Am 25. November 2025 verkündete Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann eine Qualitätsoffensive in der 24-Stunden-Betreuung, die in Österreich für rege Diskussionen sorgt. Die geplanten Maßnahmen zielen darauf ab, einheitliche Qualitätsstandards zu etablieren und die Frage der Finanzierun
Am 25. November 2025 verkündete Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann eine Qualitätsoffensive in der 24-Stunden-Betreuung, die in Österreich für rege Diskussionen sorgt. Die geplanten Maßnahmen zielen darauf ab, einheitliche Qualitätsstandards zu etablieren und die Frage der Finanzierung stärker zu beleuchten. Die Initiative vidaflex, die sich für die Interessen von Personenbetreuer:innen einsetzt, betont, dass eine Verbesserung der Qualität nur durch faire Bezahlung und besseren Zugang zu Ausbildung und Sprachkursen erreicht werden kann.
Die 24-Stunden-Betreuung ist ein wesentlicher Bestandteil des österreichischen Pflegesystems, das es älteren Menschen ermöglicht, in ihren eigenen vier Wänden zu bleiben. Doch die Bedingungen für die Betreuungskräfte sind oft prekär. Aktuell liegt die Förderung für zwei selbstständige Betreuungspersonen bei maximal 800 Euro pro Monat, während die Einkommensgrenze bei 2.500 Euro netto liegt. Diese Rahmenbedingungen stehen unter Druck, da die Lebenshaltungskosten und Anforderungen stetig steigen.
Die 24-Stunden-Betreuung hat sich in Österreich seit den 1990er Jahren etabliert, als die Nachfrage nach häuslicher Pflege stark anstieg. Ursprünglich als temporäre Lösung gedacht, wurde das Modell durch die steigende Zahl älterer Menschen und den Mangel an Pflegekräften zu einem festen Bestandteil des Pflegesystems. Die rechtlichen Rahmenbedingungen wurden 2007 mit dem Pflegegeldgesetz verbessert, das die finanzielle Unterstützung für pflegebedürftige Personen regelt. Dennoch bleiben viele Herausforderungen bestehen, insbesondere in Bezug auf die Arbeitsbedingungen der Betreuungskräfte.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz gibt es in Österreich spezifische Herausforderungen. Während Deutschland ein umfassendes Pflegesystem mit klaren gesetzlichen Regelungen hat, kämpft Österreich mit einem Flickenteppich an Regelungen und Förderungen. In der Schweiz ist die 24-Stunden-Betreuung weniger verbreitet, da dort vermehrt auf professionelle Pflegeeinrichtungen gesetzt wird. Diese Unterschiede zeigen, dass Österreich noch Handlungsbedarf hat, um die Betreuungskräfte besser zu unterstützen und die Qualität der Pflege zu sichern.
Die geplanten Änderungen in der 24-Stunden-Betreuung haben direkte Auswirkungen auf die betreuten Personen und ihre Familien. Höhere Qualitätsstandards bedeuten, dass Betreuungskräfte besser ausgebildet und bezahlt werden müssen. Dies könnte jedoch zu höheren Kosten für die Familien führen, die bereits finanzielle Belastungen tragen. Vidaflex betont, dass ohne angepasste Förderungen die Qualitätsdebatten ins Leere laufen, da Familien und Betreuungskräfte an ihre finanziellen Grenzen stoßen.
In Österreich sind derzeit über 60.000 Personenbetreuer:innen tätig, die eine wichtige Rolle im Pflegesystem spielen. Die Nachfrage nach 24-Stunden-Betreuung wächst stetig, da die Bevölkerung altert. Die aktuellen Förderungen decken jedoch oft nicht die tatsächlichen Kosten, was zu einer finanziellen Belastung für die Familien und einer prekären Situation für die Betreuungskräfte führt. Die Einführung einheitlicher Qualitätskriterien könnte helfen, diese Situation zu verbessern, setzt jedoch eine Anpassung der Fördermodelle voraus.
Die Zukunft der 24-Stunden-Betreuung in Österreich hängt stark von den geplanten Reformen ab. Vidaflex fordert, dass Betreuungskräfte in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden, um praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Die Anhebung der Förderbeträge und der Einkommensgrenzen könnte langfristig zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen führen. Zudem ist der systematische Zugang zu Aus- und Weiterbildung sowie Sprachkursen entscheidend, um die Qualität der Betreuung zu sichern und den Betreuungskräften eine Perspektive zu bieten.
Die Qualitätsoffensive in der 24-Stunden-Betreuung ist ein wichtiger Schritt, um die Bedingungen für Betreuungskräfte zu verbessern und die Qualität der Pflege zu sichern. Die Herausforderungen sind groß, doch mit gezielten Maßnahmen und einer fairen Finanzierung könnte Österreich ein Vorbild für andere Länder werden. Die Einbindung der Betreuungskräfte in die Reformprozesse ist dabei entscheidend, um nachhaltige Lösungen zu finden. Weitere Informationen und Entwicklungen zu diesem Thema finden Sie auf unserer Webseite.