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Emma Delaney wird neue OMV-Chefin: Erste Frau an der Spitze

10. April 2026 um 11:41
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Ein historischer Moment für Österreichs größten Energiekonzern: Emma Delaney wird die erste weibliche Geschäftsführerin in der 65-jährigen Geschichte der OMV. Die Nominierung der bisherigen BP-Mana...

Ein historischer Moment für Österreichs größten Energiekonzern: Emma Delaney wird die erste weibliche Geschäftsführerin in der 65-jährigen Geschichte der OMV. Die Nominierung der bisherigen BP-Managerin markiert einen strategischen Wendepunkt für das börsennotierte Unternehmen, das sich in einem der volatilsten Marktumfelder seit Jahrzehnten behaupten muss. Wirtschaftsminister Martin Hattmannsdorfer und ÖVP-Generalsekretär Christian Stocker sehen in dieser Personalentscheidung ein "starkes Signal" für die internationale Positionierung des österreichischen Energieriesen.

OMV als strategischer Pfeiler der österreichischen Wirtschaft

Die OMV AG ist weit mehr als nur ein Energieunternehmen – sie ist das Rückgrat der österreichischen Energieversorgung und einer der wichtigsten Wirtschaftsmotoren des Landes. Mit einem Jahresumsatz von rund 50 Milliarden Euro (2022) und über 20.000 Mitarbeitern weltweit gehört die OMV zu den größten börsennotierten Unternehmen Österreichs. Das Unternehmen ist in drei Hauptgeschäftsbereichen tätig: Upstream (Exploration und Förderung von Öl und Gas), Downstream (Raffinerien und Petrochemie) sowie Chemicals & Materials (Kunststoffe und chemische Grundstoffe).

Die strategische Bedeutung der OMV zeigt sich besonders in Krisenzeiten. Während der COVID-19-Pandemie und verstärkt seit dem Ukraine-Krieg fungiert das Unternehmen als stabilisierender Faktor für die österreichische Energiesicherheit. Rund 40% der heimischen Gasversorgung laufen über OMV-Infrastrukturen, was das Unternehmen zu einem systemrelevanten Akteur macht. Diese Rolle wird in Zeiten geopolitischer Spannungen und schwankender Energiepreise noch wichtiger.

Emma Delaney: Internationale Erfahrung für neue Herausforderungen

Emma Delaney bringt beeindruckende Referenzen mit an die Spitze der OMV. Als Executive Vice-President bei BP war sie für strategische Großprojekte in der Nordsee und im Nahen Osten verantwortlich. Ihre über 20-jährige Laufbahn in der Energiebranche umfasst Stationen bei Shell, Total und zuletzt BP, wo sie sich besonders im Bereich der Digitalisierung von Förderprozessen und nachhaltiger Energiegewinnung profilierte.

Die 48-jährige Irin absolvierte ihr Studium der Petroleum Engineering am Imperial College London und verfügt über einen MBA der London Business School. Besonders relevant für ihre neue Position: Delaney leitete bei BP die Expansion in Osteuropa und den Nahen Osten – Regionen, die für die OMV strategisch entscheidend sind. "Ihre internationale Erfahrung ist in der aktuellen geopolitischen Lage von unschätzbarem Wert", betont Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer.

Erste Frau an der OMV-Spitze: Symbolkraft und Substanz

Mit Delaney bricht die OMV eine langjährige Tradition: Seit der Gründung 1958 stand das Unternehmen ausschließlich unter männlicher Führung. Diese Entscheidung spiegelt einen breiteren Trend in der Energiebranche wider, wo der Frauenanteil in Führungspositionen traditionell niedrig ist. In Österreich beträgt der Frauenanteil in Vorständen börsennotierter Unternehmen derzeit nur 18,3% – deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 32,2%.

Die Nominierung erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt: Die Energiebranche durchlebt eine fundamentale Transformation. Dekarbonisierung, digitale Innovation und geopolitische Verwerfungen stellen etablierte Geschäftsmodelle in Frage. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen durch die EU-Taxonomie und den Green Deal erheblich.

Strategische Neuausrichtung: Diversifizierung und Eigenförderung

Minister Hattmannsdorfer macht deutlich, welche Erwartungen die Republik an die neue CEO stellt. Im Zentrum steht die Diversifizierung der Lieferbeziehungen – eine Lehre aus der Abhängigkeit von russischen Energielieferungen. Vor dem Ukraine-Krieg bezog Österreich rund 80% seines Gases aus Russland, ein Anteil, der inzwischen auf unter 50% gesunken ist.

