Am 11. September 2025 tritt ein historisches Abkommen in Kraft, das die Arbeitswelt in Österreich revolutionieren könnte. Die Rede ist von der Ratifizierung der ILO-Konvention 190, einem internationalen Abkommen, das von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ins Leben gerufen wurde. Diese Ko
Am 11. September 2025 tritt ein historisches Abkommen in Kraft, das die Arbeitswelt in Österreich revolutionieren könnte. Die Rede ist von der Ratifizierung der ILO-Konvention 190, einem internationalen Abkommen, das von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ins Leben gerufen wurde. Diese Konvention fordert von ihren 187 Mitgliedstaaten, darunter auch Österreich, verstärkte Maßnahmen gegen Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt.
Für viele in der Arbeitswelt, insbesondere im Tourismussektor, ist dies ein entscheidender Fortschritt. Eva Eberhart, Fachbereichsvorsitzende für Tourismus der Gewerkschaft vida, hebt die Bedeutung der Konvention hervor: „Unsere Branche braucht diesen Schutz dringend. Die Umsetzung bietet eine wichtige Chance, unsere Arbeitsplätze sicherer und respektvoller zu gestalten.“
Die Notwendigkeit dieses Schrittes wird durch erschreckende Zahlen untermauert. Eine Studie der Arbeiterkammer Wien und der Gewerkschaft vida aus dem Jahr 2024 zeigt, dass rund 80 Prozent der befragten weiblichen Beschäftigten in der Wiener Gastronomie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erfahren haben.
Die Gastronomie ist bekannt für ihren hohen Druck und Stress. Doch oft bleibt im Verborgenen, dass diese Bedingungen zu einem Nährboden für Gewalt und Belästigung werden. In Restaurantküchen, hinter der Bar oder im direkten Gästekontakt herrscht oft extremer Zeitdruck. Bestellungen müssen schnell und effizient bearbeitet werden, was den Stresspegel in die Höhe treibt.
„Vielen Gästen fehlt es an Respekt“, erklärt Eberhart. „Kellnerinnen und Kellner müssen oft für Dinge herhalten, für die sie gar nichts können. Manchmal werden sie einfach nur beschimpft, wenn ein Gast einen schlechten Tag hat.“
Ein weiteres Konfliktfeld ist das boomende Geschäft mit Essenslieferungen. Hier entstehen nicht nur Spannungen zwischen Personal und Kunden, sondern auch zwischen Gastropersonal und Lieferanten. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie schnell die Situation eskalieren kann: Ein Essenslieferant, der sich über eine vermeintliche Verzögerung beschwerte, schrie das Personal an und beleidigte es in einer fremden Sprache, während andere Gäste schockiert zusahen.
Ein Arbeitsrechtsexperte kommentiert: „Die ILO-Konvention 190 ist ein wichtiger Schritt, um die Rechte der Arbeitnehmer zu stärken. Sie zwingt Arbeitgeber dazu, interne Leitlinien und Beschwerdemechanismen zu implementieren und Schulungen anzubieten.“
Die Hoffnung ist groß, dass diese Maßnahmen zu einem Kulturwandel in der Gastronomie führen. Arbeitgeber müssen aktiv werden und ihre Mitarbeiter schützen, um langfristig ein positives Arbeitsklima zu schaffen.
Österreich ist nicht das einzige Land, das gegen Gewalt am Arbeitsplatz vorgeht. In Deutschland gibt es ähnliche Bestrebungen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die Umsetzung der ILO-Konvention könnte als Vorbild für andere Länder dienen, die noch zögern.
In der Schweiz etwa wird die Diskussion über die Ratifizierung der Konvention noch geführt. Die Schweiz hat bisher gezögert, die Konvention zu ratifizieren, sieht sich jedoch wachsendem Druck von Arbeitnehmerverbänden gegenüber.
Für die Arbeitnehmer in Österreich bedeutet die Ratifizierung der ILO-Konvention 190 mehr Schutz und Sicherheit am Arbeitsplatz. Arbeitgeber sind nun verpflichtet, aktiv Maßnahmen gegen Gewalt und Belästigung zu ergreifen. Dies könnte zu einem Rückgang der Vorfälle führen, was die Arbeitsmoral und die allgemeine Zufriedenheit der Mitarbeiter steigern dürfte.
Für die Arbeitgeber hingegen bedeutet dies eine Verpflichtung, sich mit den Herausforderungen auseinanderzusetzen und ihre Arbeitsumgebung sicherer zu gestalten. Dies könnte zwar mit anfänglichen Kosten verbunden sein, langfristig jedoch zu einem besseren Arbeitsklima und einer höheren Mitarbeiterbindung führen.
Die Ratifizierung der ILO-Konvention 190 ist ein bedeutender Schritt für Österreich. Sie zeigt, dass das Land bereit ist, sich den Herausforderungen der modernen Arbeitswelt zu stellen und die Rechte der Arbeitnehmer zu stärken. Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, wie effektiv die Maßnahmen umgesetzt werden und welche Auswirkungen sie auf die Arbeitswelt haben werden.
Für viele ist dies ein Hoffnungsschimmer in einer Zeit, in der Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz leider noch immer Realität sind. Österreich hat einen mutigen Schritt getan – nun liegt es an den Arbeitgebern, diesen Weg weiterzugehen und für eine sichere und respektvolle Arbeitsumgebung zu sorgen.