steht. Reservierungen sind zwar nicht zwingend erforderlich, aber empfohlen.
Der ORF Niederösterreich sorgt für eine umfassende mediale Begleitung der Veranstaltung. Die Diskussion wird ab 19.30 Uhr live auf Radio NÖ übertragen und ist zusätzlich als Livestream auf ORF ON und sound.ORF.at verfügbar. Dies ermöglicht es auch jenen Interessierten, die nicht vor Ort sein können, die Debatte zu verfolgen.
Am Folgetag werden in sämtlichen Kanälen des ORF Niederösterreich Nachberichte ausgestrahlt, unter anderem auf noe.ORF.at. Diese umfassende Berichterstattung unterstreicht die gesellschaftliche Relevanz des Themas.
Die Diskussion in St. Georgen am Steinfelde kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Mit der anstehenden Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes zur Spange Wörth könnte sich die Zukunft des gesamten S34-Projekts entscheiden. Die Veranstaltung bietet daher eine wichtige Gelegenheit, alle Argumente noch einmal zu durchleuchten und der Öffentlichkeit eine fundierte Meinungsbildung zu ermöglichen.
Unabhängig vom Ausgang der rechtlichen Verfahren zeigt die Kontroverse um die S34, wie wichtig eine frühzeitige und umfassende Bürgerbeteiligung bei Großprojekten ist. Die Initiative des ORF, eine öffentliche Diskussionsplattform zu schaffen, ist ein wichtiger Beitrag zur demokratischen Kultur in Niederösterreich.
Die Veranstaltung "S34 – ja oder nein? Diskussion im Traisental" findet am Donnerstag, dem 26. Februar 2026, um 19.30 Uhr im Gasthaus zum Kirchenwirt (St. Georgener Hauptstraße 130, 3151 St. Georgen am Steinfelde) statt. Interessierte können sich unter der Telefonnummer +43 2742 88 52 89 anmelden.