Ein Schlüsselelement der neuen Strategie ist die Stärkung der Eigenförderung. Die OMV fördert derzeit täglich etwa 480.000 Barrel Öläquivalent, davon rund 60% außerhalb Österreichs. Das Neptun Deep Projekt im rumänischen Schwarzen Meer, das Hattmannsdorfer explizit erwähnt, könnte bis zu 100 Milliarden Kubikmeter Gas fördern – genug, um Österreich 25 Jahre lang zu versorgen. Die Investitionskosten belaufen sich auf geschätzte 4 Milliarden Euro.

Internationale Partnerschaften als Wachstumsmotor

Die Kooperation mit Borouge International in den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigt die neue internationale Ausrichtung. Dieses Joint Venture zwischen der OMV-Tochter Borealis und der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) produziert jährlich 4,5 Millionen Tonnen Polyethylen und Polypropylen. Für die OMV bedeutet dies nicht nur diversifizierte Rohstoffquellen, sondern auch Zugang zu schnell wachsenden Märkten in Asien und Afrika.

Weitere strategische Partnerschaften sind in Planung: Die OMV prüft derzeit Kooperationen in Kasachstan, Aserbaidschan und dem Irak. Diese Expansion ist nicht nur geographisch motiviert, sondern auch technologisch: In diesen Regionen kann die OMV ihre Expertise in Enhanced Oil Recovery und digitalen Fördertechnologien einsetzen.

Chemie und Kunststoffe: Zukunftsmarkt im Wandel

Der von Hattmannsdorfer angesprochene Chemie- und Kunststoffbereich ist für die OMV von strategischer Bedeutung. Die Tochtergesellschaft Borealis ist Europas zweitgrößter Polyolefin-Produzent und erwirtschaftet rund 30% des OMV-Gesamtumsatzes. Dieser Bereich steht jedoch vor enormen Herausforderungen: Die EU plant ab 2030 drastische Beschränkungen für Einwegplastik und fördert gleichzeitig das Recycling.

Chemisches Recycling – die Zerlegung von Kunststoffabfällen in ihre molekularen Bestandteile – gilt als Schlüsseltechnologie. Die OMV investiert bereits 750 Millionen Euro in eine entsprechende Anlage in Schwechat, die ab 2025 jährlich 200.000 Tonnen Kunststoffabfall verarbeiten soll. "Wir werden aus Abfall wieder hochwertigen Kunststoff machen", erklärt ein OMV-Sprecher das Konzept.

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor

Die EU-Taxonomie verlangt von Energieunternehmen konkrete Schritte zur CO2-Reduktion. Die OMV hat sich verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden und bis 2030 die Scope-1- und Scope-2-Emissionen um 30% zu reduzieren. Dafür investiert das Unternehmen jährlich 500 Millionen Euro in nachhaltige Technologien.

Besonders vielversprechend ist die Entwicklung von Sustainable Aviation Fuel (SAF) – Flugzeugtreibstoff aus erneuerbaren Quellen. Die OMV-Raffinerie Schwechat produziert bereits 175.000 Tonnen SAF pro Jahr und will diese Kapazität bis 2030 verdreifachen. Abnehmer sind internationale Airlines wie Austrian Airlines und Lufthansa, die EU-weit zu steigenden SAF-Quoten verpflichtet sind.

Österreich im europäischen Energiekontext

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern befindet sich Österreich in einer besonderen Situation. Während Deutschland mit RWE und E.ON sowie die Niederlande mit Shell über mehrere große Energiekonzerne verfügen, konzentriert sich Österreichs Energiewirtschaft stark auf die OMV. Diese Monostruktur birgt sowohl Chancen als auch Risiken.

Positiv ist die klare Fokussierung der staatlichen Energiepolitik auf ein Unternehmen. Die österreichische Beteiligung von 31,5% über die ÖBAG ermöglicht direkten Einfluss auf strategische Entscheidungen. Gleichzeitig entsteht eine erhebliche Abhängigkeit: Probleme bei der OMV wirken sich unmittelbar auf die nationale Energiesicherheit aus.

Die Schweiz verfolgt mit ihrer weniger zentralisierten Struktur einen anderen Ansatz. Dort teilen sich mehrere mittelgroße Unternehmen wie Vitol und Glencore den Markt. Deutschland setzt verstärkt auf den Ausbau erneuerbarer Energien und reduziert die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen schneller als Österreich.

Herausforderungen für die neue CEO

Emma Delaney übernimmt die OMV-Führung in einer der komplexesten Phasen der Unternehmensgeschichte. Die Energiewende zwingt zu massiven Investitionen in neue Technologien, während gleichzeitig die klassischen Geschäftsbereiche noch jahrzehntelang Gewinne erwirtschaften müssen. Diese Balance zu finden, ist eine der Kernaufgaben.

