Ärztekammer fordert politische Lösungen für gerechte Kostenverteilung
20 Prozent der Patienten in Wiener Krankenhäusern kommen aus anderen Bundesländern. Die Ärztekammer sieht Handlungsbedarf bei der Finanzierung.
Die Wiener Spitäler stehen vor einer besonderen Herausforderung: Etwa jeder fünfte Patient stammt nicht aus Wien, sondern aus anderen Bundesländern. Diese Zahlen hat die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien nun öffentlich gemacht und fordert politische Lösungen für eine gerechtere Verteilung der Kosten und Kapazitäten.
"Die Wiener Spitalsärztinnen und -ärzte leisten täglich Spitzenmedizin in der Hauptstadt. Sie versorgen nicht nur die Wiener Bevölkerung, denn etwa 20 Prozent der Patientinnen und Patienten kommen aus anderen Bundesländern, vor allem aus Niederösterreich und Burgenland", erklärt Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident der Wiener Ärztekammer und Obmann der Kurie angestellte Ärzte.
Diese Entwicklung hat sich in den letzten Jahren verstärkt. Laut Medienberichten ist sowohl der Anteil der Nicht-Wiener Patienten als auch die damit verbundenen Ausgaben deutlich gestiegen. Für die Wiener Krankenhäuser bedeutet dies eine erhebliche finanzielle Belastung, da sie Leistungen erbringen müssen, die nicht vollständig durch das eigene Bundesland refinanziert werden.
Um dieser Problematik zu begegnen, zeigt sich die Ärztekammer offen für neue Lösungsansätze. "Um eine gerechte Verteilung der Kapazitäten und Finanzmittel zu gewährleisten, ist der Idee einer Ostregion durchaus etwas abzugewinnen", so Maldonado-González. Eine solche Ostregion würde Wien, Niederösterreich und das Burgenland in einem gemeinsamen Gesundheitssystem zusammenfassen.
Der Vorschlag einer Ostregion ist nicht neu, aber angesichts der aktuellen Entwicklungen wieder verstärkt in die Diskussion gekommen. Eine solche Lösung könnte die Finanzierung und Planung der Gesundheitsversorgung in der Region auf eine breitere Basis stellen und gleichzeitig die Qualität der medizinischen Versorgung sicherstellen.
Trotz der finanziellen und organisatorischen Herausforderungen betont die Ärztekammer, dass das Patientenwohl oberste Priorität hat. "Rund um die aktuelle Debatte über Wiener Spitäler stellt die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien klar, dass an erster Stelle immer das Patientenwohl stehen muss", heißt es in der Stellungnahme.
Die Wiener Ärztinnen und Ärzte werden unabhängig von den politischen Diskussionen weiterhin alle Patienten bestmöglich versorgen, unabhängig davon, aus welchem Bundesland sie kommen. Diese professionelle Haltung verdient Anerkennung, bringt aber auch die Notwendigkeit mit sich, nachhaltige strukturelle Lösungen zu finden.
Die Ärztekammer fordert nun die verantwortlichen politischen Entscheidungsträger auf, aktiv zu werden. "Die verantwortlichen Stakeholder müssten sich an einen Tisch setzen und eine Lösung finden. Es darf keine weitere Verunsicherung in diesem sensiblen Bereich geben", mahnt Maldonado-González.
Diese Forderung nach politischer Klarstellung ist besonders wichtig, da Unsicherheiten im Gesundheitswesen schnell zu Qualitätsproblemen führen können. Ärzte, Pflegepersonal und andere Gesundheitsmitarbeiter benötigen klare Rahmenbedingungen, um ihre Arbeit optimal ausführen zu können.
Bei möglichen Gesprächen über eine Ostregion oder andere Lösungsmodelle bietet die Wiener Ärztekammer ihre fachliche Unterstützung an. "Wir arbeiten täglich in diesem System und können aus erster Hand berichten, was es braucht. Denn nur gemeinsam können wir eine adäquate Lösung für das Wohl unserer Patientinnen und Patienten finden", betont der Vizepräsident.
Diese Bereitschaft zur Mitarbeit ist wichtig, da strukturelle Reformen im Gesundheitswesen nur dann erfolgreich sein können, wenn sie die praktischen Erfahrungen der Mediziner einbeziehen. Die Ärztekammer verfügt über detaillierte Kenntnisse der aktuellen Abläufe und kann wertvolle Einblicke in die Bedürfnisse des Systems liefern.
Die aktuelle Situation zeigt auch, dass die bestehenden Finanzierungsmodelle im österreichischen Gesundheitswesen möglicherweise nicht mehr zeitgemäß sind. Wenn 20 Prozent der Patienten in Wiener Spitälern aus anderen Bundesländern kommen, entstehen Ungleichgewichte, die langfristig nicht tragbar sind.
Eine Reform könnte verschiedene Ansätze verfolgen: Von einer verbesserten länderübergreifenden Kostenabrechnung bis hin zu grundlegenden strukturellen Veränderungen wie der diskutierten Ostregion. Wichtig ist dabei, dass alle Beteiligten – Bund, Länder, Sozialversicherungen und Ärztekammern – an einem Strang ziehen.
Der hohe Anteil von Patienten aus anderen Bundesländern ist auch ein Indikator für die hohe Qualität der Wiener Spitäler. Die Hauptstadt verfügt über hochspezialisierte Zentren und modernste medizinische Ausstattung, die in kleineren Bundesländern nicht in gleichem Umfang vorhanden ist.
Diese Expertise und Infrastruktur sind ein wichtiger Standortvorteil für Wien und Österreich insgesamt. Es gilt daher, Lösungen zu finden, die diese Stärken erhalten und gleichzeitig eine faire Finanzierung sicherstellen.
Die Diskussion um die Finanzierung und Organisation der Gesundheitsversorgung in der Ostregion wird in den kommenden Monaten voraussichtlich intensiviert werden. Die Ärztekammer hat mit ihrer Stellungnahme einen wichtigen Impuls gesetzt und ihre Bereitschaft zur konstruktiven Mitarbeit signalisiert.
"Ein großes Dankeschön an alle Wiener Spitalsärztinnen und -ärzte, die unabhängig von den derzeitigen Diskussionen selbstverständlich alle, egal aus welchem Bundesland, weiterhin bestmöglich versorgen", würdigt Maldonado-González das Engagement der Mediziner.
Für Patienten bedeutet die aktuelle Diskussion zunächst keine Verschlechterung ihrer Versorgung. Die Wiener Spitäler werden weiterhin alle Patienten unabhängig von ihrer Herkunft behandeln. Langfristig könnten strukturelle Reformen sogar zu einer noch besseren und effizienteren Versorgung führen, wenn sie richtig umgesetzt werden.