Österreichs Ernährungsexperten schlagen Alarm: Während moderne Mahltechnologien Vollkornprodukte geschmacklich und textuell revolutioniert haben, konsumieren die meisten Menschen nach wie vor hauptsächlich nährstoffarme Weißmehlprodukte. Eine aktuelle Studie der HNO-Universitätsklinik Innsbruck zeigt drastische Defizite bei der Ballaststoffaufnahme junger Erwachsener – sie erreichen nur etwa die Hälfte der empfohlenen Tagesmenge.
Österreichs Ernährungsexperten verweisen darauf, dass moderne Mahltechnologien Vollkornprodukte geschmacklich und textuell verbessert haben, viele Menschen aber weiterhin hauptsächlich Weißmehlprodukte konsumieren. Eine Studie der HNO-Universitätsklinik Innsbruck zeigte in einer Untersuchung mit mehr als 800 jungen Erwachsenen, dass die durchschnittliche Ballaststoffaufnahme nur bei etwa der Hälfte der empfohlenen Menge von 30 g pro Tag lag.
Der gesundheitliche Mehrwert von Vollkorn hängt vor allem mit seinem hohen Gehalt an Ballaststoffen zusammen. Sie können vom menschlichen Körper nicht verdaut werden und gelangen weitgehend unverändert in den Dickdarm. Dort dienen sie den Darmbakterien als Nahrung, die daraus unter anderem kurzkettige Fettsäuren bilden und die Darmgesundheit unterstützen, da sie eine Energiequelle für die Zellen der Darmwand sind. Gleichzeitig quellen Ballaststoffe im Verdauungstrakt auf, erhöhen das Stuhlvolumen und regen die Darmtätigkeit an. Dadurch fördern sie eine geregelte Verdauung, sorgen für ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl und tragen dazu bei, den Anstieg des Blutzuckerspiegels nach einer Mahlzeit zu verlangsamen. Ballaststoffe als Bestandteil von Vollkorn senken zudem das Risiko für Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Dickdarmkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
In der Praxis bedeutet das: Wer häufiger zu Vollkornbrot, -nudeln oder -getreideflocken greift, kann die Ballaststoffzufuhr im Alltag merklich steigern. Lange Zeit galten Vollkornprodukte jedoch als intensiver im Geschmack, weshalb viele zu Weißmehlprodukten tendierten. Tatsächlich hat sich jedoch in der Mühlenwirtschaft und Lebensmitteltechnologie in den vergangenen Jahren viel weiterentwickelt. Moderne Mahlverfahren ermöglichen heute Vollkornprodukte mit verbesserter Textur und milderem Geschmack. Dadurch und aufgrund einer breiteren Produktpalette fällt der Einstieg leichter als noch vor einigen Jahren. Es lohnt sich, Vollkorn eine Chance zu geben und es über Brot, Nudeln oder Getreideflocken schrittweise zu implementieren. Schon kleine Veränderungen können langfristig gesundheitlich einen Unterschied machen.
Ein Getreidekorn besteht aus drei Hauptbestandteilen: dem Mehlkörper, der Kleie und dem Keim. Während bei raffiniertem Mehl vor allem der Mehlkörper verarbeitet wird, bleiben bei Vollkornprodukten alle drei Bestandteile des Korns im ursprünglichen Verhältnis erhalten. Dadurch enthält Vollkorn deutlich mehr Ballaststoffe, B-Vitamine, Mineralstoffe wie Eisen und Zink sowie sekundäre Pflanzenstoffe.
Eine interessante Zwischenlösung ist sogenanntes „Halbkorn“. Darunter versteht man Produkte, bei denen Vollkorn- und Weißmehlanteile kombiniert werden oder ein Teil der Randschichten des Korns enthalten bleibt. Solche Produkte verbinden eine mildere Geschmacksnote als Vollkorn mit einem höheren Ballaststoffgehalt als reine Weißmehlprodukte. Gerade für Menschen, die sich erst an den Geschmack von Vollkorn gewöhnen möchten, kann Halbkorn ein sinnvoller Einstieg sein. Auch wer vermehrt zu Roggenbrot statt Weizen- oder Mischbrot greift, kann seine Ballaststoffzufuhr auf einfache Weise deutlich erhöhen.
Quellen
Greier, M.d.C.; Dudas, J.; Greier, K.; Posch, M.; Hofauer, B.G.: Dietary Fiber Intake and Weight Status in Young Austrian Adults. Foods 2025, 14, 3863. https://doi.org/10.3390/foods14223863