Ein weiteres Spannungsfeld entsteht zwischen kurzfristigem politischem Druck und langfristigen Unternehmenszielen. Die österreichische Politik erwartet von der OMV, als stabilisierender Faktor für Energiepreise zu fungieren – eine Rolle, die mit marktwirtschaftlichen Prinzipien kollidieren kann. Delaney wird diese Interessenskonflikte geschickt navigieren müssen.

Digitalisierung als Wettbewerbsvorteil

Die Digitalisierung der Energiewirtschaft schreitet rasant voran. Künstliche Intelligenz optimiert bereits heute Förderprozesse, predictive Analytics reduziert Ausfallzeiten, und Blockchain-Technologie ermöglicht neue Handelsmodelle. Die OMV investiert jährlich 200 Millionen Euro in IT und Digitalisierung – ein Bereich, in dem Delaneys Expertise besonders wertvoll ist.

Besonders vielversprechend ist die Anwendung von Machine Learning in der Exploration. Algorithmen können aus geologischen Daten präzisere Vorhersagen über Öl- und Gasvorkommen treffen als herkömmliche Methoden. Dies reduziert sowohl Kosten als auch Umweltrisiken bei Probebohrungen.

Auswirkungen auf Verbraucher und Wirtschaft

Für österreichische Verbraucher bedeutet die OMV-Neuausrichtung sowohl Chancen als auch Unsicherheiten. Die verstärkte Eigenförderung könnte mittelfristig zu stabileren Energiepreisen führen. Andererseits erfordern die hohen Investitionen in nachhaltige Technologien zunächst erhebliche Kapitalaufwendungen, die sich in den Produktpreisen niederschlagen könnten.

Konkret spürbar werden die Veränderungen an den rund 2.100 OMV-Tankstellen in Österreich. Dort werden sukzessive Ladestationen für Elektrofahrzeuge installiert und alternative Kraftstoffe angeboten. Bis 2030 soll jede dritte OMV-Station über Schnellladegeräte verfügen – eine Investition von 500 Millionen Euro.

Für die österreichische Industrie ist die OMV als Rohstofflieferant unverzichtbar. Unternehmen wie Lenzing, Voestalpine oder Austrialpin sind auf zuverlässige und preislich kalkulierbare Energielieferungen angewiesen. Die OMV-Strategie der Diversifizierung dient daher nicht nur der eigenen Risikostreuung, sondern stärkt die gesamte heimische Industrie.

Zukunftsperspektive: Transformation eines Traditionsunternehmens

Die nächsten fünf Jahre werden entscheidend für die Zukunft der OMV. Analysten erwarten, dass der Anteil fossiler Brennstoffe am Gesamtumsatz von derzeit 85% auf etwa 60% sinken wird. Den größten Zuwachs prognostizieren Experten für den Bereich erneuerbarer Energien und Wasserstoff.

Besonders vielversprechend ist die geplante Wasserstoff-Produktion. Die OMV plant bis 2030 Elektrolyse-Anlagen mit einer Kapazität von 500 Megawatt – genug, um jährlich 80.000 Tonnen grünen Wasserstoff zu produzieren. Abnehmer sind die Stahlindustrie und der Schwerlastverkehr, wo Elektrifizierung technisch schwer realisierbar ist.

Die internationale Expansion wird sich verstärkt auf Emerging Markets konzentrieren. Afrika und Asien bieten sowohl große unerschlossene Rohstoffvorkommen als auch schnell wachsende Absatzmärkte für petrochemische Produkte. Bis 2030 soll der Anteil dieser Regionen am OMV-Geschäft von derzeit 20% auf 40% steigen.

Risiken und Chancen der Transformation

Der Wandel birgt erhebliche Risiken: Hohe Investitionen in unerprobte Technologien könnten sich als unrentabel erweisen, während gleichzeitig die Erträge aus dem klassischen Öl- und Gasgeschäft unter Druck geraten. Gleichzeitig eröffnen sich neue Marktchancen in Bereichen wie Carbon Capture and Storage oder synthetischen Kraftstoffen.

Die geopolitischen Verwerfungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell sich Rahmenbedingungen ändern können. Delaneys internationale Erfahrung wird entscheidend sein, um die OMV durch diese turbulenten Zeiten zu navigieren und gleichzeitig die österreichischen Interessen zu wahren.

Mit Emma Delaney an der Spitze steht die OMV vor einer neuen Ära. Ihre Aufgabe wird es sein, das traditionelle Energieunternehmen zu einem modernen, nachhaltigen und international wettbewerbsfähigen Konzern zu transformieren – ohne dabei die Versorgungssicherheit Österreichs zu gefährden. Der Erfolg dieser Mission wird nicht nur über die Zukunft der OMV, sondern auch über Österreichs Position im europäischen Energiemarkt entscheiden.

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